Foto: Flughafen Friedrichshafen.
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Aufwärtstrend und Netzausbau am Flughafen Friedrichshafen

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Der Flughafen Friedrichshafen hat das Kalenderjahr 2025 mit einer positiven Bilanz abgeschlossen und verzeichnet ein deutliches Wachstum bei den Fluggastzahlen. Trotz des Wegfalls einer zentralen Zubringerstrecke zu einem internationalen Drehkreuz gelang es dem Management, die Passagierzahlen um zehn Prozent auf über 250.000 Reisende zu steigern.

Dieser Aufschwung wird maßgeblich durch ein erstarktes Segment im Urlaubs- und Städteverkehr sowie eine Diversifizierung des Flugangebots getragen. Für die kommende Sommersaison 2026 kündigt der Flughafen eine Ausweitung des Portfolios auf 15 Destinationen in acht Ländern an, wobei insbesondere die Rückkehr eines namhaften europäischen Low-Cost-Carriers und die Erschließung neuer Ziele in Spanien die Marktposition des regionalen Luftverkehrsknotens festigen sollen.

Marktanalyse und Passagierentwicklung im regionalen Kontext

Die Entwicklung am Bodensee-Airport ist vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Luftverkehrsmarktes in Süddeutschland zu betrachten. Mit 250.881 Passagieren im Jahr 2025 hat der Standort bewiesen, dass er auch ohne die traditionsreiche Anbindung an das Drehkreuz Frankfurt eine relevante Rolle für Geschäfts- und Privatreisende spielt. Die Steigerung um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr verdeutlicht eine robuste lokale Nachfrage, die vor allem durch touristische Verbräuche und regionale Wirtschaftskontakte gespeist wird. Geschäftsführer Detlef Schäfer hebt hervor, dass dieser Zuwachs organisch erzielt wurde, obwohl die Lufthansa-Verbindung nach Frankfurt nach dem ersten Quartal 2024 eingestellt worden war.

Der Wegfall dieser Hub-Anbindung stellt den Flughafen zwar vor strategische Herausforderungen bezüglich der weltweiten Erreichbarkeit für die regionale Industrie, scheint jedoch im Bereich des Punkt-zu-Punkt-Verkehrs kompensiert worden zu sein. Aktuell laufen intensive Verhandlungen mit verschiedenen Fluggesellschaften, um künftig wieder einen Anschluss an ein internationales Drehkreuz zu realisieren. Eine solche Verbindung gilt als essenziell für die Attraktivität des Standorts für global agierende Unternehmen in der Bodenseeregion, die auf effiziente Umsteigeverbindungen angewiesen sind.

Flugbewegungen und operative Vielseitigkeit

Parallel zu den Passagierzahlen stieg auch die Anzahl der Starts und Landungen signifikant an. Rund 30.000 Flugbewegungen im Jahr 2025 entsprechen einem Plus von neun Prozent. Diese Zahl umfasst jedoch weit mehr als den regulären Linien- und Charterverkehr. Der Flughafen Friedrichshafen dient als multifunktionaler Infrastrukturstandort, der auch für Ambulanzflüge, Pilotentrainings und Rundflüge genutzt wird. Ein wesentlicher Faktor für das hohe Aufkommen an Flugbewegungen bleibt zudem der Messeverkehr. Insbesondere die internationale Luftfahrtmesse Aero generiert jährlich ein hohes Aufkommen an Flugbewegungen durch Privat- und Geschäftsreiseflugzeuge aus ganz Europa.

Darüber hinaus etabliert sich der Standort vermehrt als Logistikpunkt für Sondercharter. Sportmannschaften nutzen den Flughafen für ihre Reisen zu internationalen Wettkämpfen, und spezialisierte Reiseveranstalter organisieren exklusive Gruppenreisen direkt ab Friedrichshafen. Diese Nischenmärkte tragen zur wirtschaftlichen Stabilität des Flughafens bei und nutzen die kurzen Wege sowie die effiziente Abwicklung an einem kleineren Regionalflughafen als Wettbewerbsvorteil gegenüber den großen Metropolflughäfen.

Strategische Rückkehr von Ryanair und Netzerweiterung 2026

Für die Sommersaison 2026 setzt der Bodensee-Airport auf eine Mischung aus bewährten Strecken und neuen Impulsen. Ein entscheidender Wendepunkt ist die angekündigte Rückkehr der Fluggesellschaft Ryanair zum 1. April 2026. Die irische Fluglinie wird nicht nur die beliebte Verbindung nach Mallorca bedienen, sondern das Angebot um eine neue Destination erweitern: Alicante an der spanischen Costa Blanca wird zweimal wöchentlich angeflogen. Diese Entscheidung signalisiert ein wiedergewonnenes Vertrauen des Marktes in das Einzugsgebiet des Flughafens, das sich über Teile Süddeutschlands, Vorarlbergs und der Ostschweiz erstreckt.

Das innerdeutsche Angebot bleibt mit den bereits seit Jahresbeginn bestehenden Verbindungen nach Düsseldorf, Hamburg und Berlin stabil. Diese Strecken richten sich primär an Städtereisende und Geschäftsleute, die einen schnellen Zugang zu den deutschen Metropolen suchen. Durch die Bündelung dieser Destinationen positioniert sich Friedrichshafen als wichtiges Bindeglied für den innerdeutschen Wirtschaftsverkehr, während die internationalen Urlaubsflüge das Sommergeschäft dominieren.

Fokus auf touristische Spezialmärkte und Nischendestinationen

Ein Alleinstellungsmerkmal im Flugplan von Friedrichshafen ist die Bedienung kleinerer, oft exklusiver Urlaubsziele, die von größeren Flughäfen seltener direkt angeflogen werden. Für das Jahr 2026 umfasst dies Ziele wie die Ostseeinsel Usedom, die toskanische Insel Elba sowie Calvi auf Korsika. Diese Verbindungen sprechen eine spezifische Zielgruppe an, die Wert auf eine komfortable Anreise ohne lange Transferzeiten legt. Auch die griechischen Inseln Kreta, Rhodos und Lefkas sind weiterhin fester Bestandteil des Portfolios.

Die türkische Riviera bleibt mit bis zu fünf wöchentlichen Verbindungen nach Antalya der volumensstärkste Bereich im Chartersegment. Ergänzt wird das Programm durch saisonale Sonderreisen. Im Frühjahr und Sommer stehen Ziele wie Menorca und Apulien auf dem Plan, während für den kommenden Winter bereits eine Verbindung nach Kuusamo in Finnisch-Lappland vorbereitet wird. Diese Diversifizierung ermöglicht es dem Flughafen, saisonale Schwankungen abzufedern und ein breites Spektrum an Reisewünschen abzudecken.

Infrastrukturelle Bedeutung für die regionale Wirtschaft

Trotz der positiven Zahlen bleibt die Wiederherstellung einer Hub-Anbindung das oberste Ziel der Standortentwicklung. Die regionale Wirtschaft im Bodenseekreis zeichnet sich durch eine hohe Exportquote und zahlreiche Weltmarktführer im Bereich Maschinenbau und Luftfahrttechnik aus. Für diese Unternehmen stellt die Abwesenheit einer direkten Zubringerleistung zu einem großen Drehkreuz wie Frankfurt oder München einen Standortnachteil dar. Die Flughafenführung betont daher, dass die derzeitigen Erfolge im Tourismussegment zwar die wirtschaftliche Basis sichern, die strategische Priorität jedoch auf der Rückkehr einer Netzwerk-Airline liegt.

Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit die laufenden Gespräche mit potenziellen Partnern Früchte tragen. Der Erfolg im Passagiergeschäft 2025 dient dabei als gewichtiges Argument in den Verhandlungen, da er die Zahlungsbereitschaft und Reisefreudigkeit der Region belegt. Der Flughafen Friedrichshafen muss hierbei den Spagat zwischen einem kosteneffizienten Betrieb für Billigflieger und Chartergesellschaften einerseits und den hohen Serviceanforderungen für den Linienverkehr andererseits meistern.

Zukunftsaussichten und betriebliche Planung

Die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr sind vorsichtig optimistisch. Mit der Erweiterung des Flugplans auf 15 Ziele in acht Ländern schafft der Bodensee-Airport eine solide Grundlage für weiteres Wachstum. Die betriebliche Planung sieht vor, die Effizienz bei der Abfertigung weiter zu steigern, um die Attraktivität für Airlines zu erhöhen. Da die Infrastruktur des Flughafens für deutlich höhere Passagierzahlen ausgelegt ist, bestehen ausreichend Kapazitätsreserven für eine künftige Expansion.

Ein wichtiger Faktor wird auch die Entwicklung der allgemeinen Luftverkehrsteuer und anderer regulatorischer Abgaben in Deutschland sein, die insbesondere Regionalflughäfen im Wettbewerb mit Standorten im benachbarten Ausland wie Zürich oder Memmingen belasten können. Durch die Konzentration auf kaufkräftige Zielgruppen und spezialisierte Reiseangebote versucht Friedrichshafen, seine Marktanteile zu behaupten und auszubauen. Die Rückkehr internationaler Player wie Ryanair ist ein erster Indikator dafür, dass die Neuausrichtung nach den strukturellen Veränderungen der Vorjahre erste Erfolge zeigt.

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