Die slowakische Regierung hat eine weitere Senkung der Flugsicherungsgebühren um 30 % beschlossen, um den Luftverkehr und den Tourismus am Standort Bratislava massiv zu fördern. Diese Maßnahme folgt auf bereits im Jahr 2025 implementierte Senkungen der Flughafenentgelte.
In der Folge hat der irische Billigflieger Ryanair seine Präsenz am Flughafen Bratislava deutlich ausgebaut: Mit einer Investition von 300 Millionen US-Dollar wurden drei zusätzliche Flugzeuge stationiert und zehn neue Flugverbindungen in den Flugplan aufgenommen. Für den Sommerflugplan 2026 prognostiziert die Fluggesellschaft ein Verkehrswachstum von 70 % für den slowakischen Hauptstadtflughafen, der aufgrund seiner räumlichen Nähe als direkte Konkurrenz zum Flughafen Wien fungiert.
Während Bratislava durch aggressive Anreizsysteme expandiert, verzeichnet der Flughafen Wien für das Jahr 2026 einen Rückgang des Verkehrsaufkommens um 10 %. Marktanalysen führen diese Entwicklung auf die hohen Standortkosten in Österreich zurück. Im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie sind die Flughafenentgelte in Wien um 30 % und die Gebühren für die Flugsicherung sogar um 60 % gestiegen. Ein zentraler Kritikpunkt der Branche bleibt zudem die österreichische Luftverkehrsabgabe in Höhe von 12 Euro pro Passagier. Branchenkenner weisen darauf hin, dass Nachbarländer wie Ungarn und Italien sowie andere EU-Staaten wie Schweden ihre steuerlichen Belastungen im Luftverkehr zuletzt reduziert haben, um im europäischen Wettbewerb um Passagierströme und Flugzeugstationierungen attraktiv zu bleiben.
Die Verlagerung von Kapazitäten in kostengünstigere Nachbarländer wird zunehmend zum strukturellen Problem für den österreichischen Tourismusstandort. Ryanair knüpft künftige Investitionen in Wien an eine grundlegende Reform der Gebührenstruktur. Die Fluggesellschaft stellte einen Wachstumsplan in Aussicht, der bei Wegfall der Luftverkehrssteuer die Stationierung von zehn weiteren Flugzeugen und die Eröffnung von 40 neuen Strecken vorsehen würde. Ohne eine politische Kurskorrektur droht Wien laut Experten eine weitere Abwanderung von Verkehrsanteilen nach Bratislava, da die Preisdifferenz für einkommensschwächere Passagiersegmente und Billigfluggesellschaften mittlerweile ausschlaggebend für die Routenwahl ist.
Das Beispiel Bratislava verdeutlicht den Trend zur Dezentralisierung im osteuropäischen Luftverkehrsmarkt. Durch die Kombination aus niedrigen operativen Kosten und staatlicher Förderung entwickelt sich der Flughafen zu einem regionalen Knotenpunkt, der zunehmend auch Passagiere aus dem Osten Österreichs abzieht. Die österreichische Luftfahrtpolitik steht somit unter Zugzwang, da die Einnahmen aus der Luftverkehrsabgabe im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Einbußen durch sinkende Passagierzahlen und den Verlust an Konnektivität von Branchenvertretern als unverhältnismäßig bewertet werden. Die Entscheidung der slowakischen Regierung markiert somit einen weiteren Meilenstein in einem Preiskampf, der die Dynamik des mitteleuropäischen Luftverkehrs nachhaltig verändert.