Airbus A320neo (Foto: Airbus).
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Strategische „Flottenerneuerung“ der S7 Group mit russischen Tu-214-Flugzeugen

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Die russische Fluggesellschaft S7 Airlines, die größte private Airline des Landes, hat eine Absichtserklärung über den Erwerb von 100 Mittelstreckenflugzeugen des Typs Tupolew Tu-214 unterzeichnet. Dieser Schritt markiert eine grundlegende strategische Neuausrichtung des Unternehmens, das bisher fast ausschließlich auf westliche Flugzeugmuster der Hersteller Airbus und Boeing setzte. Bis Ende 2026 sollen die Rahmenbedingungen in verbindliche Lieferverträge überführt werden, wobei die ersten Auslieferungen für das Jahr 2029 avisiert sind. Die Entscheidung steht im Kontext der weitreichenden Sanktionen, die den Zugang zu westlicher Luftfahrttechnologie und Ersatzteilen massiv einschränken.

Das Projekt sieht eine spezifische technische Konfiguration vor, die in gemeinsamen Arbeitsgruppen mit dem Hersteller United Aircraft Corporation (UAC) erarbeitet wurde. Die Kabinen der neuen Maschinen werden auf eine Kapazität von bis zu 213 Passagieren ausgelegt. Ein wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung ist die Einbindung konzerneigener Tochtergesellschaften in den Betriebszyklus: S7 Technics soll als autorisierter Partner die technische Wartung und Instandhaltung übernehmen, während S7 Training für die Qualifizierung des Flugpersonals und der Bodencrews verantwortlich zeichnet. Damit sichert sich die S7 Group eine weitgehende Unabhängigkeit bei der Betreuung der neuen Flotte.

Hintergrund dieser massiven Order ist der staatliche Auftrag zur Wiederbelebung der russischen Zivilluftfahrtindustrie. Da die Wartung der bestehenden Airbus- und Boeing-Flotten aufgrund mangelnder Zertifizierungen und fehlender Originalbauteile zunehmend schwieriger wird, forciert die Regierung die Produktion heimischer Typen wie der Tu-214 und der MS-21. Die Tu-214, eine Weiterentwicklung der Tu-204, wird im Kasaner Flugzeugwerk produziert. Bisher wurde das Modell vorrangig für Regierungszwecke und spezialisierte Aufgaben genutzt, soll nun aber im Zuge der Serienfertigung verstärkt den kommerziellen Liniendienst übernehmen, um die Kapazitäten im Inlandsverkehr langfristig abzusichern.

Experten werten die Bestellung der S7 Group als notwendigen Schritt zur Sicherung des Fortbestands der Airline. Während staatliche Wettbewerber wie Aeroflot bereits frühzeitig Großbestellungen für russische Flugzeuge aufgaben, zögerte S7 als privater Akteur zunächst. Die nun unterzeichnete Erklärung über 100 Maschinen verdeutlicht jedoch, dass eine Rückkehr zu westlichen Modellen auf absehbare Zeit nicht realistisch erscheint. Die Tu-214 gilt als bewährtes, wenn auch im Vergleich zu modernen westlichen Maschinen weniger effizientes Flugzeug, das jedoch den Vorteil bietet, ohne wesentliche Importkomponenten gefertigt werden zu können.

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