Die Versorgungslage in Kuba hat sich im Februar 2026 dramatisch verschlechtert, was zu einem nahezu vollständigen Erliegen des regulären internationalen Flugverkehrs führt. Aufgrund eines massiven Mangels an Kerosin und Treibstoffen ist die kommerzielle Luftfahrt auf der Insel weitgehend zum Erliegen gekommen.
Internationale Fluggesellschaften reagieren mit drastischen Einschnitten, Flugstreichungen oder kostspieligen Umwegen über Drittstaaten. Besonders betroffen sind die Direktverbindungen aus Deutschland, die von der staatlichen kubanischen Fluggesellschaft Cubana de Aviación bedient werden. Parallel dazu hat das Auswärtige Amt in Berlin seine Reisehinweise verschärft und rät nun von nicht notwendigen Reisen in den Inselstaat ab. Die wirtschaftlichen Folgen für den Tourismussektor, der als wichtigste Devisenquelle des Landes gilt, sind derzeit noch nicht absehbar, während Reiseveranstalter mit umfassenden Stornierungswellen und Umbuchungsanfragen konfrontiert sind.
Einstellung der Direktverbindungen aus Deutschland
Die ohnehin spärlichen Direktverbindungen zwischen der Bundesrepublik und Kuba sind von der aktuellen Kerosinkrise unmittelbar betroffen. Cubana de Aviación sah sich gezwungen, sämtliche Flüge von Frankfurt am Main mindestens bis Anfang März 2026 auszusetzen. Dies betrifft konkret die wöchentlichen Verbindungen am Mittwoch, die über Holguín nach Havanna führen, sowie die Samstagsflüge direkt in die Hauptstadt. Die ersten Streichungen traten bereits am 11. Februar in Kraft. Die Fluggesellschaft teilte mit, dass Passagiere die Wahl zwischen einer kostenlosen Umbuchung auf spätere Termine oder einer vollständigen Rückerstattung des Ticketpreises haben. Man hofft in Havanna zwar auf eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs zum 8. März, doch Branchenexperten bezweifeln angesichts der geopolitischen Gesamtlage, ob bis dahin eine stabile Treibstoffversorgung gewährleistet werden kann.
Die Krise trifft den deutschen Markt besonders hart, da alternative Verbindungen über europäische Drehkreuze wie Madrid oder Paris ebenfalls unter dem Mangel an Betankungsmöglichkeiten vor Ort leiden. Während Cubana ihre Flüge komplett streicht, versuchen andere Carrier, den Betrieb durch technische Zwischenlandungen aufrechtzuerhalten, was jedoch die Flugzeiten verlängert und die Betriebskosten massiv in die Höhe treibt.
Strategien internationaler Fluggesellschaften und Tankstopps
Weltweit reagieren Airlines sehr unterschiedlich auf die Versorgungsengpässe. Ein radikaler Rückzug ist bei den nordamerikanischen Gesellschaften zu beobachten. Air Canada hat angekündigt, sämtliche Verbindungen nach Kuba vorerst bis Mai 2026 einzustellen. Auch die kanadischen Konkurrenten Westjet und Air Transat folgen diesem Beispiel. Diese Entscheidungen wiegen schwer, da Kanada traditionell den wichtigsten Quellmarkt für den kubanischen Tourismus darstellt. Ohne diese Kapazitäten droht den Urlaubsgebieten wie Varadero ein vollständiger Stillstand.
Europäische Fluggesellschaften wie Iberia und Air Europa versuchen hingegen, ihre Frequenzen vorerst beizubehalten, wählen jedoch eine logistisch aufwendige Lösung: den sogenannten technischen Tankstopp. Da in Havanna kein Kerosin für den Rückflug zur Verfügung steht, landen die Maschinen auf dem Rückweg in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik, um dort die notwendigen Reserven für die Atlantiküberquerung aufzunehmen. Auch Air France nutzt Ausweichmöglichkeiten in der Region. Einzig Aeroméxico fliegt Berichten zufolge vorerst ohne Änderungen, da die kurzen Distanzen zwischen Mexiko und Kuba es ermöglichen, ausreichend Treibstoff für den Hin- und Rückflug bereits am Abflugort zu tanken – ein Verfahren, das in der Luftfahrt als Tankering bekannt ist, bei Langstreckenflügen aus Europa jedoch technisch nicht umsetzbar ist.
Verschärfte Reisehinweise und Warnungen des Auswärtigen Amtes
Die prekäre Lage hat nun auch diplomatische Konsequenzen. Das Auswärtige Amt in Berlin rät seit dieser Woche offiziell von nicht notwendigen Reisen nach Kuba ab. Grund hierfür ist nicht allein die Unsicherheit im Flugverkehr, sondern der drohende Kollaps der allgemeinen Energieversorgung. Das Ausbleiben von Öl- und Treibstofflieferungen führt zu erheblichen Ausfällen im öffentlichen Leben. Stromabschaltungen, der Stillstand des öffentlichen Nahverkehrs und Engpässe bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln beeinträchtigen alle Lebensbereiche.
Touristen müssen damit rechnen, dass Transfers innerhalb des Landes nicht durchgeführt werden können oder Mietwagen mangels Benzin nicht zur Verfügung stehen. In den Hotels kann es trotz eigener Generatoren zu Einschränkungen kommen, da auch der Diesel für diese Aggregate knapp wird. Die Warnung des Auswärtigen Amtes dient auch dazu, Reisende vor einer möglichen Festsetzung im Land zu schützen, sollten weitere Flugverbindungen kurzfristig gestrichen werden, ohne dass Rückholkapazitäten bereitstehen.
Reaktionen der Reiseveranstalter und wirtschaftliche Folgen
Für die deutsche Reisebranche bedeutet die Situation einen massiven logistischen Aufwand. Der Marktführer Dertour hat bereits reagiert und bietet seinen Kunden weitreichende Kulanzregelungen an. Pauschalreisende können ihre Buchungen für die gesamte Sommersaison kostenfrei auf andere Ziele umbuchen. Für alle Abreisen bis Ende März 2026 werden zudem kostenlose Stornierungen ermöglicht. Ähnliche Regelungen werden von anderen großen Veranstaltern erwartet, um die Rechtsunsicherheit für die Kunden zu minimieren.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Kuba selbst sind verheerend. Der Tourismus ist der Motor der kubanischen Wirtschaft. Wenn internationale Airlines die Insel meiden, fehlen nicht nur die Ausgaben der Urlauber vor Ort, sondern auch die Lande- und Überfluggebühren sowie die Einnahmen aus dem Verkauf von Kerosin – sofern dieses überhaupt vorhanden wäre. Die aktuelle Krise verschärft die ohnehin bestehende Inflation und den Mangel an Devisen, was wiederum den Import von neuem Treibstoff weiter erschwert. Es handelt sich um einen wirtschaftlichen Teufelskreis, aus dem derzeit kein einfacher Ausweg ersichtlich ist.
Ursachen der Treibstoffkrise
Hinter den aktuellen Engpässen stehen jahrelange strukturelle Probleme sowie eine Verschärfung internationaler Sanktionen. Die veraltete Infrastruktur der kubanischen Raffinerien ist kaum noch in der Lage, Rohöl effizient zu verarbeiten. Zudem sind wichtige Lieferantenländer aufgrund eigener wirtschaftlicher Probleme oder politischem Druck von außen nicht mehr bereit oder in der Lage, Öl auf Kreditbasis zu liefern. Die kubanische Regierung macht primär die Wirtschaftsblockade für die Misere verantwortlich, während Beobachter auch auf fehlende Investitionen und Missmanagement im Energiesektor hinweisen. Ohne eine kurzfristige externe Unterstützung durch Partnerländer bleibt die Versorgungslage instabil, was die Rückkehr zu einem geregelten Flugplan in weite Ferne rückt.