Der IT-Dienstleister SITA hat mit der „Advance Flight Delay Notification API“ eine technologische Lösung vorgestellt, die den Informationsfluss zwischen Abflug- und Zielflughäfen bei Flugverzögerungen automatisieren soll. Hintergrund dieser Entwicklung sind die massiven wirtschaftlichen Belastungen, die durch mangelnde Datenaktualität im Flugverkehrsmanagement entstehen. Schätzungen der International Air Transport Association (IATA) zufolge beliefen sich die Kosten durch Verzögerungen in Europa im letzten Jahrzehnt auf rund 16,1 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil dieser Summe resultiert nicht aus der Verspätung an sich, sondern aus der Unfähigkeit der Bodenstationen, rechtzeitig auf unvorhergesehene Änderungen zu reagieren.
Die neue Schnittstelle nutzt aktuelle Abflugdaten und berechnet auf Basis hinterlegter Geschäftslogiken die voraussichtliche Ankunftszeit am Zielort. Sobald eine Abweichung von mindestens 15 Minuten zur geplanten Zeit auftritt, werden automatisierte Push-Benachrichtigungen an die Teams am Zielflughafen gesendet. Dieser digitale Informationsvorsprung soll es Bodenabfertigungsdiensten, Catering-Unternehmen und der Crewplanung ermöglichen, Ressourcen wie Personal und Gerät proaktiv umzuverteilen. Bisher waren viele Akteure am Boden auf manuelle Flugplanabfragen angewiesen, was bei kurzfristigen Änderungen oft zu blockierten Gates, unnötigen Wartezeiten für das Personal und verpassten Anschlussflügen für Passagiere führte.
Zusätzliche Marktbeobachtungen unterstreichen den hohen Druck auf die Luftfahrtbranche, die Effizienz der Bodenprozesse zu steigern. Mit dem steigenden Passagieraufkommen nach der Pandemie sind die Pufferzeiten im Airline-Netzwerk deutlich geschrumpft. Die API wird über verschlüsselte Verbindungen bereitgestellt und ist als Abonnementdienst konzipiert, um eine nahtlose Integration in bestehende Flughafensysteme zu ermöglichen. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die Vernetzung von Echtzeitdaten zwischen den verschiedenen Akteuren des Luftverkehrsökosystems eine wesentliche Voraussetzung ist, um die operationelle Leistungsfähigkeit auch bei unvorhersehbaren Störungen aufrechtzuerhalten.
Durch die frühzeitige Information können auch gesetzliche Ruhezeiten der Besatzungen besser überwacht und nötigenfalls Ersatzcrews rechtzeitig angefordert werden. SITA zielt mit diesem Angebot darauf ab, die Reaktionsgeschwindigkeit der Flughäfen von einem reaktiven zu einem proaktiven Modell zu verschieben. Während die Kosten für die Implementierung solcher Systeme variieren, steht dem gegenüber das Potenzial, teure Umbuchungen und Entschädigungszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung durch eine bessere Steuerung der Passagierströme zu minimieren. Die Lösung ist Teil eines breiteren Portfolios an Datenaustausch-Diensten, die auf eine höhere Transparenz in der globalen Flugplanüberwachung setzen.