Am Faschingsdienstag, dem 17. Februar 2026, wird die Wiener Innenstadt zum Schauplatz eines gastronomischen Experiments, das die Gemüter spalten dürfte. Die Traditionsgastronomen Hans und Thomas Figlmüller haben sich mit der Wiener Bäckerei DerMann zusammengetan, um eine Kreation vorzustellen, die zwei der bekanntesten Symbole der österreichischen Küche verschmilzt: das Wiener Schnitzel und den Faschingskrapfen.
Unter dem Namen Wiener Krapfen wird ein Gebäck angeboten, das auf die klassische Marillenmarmelade verzichtet und stattdessen ein hauchdünnes, knuspriges Schnitzel samt Preiselbeeren zwischen zwei Krapfenhälften bettet. Was auf den ersten Blick wie ein kulinarischer Scherz anmutet, ist als limitiertes Premium-Produkt konzipiert, das am Standort Brioche und Brösel in der Rotenturmstraße für einen einzigen Tag die Brücke zwischen Wirtshauskultur und Backtradition schlagen soll. Diese Kooperation unterstreicht einen Trend in der Gastronomie, bei dem etablierte Marken durch unkonventionelle Partnerschaften und kurzzeitige Aktionsprodukte Aufmerksamkeit in einem gesättigten Markt generieren.
Die Anatomie einer ungewöhnlichen Verbindung
Die technische Umsetzung des Wiener Krapfens erforderte laut den Projektpartnern eine präzise Abstimmung der Komponenten. Das Fundament bildet der Krapfenteig der Bäckerei DerMann, der für seine flaumige Konsistenz bekannt ist. In der klassischen Variante wird dieser nach dem Frittieren mit Zucker bestäubt und mit Marmelade gefüllt. Für die Faschingsedition wurde das Rezept so angepasst, dass die Süße des Teiges mit den salzigen und sauren Noten der Füllung harmoniert. Das Herzstück der Kreation ist das Figlmüller-Schnitzel, das nach dem traditionellen Familienrezept zubereitet wird. Es zeichnet sich durch seine enorme Größe und die besonders feine Panier aus, die durch die Verwendung von Kaisersemmelbröseln ihre charakteristische Knusprigkeit erhält.
Die Kombination von Fleisch und süßem Gebäck ist in der internationalen Küche durchaus verankert, man denke an den US-amerikanischen Klassiker Chicken and Waffles oder den Einsatz von Preiselbeeren zum Wiener Schnitzel oder Wildgerichten. Dennoch stellt die Integration eines panierten Schnitzels in ein Siedegebäck wie den Krapfen für den Wiener Gaumen eine markante Neuheit dar. Die Preiselbeeren fungieren hierbei als geschmackliches Bindeglied, das die Brücke zwischen der Fettigkeit des Schnitzels und der Süße des Krapfens schlagen soll. Für Michael Mann, den Bäckermeister hinter der Kooperation, steht dabei der Humor des Faschings im Vordergrund, ohne jedoch den handwerklichen Anspruch zu vernachlässigen.
Wirtschaftliche Relevanz von Pop-up-Konzepten in der Gastronomie
Dass Figlmüller diesen Weg geht, ist kein Zufall. Das Familienunternehmen, das seit 1905 besteht, hat sich in den letzten Jahren zunehmend modernisiert und nutzt gezielt Marketingaktionen, um auch ein jüngeres, urbanes Publikum anzusprechen. Der Standort Brioche und Brösel ist bereits eine Abkehr vom klassischen Wirtshauskonzept und konzentriert sich auf moderne Interpretationen von Schnitzel-Variationen im Streetfood-Stil. Die zeitliche Limitierung auf den Faschingsdienstag erzeugt eine künstliche Verknappung, die in der Branche als bewährtes Mittel gilt, um Warteschlangen und mediale Präsenz zu forcieren.
Solche Kooperationen zwischen Traditionsbetrieben gewinnen in Wien an Bedeutung. Sie ermöglichen es den beteiligten Unternehmen, von der Reichweite und dem Image des jeweils anderen Partners zu profitieren. Während Figlmüller für die prestigeträchtige Fleischzubereitung steht, bringt DerMann die Expertise eines der größten Bäckereibetriebe der Stadt ein. In einer Zeit, in der soziale Medien visuell starke und diskussionswürdige Inhalte verlangen, liefert der Wiener Krapfen das ideale Material für eine breite digitale Streuung. Die Kombination aus Puderzucker und Panier ist optisch so gegensätzlich, dass sie fast zwangsläufig zu Interaktionen führt.
Sicherheit und Qualität in der Herstellung
Trotz des spielerischen Charakters betonen beide Unternehmen, dass bei der Produktion keine Kompromisse eingegangen werden. Die Einhaltung höchster Qualitätsstandards bei den Rohstoffen sei die Voraussetzung dafür, dass das Produkt nicht als minderwertiger Gag wahrgenommen wird. Das Fleisch für das Schnitzel stammt aus streng kontrollierter Herkunft, und die Panierung erfolgt in Handarbeit, um die gewohnte Textur zu garantieren. Auch die Logistik für einen solchen Aktionstag ist anspruchsvoll: Die Schnitzel müssen frisch vor Ort zubereitet werden, um in Kombination mit dem tagesfrisch gelieferten Gebäck das gewünschte Geschmackserlebnis zu bieten.
Die Brüder Thomas und Hans Figlmüller sehen in dem Projekt ein Sinnbild für ihre Firmenphilosophie. Tradition werde respektiert, aber nicht als Stillstand begriffen. Für sie ist der Krapfen ein Experimentierfeld, auf dem man die Grenzen des Wiener Geschmacks ausloten kann. Der Faschingsdienstag bietet hierfür den passenden Rahmen, da die Hemmschwelle für kulinarische Wagnisse in dieser Zeit traditionell niedriger liegt.
Reaktionen und Erwartungen am Ausgabetag
Die Erwartungen für den 17. Februar 2026 sind hoch. Da das Produkt streng limitiert ist, rechnen Beobachter mit einem frühen Ausverkauf. Die Verkaufszeit wurde zwar von 11.30 bis 22 Uhr angesetzt, doch die Erfahrung ähnlicher Aktionen in der Vergangenheit zeigt, dass die Bestände oft bereits nach wenigen Stunden erschöpft sind. Die Rotenturmstraße als eine der meistfrequentierten Fußgängerzonen Wiens bietet zudem die perfekte Bühne für ein solches Ereignis.
Für die Wiener Kulinarikszene ist der Wiener Krapfen mehr als nur eine Kuriosität. Er zeigt, wie flexibel Traditionsmarken auf aktuelle Marktanforderungen reagieren können. Während das klassische Wiener Schnitzel im Stammhaus in der Wollzeile weiterhin als sakrosankt gilt, erlauben Nebenlinien wie Brioche und Brösel den Ausbruch aus den starren Konventionen. Ob der Schnitzelkrapfen nach diesem Tag eine dauerhafte Fangemeinde findet oder als einmaliges Faschingsereignis in die Stadtgeschichte eingeht, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Kooperation zwischen Figlmüller und DerMann das Gesprächsthema des heurigen Faschingsabschlusses sein wird.