Die klassische Städtereise zu den großen europäischen Metropolen bekommt zunehmend Konkurrenz durch bisher weniger beachtete Destinationen. Eine aktuelle Analyse der Suchanfragen beim Marktführer Flixbus für den Zeitraum Ende 2025 bis Anfang 2026 belegt, dass deutsche Fahrgäste verstärkt Ziele abseits des Massentourismus ins Auge fassen. Während die Nachfrage nach etablierten Hauptstädten auf einem stabilen Niveau verharrt, verzeichnen mittelgroße Städte und ländlich geprägte Regionen teils dreistellige Zuwachsraten.
An der Spitze dieses Trends steht das belgische Mons, gefolgt vom schweizerischen Fribourg und der deutschen Ostseegemeinde Prerow. Diese Entwicklung deutet auf eine strategische Verschiebung in der Reiseplanung hin, bei der kulturelle Tiefe, historische Authentizität und die Erreichbarkeit mit dem Fernverkehrsmittel Bus eine zentrale Rolle spielen. Die Analyse der 500 meistgesuchten Ziele zeigt, dass die Reisenden des Jahres 2026 verstärkt nach Orten suchen, die eine eigenständige Identität bewahrt haben und eine Alternative zum Trubel der Millionenstädte bieten.
Der belgische Spitzenreiter: Mons erfindet sich neu
Mit einem beeindruckenden Anstieg der Suchanfragen von 103 Prozent führt Mons die Liste der Trendziele an. Die wallonische Stadt, die über Jahrzehnte hinweg primär mit der Kohle- und Stahlindustrie assoziiert wurde, hat eine tiefgreifende Transformation vollzogen. Heute präsentiert sich Mons als Kulturzentrum, das stolz auf fünf Weltkulturerbe-Titel der Unesco verweisen kann. Neben der barocken Architektur und dem markanten Beffroi lockt vor allem die moderne Street-Art-Szene ein jüngeres Publikum an. Die Anbindung an das deutsche Fernbusnetz begünstigt diesen Aufschwung: Ab Köln ist die Stadt in weniger als fünf Stunden erreichbar, was sie für verlängerte Wochenendtrips prädestiniert. Der enorme Zuwachs verdeutlicht, dass industrielle Geschichte in Kombination mit zeitgenössischer Kultur ein zugkräftiges Argument für moderne Reisende darstellt.
Schweizer Idylle und deutsche Küstenromantik
An zweiter Stelle der Analyse steht Fribourg in der Schweiz mit einem Plus von 77 Prozent. Die Stadt besticht durch eine der am besten erhaltenen historischen Altstädte Europas und profitiert von ihrer überschaubaren Größe, die ein entschleunigtes Reiseerlebnis ermöglicht. Besonders für Reisende aus Süddeutschland ist Fribourg attraktiv, da ab München Direktverbindungen bestehen, die das Ziel in rund sieben Stunden erreichen.
Parallel zum Trend der kleinen Kulturstädte bleibt das Interesse an regionalen Zielen innerhalb Deutschlands ungebrochen. Prerow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst verzeichnete ein Wachstum von 36 Prozent. Hier steht vor allem der klassische Erholungsurlaub im Vordergrund. Der kilometerlange Sandstrand und der angrenzende Darßer Urwald machen die Gemeinde zu einem Anziehungspunkt für Touristen, die eine Alternative zu den oft überlaufenen Seebädern auf Rügen oder Usedom suchen. Die saisonale Anbindung ab Berlin und Dresden sorgt dafür, dass die Küste auch ohne eigenen Pkw komfortabel erreicht werden kann.
Kassel: Dokumenta-Stadt und Grimm-Heimat im Fokus
Kassel festigt seine Position als wichtiges Ziel im Herzen Deutschlands mit einem Suchanstieg von 27 Prozent. Die Stadt profitiert von ihrer zentralen Lage und der damit verbundenen exzellenten Vernetzung im Liniennetz. Als Standort der weltweit bedeutenden Kunstausstellung documenta und als Wirkungsstätte der Gebrüder Grimm bietet Kassel eine einzigartige Mischung aus Hochkultur und Literaturgeschichte. Dass Kassel zudem als eine der grünsten Städte des Landes gilt, erhöht die Attraktivität für Städtereisende, die urbane Angebote mit weitläufigen Parkanlagen wie dem Bergpark Wilhelmshöhe kombinieren möchten. Kurze Fahrtzeiten, etwa zweieinhalb Stunden ab Hannover, machen die Stadt zu einem idealen Ziel für Kurzentschlossene.
Skandinavische Hygge und schwedische Studentenkultur
Im Norden Europas rücken Aalborg in Dänemark und Linköping in Schweden verstärkt in das Blickfeld deutscher Busreisende. Aalborg, am Limfjord gelegen, verzeichnet ein Plus von 23 Prozent. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren von einem Industriestandort zu einem Zentrum für moderne Architektur und nordisches Design entwickelt. Das maritime Flair und die dänische Lebensart Hygge ziehen insbesondere Reisende aus Norddeutschland an, die ab Hamburg in etwa sechs Stunden ans Ziel kommen.
Noch weiter nördlich verbucht das schwedische Linköping einen Zuwachs von 21 Prozent. Die fünftgrößte Stadt Schwedens ist vor allem als lebendiges Bildungszentrum bekannt. Die hohe Anzahl an Studenten prägt das Stadtbild und sorgt für ein vielfältiges gastronomisches und kulturelles Angebot. Zudem dient Linköping als Tor zur südschwedischen Natur. Die Fernbusreise ab Hamburg ist hierbei selbst Teil des Erlebnisses, da sie die Fährüberfahrt über die Ostsee beinhaltet und somit eine klassische Reiseroute in den Norden aufgreift.
Barocke Farbenpracht im Osten: Győr auf Erfolgskurs
Ebenfalls ein Plus von 23 Prozent verzeichnet das ungarische Győr. Die Stadt, die strategisch günstig zwischen Wien und Budapest liegt, punktet mit einer prachtvollen barocken Altstadt. Győr gilt als Geheimtipp für Reisende, die osteuropäische Geschichte und Architektur ohne die Menschenmassen der großen Hauptstädte erleben möchten. Die Erreichbarkeit ab süd- und ostdeutschen Städten wie Nürnberg, Stuttgart oder Dresden macht die Stadt zu einem attraktiven Ziel auf der Route Richtung Südosteuropa. Die farbenfrohen Fassaden und die lebendige Fußgängerzone laden zu ausgiebigen Erkundungstouren ein und rechtfertigen die steigende Präsenz auf den persönlichen Reiseplänen für das Jahr 2026.
Hintergründe der Analyse und methodisches Vorgehen
Die vorliegenden Daten basieren auf einem Vergleich der Suchanfragen auf der Online-Plattform von Flixbus zwischen November 2025 und Januar 2026 mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Diese Methode ermöglicht es, frühzeitig Trends zu identifizieren, bevor die eigentliche Reisesaison beginnt. Dass unter den Top-Destinationen keine der bekannten Metropolen wie Paris, London oder Berlin auftaucht, unterstreicht den Wunsch der Kunden nach Individualität und neuen Entdeckungen. Fernbusse spielen bei dieser Entwicklung eine Schlüsselrolle, da sie auch kleinere Städte und ländliche Regionen flexibel und kostengünstig an die großen Verkehrsströme anbinden.
Ein wesentlicher Treiber für den Erfolg des Fernbusverkehrs zu diesen Trendzielen bleibt die Preisstruktur. Mit Einstiegspreisen ab 5,99 Euro ist das Busreisen eine der günstigsten Möglichkeiten, Europa zu erkunden. In einer Zeit, in der andere Verkehrsträger oft mit massiven Preissteigerungen kämpfen, bietet der Bus eine verlässliche Alternative für preisbewusste Zielgruppen. Dies gilt insbesondere für Studierende und junge Reisende, die Ziele wie Linköping oder Mons bevorzugen, aber auch für ältere Generationen, die den Komfort einer direkten Verbindung ohne häufiges Umsteigen schätzen.
