Airbus A330 (Foto: Mark Bess).
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Lufthansa bereitet Mehrheitsübernahme von ITA Airways vor

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Die europäische Luftfahrtlandschaft steht vor einer bedeutenden Konsolidierung, da der Lufthansa-Konzern seine Präsenz auf dem italienischen Markt massiv ausweiten möchte. Aktuellen Berichten und Aussagen des ITA-Vorstandsvorsitzenden Jörg Eberhart zufolge bereitet sich das deutsche Luftfahrtunternehmen darauf vor, im Sommer 2026 seine Anteile an der italienischen Nationalfluggesellschaft ITA Airways von derzeit 41 Prozent auf 90 Prozent zu erhöhen.

Dieser Schritt markiert die entscheidende Phase eines mehrstufigen Übernahmeplans, der bereits mit einer ersten Kapitaleinlage von 325 Millionen Euro im Jahr 2024 eingeleitet wurde. Die angestrebte Mehrheitsübernahme ist nicht nur ein finanzieller Kraftakt, sondern auch das Fundament für eine tiefgreifende operative Integration. Ziel ist es, die italienische Airline fest in der Star Alliance zu verankern und sie in die lukrativen Transatlantik-Joint-Ventures des Konzerns einzugliedern. Trotz noch ausstehender Detailverhandlungen über eine vertraglich vereinbarte Erfolgsprämie signalisieren beide Seiten Zuversicht. Mit der Ausweitung der Interkontinentalflotte und neuen Streckenplanungen in Richtung Nordamerika wird ITA Airways zunehmend zu einem zentralen Pfeiler in der globalen Netzwerkstrategie des Lufthansa-Konzerns.

Finanzielle Strukturen und der Streit um den Earn-out

Die wirtschaftliche Ausgestaltung der Übernahme folgt einem präzisen Fahrplan, der jedoch zuletzt Gegenstand intensiver Gespräche zwischen Frankfurt und Rom war. Nachdem Lufthansa für die anfängliche Minderheitsbeteiligung 325 Millionen Euro direkt in das Eigenkapital von ITA Airways investiert hatte, sieht die zweite Stufe eine weitere Tranche in gleicher Höhe vor. Dieser Betrag soll direkt an den italienischen Staat als bisherigen Alleineigentümer fließen. Ein kontroverser Punkt in den Verhandlungen ist die sogenannte Earn-out-Komponente, eine Erfolgsprämie in Höhe von etwa 100 Millionen Euro. Diese Prämie ist an die finanzielle Performance der italienischen Fluggesellschaft gekoppelt.

Informationen aus Finanzkreisen und Berichte der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera verdeutlichen, dass Italien auf der Auszahlung dieses Bonus beharrt, obwohl die Erreichung der Gewinnschwelle durch ITA Airways voraussichtlich erst im Jahr 2028 erfolgen wird – ein Jahr später als ursprünglich im Investmentvertrag anvisiert. Für das Geschäftsjahr 2025 zeichnet sich zwar ein positives Betriebsergebnis ab, doch unter Berücksichtigung von Zinsen und Steuern wird ein Nettoverlust von rund 100 Millionen Euro erwartet. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat wiederholt klargestellt, dass die vollständige Übernahme von 100 Prozent der Anteile das langfristige Ziel bleibe, wobei die Erhöhung auf 90 Prozent im Sommer 2026 den rechtlichen Rahmen für die volle operative Kontrolle ab dem 1. Januar 2027 schaffen würde.

Integration in globale Allianzstrukturen und Marktstrategien

Ein wesentlicher Pfeiler der Lufthansa-Strategie für Italien ist die Einbindung von ITA Airways in internationale Bündnisse. Der Wechsel von der Skyteam-Allianz, der die Vorgängergesellschaft Alitalia angehörte, zur Star Alliance gilt als beschlossene Sache, sobald die Mehrheitsverhältnisse geklärt sind. Dies ermöglicht es ITA-Passagieren, von umfangreichen Vielfliegerprogrammen und abgestimmten Flugplänen innerhalb des weltweit größten Airline-Netzwerks zu profitieren. Noch bedeutender für die Profitabilität ist jedoch die geplante Aufnahme in das Transatlantik-Joint-Venture A++, in dem Lufthansa bereits eng mit United Airlines und Air Canada zusammenarbeitet.

Durch diese Kooperation können die beteiligten Fluggesellschaften Preise, Kapazitäten und Flugpläne auf Strecken zwischen Europa und Nordamerika koordinieren, was traditionell zu höheren Margen führt. ITA Airways prüft in diesem Zusammenhang bereits die Aufnahme von Direktverbindungen zum Flughafen Newark. Newark fungiert als wichtiges Drehkreuz für United Airlines und bietet optimale Anschlussmöglichkeiten innerhalb der USA. Diese strategische Ausrichtung unterstreicht den Plan, den Flughafen Rom-Fiumicino als südliches Drehkreuz des Lufthansa-Konzerns zu stärken und damit Passagierströme aus dem Mittelmeerraum und Afrika effizienter in das globale Streckennetz einzuspeisen.

Flottenausbau und operative Synergien

Die Unterstützung durch den Lufthansa-Konzern schlägt sich bereits jetzt in der operativen Planung von ITA Airways nieder. Jörg Eberhart betonte auf einer Branchenveranstaltung in Mailand, dass die Fluggesellschaft dank der Rückendeckung aus Deutschland ihre Interkontinentalflotte schneller aufbauen könne als ursprünglich geplant. Der Fokus liegt hierbei auf modernen Langstreckenflugzeugen, die eine höhere Treibstoffeffizienz und eine größere Reichweite bieten. Dieser Ausbau ist notwendig, um die ehrgeizigen Wachstumsziele auf dem nordamerikanischen Markt und perspektivisch auch auf Routen nach Asien und Südamerika zu realisieren.

Neben dem Flottenwachstum verspricht sich Lufthansa erhebliche Synergieeffekte im Einkauf, bei der Wartung und im Vertrieb. Durch die Integration in die IT-Systeme und die globale Verkaufsplattform des Konzerns kann ITA Airways ihre Reichweite auf internationalen Märkten massiv erhöhen, ohne selbst teure Marketingstrukturen unterhalten zu müssen. Gleichzeitig profitiert Lufthansa von der starken Markenpräsenz von ITA in Italien, einem der attraktivsten Märkte für Geschäfts- und Privatreisende in Europa. Die Zusammenarbeit wird somit als klassische Win-win-Situation dargestellt, bei der die italienische Identität der Airline gewahrt bleiben soll, während sie gleichzeitig von der finanziellen Stabilität und der Prozessoptimierung eines Weltkonzerns profitiert.

Politische Rahmenbedingungen und kartellrechtliche Aspekte

Die Übernahme erfolgt in einem komplexen politischen Umfeld. Die italienische Regierung unter Premierministerin Giorgia Meloni sieht in dem Verkauf an Lufthansa die beste Möglichkeit, die langfristige Existenz einer nationalen Fluggesellschaft ohne dauerhafte staatliche Subventionen zu sichern. Historisch gesehen war die italienische Zivilluftfahrt über Jahrzehnte von Verlusten und staatlichen Rettungsprogrammen geprägt. Der Einstieg der Deutschen Lufthansa AG wird daher in Rom weitgehend als notwendiger Schritt zur Professionalisierung und wirtschaftlichen Gesundung angesehen.

Kartellrechtlich wurde der Weg bereits durch die EU-Kommission unter strengen Auflagen geebnet. Lufthansa und ITA mussten Slots an wichtigen Flughäfen abgeben, um den Wettbewerb auf bestimmten Kurzstrecken und im Transatlantikverkehr zu gewährleisten. Diese Hürden gelten mittlerweile als weitgehend überwunden. Wenn die Verhandlungen über die Detailfragen der zweiten Tranche im Sommer 2026 erfolgreich abgeschlossen werden, steht der Formation eines neuen Luftfahrt-Riesen im Mittelmeerraum nichts mehr im Wege. Branchenexperten gehen davon aus, dass die Integration von ITA Airways das Machtgefüge in Europa nachhaltig zugunsten der Lufthansa Group verschieben wird, da sie damit einen direkten Zugriff auf den drittgrößten Luftverkehrsmarkt der EU erhält.

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