Boeing 747-8i (Foto: RON RAFFETY).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Ende einer Ära am Himmel über Großbritannien: Korean Air zieht den letzten Passagier-Jumbo ab

Werbung

In der internationalen Luftfahrt vollzieht sich derzeit ein historischer Wendepunkt, der das Ende eines der ikonischsten Kapitel am britischen Himmel markiert. Wie aus aktuellen Flugplandaten des Analyseunternehmens Cirium hervorgeht, wird Korean Air im Jahr 2026 keine Passagierflüge mit der Boeing 747-8 mehr nach Großbritannien durchführen.

Ursprünglich war geplant, den vierstrahligen Giganten während der Sommersaison auf der prestigeträchtigen Route zwischen dem Incheon International Airport in Seoul und London-Heathrow einzusetzen. Doch die südkoreanische Nationalfluggesellschaft hat diese Pläne revidiert und setzt stattdessen ganzjährig auf die zweistrahlige Boeing 777-300ER. Dieser Wechsel mag auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Kapazitätsanpassung wirken, doch er trägt eine tiefgreifende symbolische Last: Mit dem Rückzug der Maschine von Korean Air endet die Ära der planmäßigen kommerziellen Passagierflüge mit der Boeing 747 im Vereinigten Königreich endgültig. Wo einst hunderte Jumbos täglich starteten, bleibt die Landebahn nun den moderneren, effizienteren Nachfolgemodellen überlassen.

Der langsame Abschied der Königin der Lüfte

Die Boeing 747, weltweit bekannt als Queen of the Skies, prägte über fünf Jahrzehnte das Bild des britischen Luftverkehrs. Insbesondere London-Heathrow galt lange Zeit als eine der globalen Hochburgen des Jumbos. Noch vor zwanzig Jahren, im Februar 2006, verzeichnete Großbritannien über 2.100 geplante Abflüge dieses Typs pro Monat – ein Durchschnitt von mehr als 70 Starts täglich. Damals dominierten nicht nur die heimische British Airways oder Virgin Atlantic das Geschehen, sondern auch eine Vielzahl internationaler Fluggesellschaften wie Air India, Cathay Pacific, Qantas und United Airlines nutzten den Jumbo als Rückgrat ihrer Langstreckenflotten.

Zehn Jahre später, im Februar 2016, war die Präsenz bereits auf etwa 884 monatliche Abflüge geschrumpft. Dennoch blieb die Boeing 747-400 ein vertrauter Anblick, bis die globale Pandemie ab 2020 den Prozess der Ausflottung radikal beschleunigte. British Airways und Virgin Atlantic verabschiedeten ihre Jumbos vorzeitig, um Kosten zu senken und auf sparsamere Zweistrahler umzusteigen. In den letzten zwei Jahren kehrte der Jumbo durch Korean Air lediglich als saisonaler Gast in der modernsten Variante, der Boeing 747-8, zurück nach London. Doch auch diese letzte Bastion ist nun gefallen, da die Airline die wirtschaftliche Flexibilität der Boeing 777 bevorzugt.

Wirtschaftliche Realitäten und der Fokus auf Effizienz

Die Entscheidung von Korean Air, den Einsatz der Boeing 747-8 nach London zu streichen, spiegelt den globalen Branchentrend wider. Fluggesellschaften stehen unter permanentem Druck, ihre Kapazitäten so präzise wie möglich an die schwankende Nachfrage anzupassen. Die Boeing 747-8 bietet zwar mit ihrer Konfiguration von über 360 Sitzplätzen – aufgeteilt in sechs First-Class-Suiten, 48 Business-Class-Plätzen und 314 Economy-Sitzen – eine beeindruckende Kapazität, doch die Betriebskosten von vier Triebwerken stehen in direktem Wettbewerb zu den ökonomischen Vorteilen der Boeing 777-300ER.

Die Triple-Seven gilt als eines der erfolgreichsten Langstreckenflugzeuge der Welt und kann die Strecke Seoul-London mit deutlich geringeren Treibstoffkosten pro Sitzplatz bewältigen. Für Korean Air bedeutet dies eine höhere Rentabilität bei gleichzeitig geringerem Risiko, sollte die Auslastung in den weniger stark frequentierten Monaten schwanken. Während die Frachtsparte des Unternehmens weiterhin elf Boeing 747-Frachter (davon sieben der modernen Serie -8F) betreibt, konzentriert sich der Passagierverkehr auf Modelle, die eine effizientere Ausnutzung der Slots in London-Heathrow ermöglichen.

Verlagerung der Schwerpunkte nach Nordamerika und Asien

Passagiere, die das Erlebnis des Oberdecks einer 747 weiterhin suchen, müssen sich künftig auf andere Zielgebiete orientieren. Korean Air konzentriert ihre verbleibenden vier Passagier-Jumbos zunehmend auf Märkte mit extrem hoher Nachfrage und spezifischen Slot-Beschränkungen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Route nach Los Angeles, wo die Airline allein im Februar 2026 rund 88 Flüge mit diesem Typ durchführt. Auch auf asiatischen Rennstrecken wie nach Tokio-Narita, Taipeh oder Hongkong kommt der Jumbo-Jet weiterhin zum Einsatz, da dort das enorme Passagieraufkommen und das Frachtaufkommen in den Unterflurräumen die höheren Betriebskosten rechtfertigen.

Parallel dazu treibt Korean Air ihre langfristige Flottenmodernisierung voran. Im Zuge der geplanten Fusion mit Asiana Airlines wurde bereits kommuniziert, dass ältere vierstrahlige Flugzeugtypen, zu denen auch der Airbus A380 gehört, bis etwa 2031 schrittweise ausgemustert werden sollen. Einige der Boeing 747-8-Maschinen der Airline wurden zudem bereits für spezialisierte Zwecke verkauft, etwa an das US-Unternehmen Sierra Nevada Corporation zur Umrüstung in militärische Führungsflugzeuge für die US-Luftwaffe. Dies verdeutlicht, dass der Marktwert der jungen 747-8-Flotte weniger im Liniendienst als vielmehr in ihrer Rolle als hochspezialisierte Plattform für Regierungen und Militärs liegt.

Das Erbe einer Legende am Boden

Obwohl der geplante Passagierdienst endet, verschwindet der Jumbo nicht vollständig aus dem britischen Luftraum. Frachtfluggesellschaften wie Atlas Air werden London-Stansted oder East Midlands weiterhin mit der Cargo-Variante ansteuern. Doch für den gewöhnlichen Reisenden bleibt nur die Erinnerung an eine Zeit, in der die markante Silhouette des Buckelwals das Symbol für Fernweh und technologischen Fortschritt war.

Historiker und Luftfahrtenthusiasten blicken mit Wehmut auf diesen Abschied. Die Boeing 747 war das Flugzeug, das den Massenmarkt für Langstreckenflüge öffnete und Reisen über Ozeane hinweg für eine breitere Bevölkerungsschicht erschwinglich machte. Ihr Rückzug aus Großbritannien markiert das Ende einer Ära, in der Größe und Prestige die wichtigsten Parameter waren. Heute dominiert die Wirtschaftlichkeit der Triebwerkstechnologie, und so bleibt die Queen of the Skies in den Geschichtsbüchern von London-Heathrow als eine Regentin zurück, die ihren Platz für eine neue, pragmatischere Generation von Flugzeugen geräumt hat.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung