In einem richtungsweisenden Urteil hat der Dublin Circuit Court am Dienstag, dem 17. Februar 2026, einem Mann aus Dublin die Zahlung von 15.000 Euro Schadenersatz an die Fluggesellschaft Ryanair auferlegt. Das Gericht reagierte damit auf einen schwerwiegenden Vorfall an Bord eines Fluges von Dublin nach Lanzarote, der aufgrund des aggressiven Verhaltens des Passagiers abgebrochen werden musste.
Der Mann hatte sowohl Mitreisende als auch die sechsköpfige Besatzung tätlich angegriffen, woraufhin die Piloten aus Sicherheitsgründen eine unvorhergesehene Zwischenlandung im portugiesischen Porto einleiteten. Durch die Umleitung waren nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Reisepläne von über 160 Passagieren massiv beeinträchtigt worden. Das Urteil setzt ein deutliches Zeichen gegen Fehlverhalten im Luftverkehr und unterstreicht die finanziellen Risiken, denen sich sogenannte unruhig agierende Fluggäste heute ausgesetzt sehen.
Hintergründe der Eskalation und operative Folgen
Der Vorfall, der nun juristisch aufgearbeitet wurde, ereignete sich bereits am 9. April 2024 auf dem Ryanair-Flug FR7124. Was als gewöhnlicher Urlaubsflug zu den Kanarischen Inseln begann, entwickelte sich in Reiseflughöhe zu einer bedrohlichen Situation. Berichten zufolge verlor der Passagier vollständig die Beherrschung und griff Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung physisch an. Für das Bordpersonal stellt ein solches Szenario eine extreme Belastung dar, da in der Enge der Kabine nur begrenzte Möglichkeiten zur Deeskalation bestehen. In Übereinstimmung mit den internationalen Sicherheitsrichtlinien entschied der Flugkapitän, den Kurs zu ändern und Porto anzusteuern, um den Unruhestifter der örtlichen Polizei zu übergeben.
Die Konsequenzen für die übrigen Fluggäste waren erheblich. Aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten für die Flugzeugbesatzung konnte die Reise nach der Zwischenlandung nicht sofort fortgesetzt werden. Die mehr als 160 Passagiere mussten eine unfreiwillige Übernachtung in Porto in Kauf nehmen, was für viele den Verlust eines kompletten Urlaubstages bedeutete. Erst am darauffolgenden Tag konnte die Maschine ihren Flug nach Lanzarote fortsetzen. Die nun gerichtlich zugesprochene Summe von 15.000 Euro dient laut Ryanair dazu, die entstandenen Kosten für Landegebühren, zusätzlichen Treibstoff sowie die Unterbringung und Verpflegung der betroffenen Fluggäste und der Crew zu decken.
Kostentransparenz und zivilrechtliche Verfolgung
Ryanair nutzt diesen Fall, um die wirtschaftlichen Dimensionen einer Flugumleitung transparent zu machen. In der Luftfahrtbranche werden die Kosten für unplanmäßige Landungen oft unterschätzt. Neben den unmittelbaren Flughafengebühren fallen hohe Kosten für das Bodenhandling und die logistische Organisation von Ersatzunterkünften an. Zudem muss oft eine Ersatzcrew eingeflogen werden, falls die ursprüngliche Besatzung ihre maximale Arbeitszeit überschritten hat. Durch das Einleiten zivilrechtlicher Schritte gegen den Verursacher verfolgt Ryanair das Ziel, diese Kosten nicht auf die Allgemeinheit der Passagiere umzulegen, sondern den direkten Verursacher in die Pflicht zu nehmen.
Das Urteil des Dublin Circuit Court bestätigt die Strategie der Fluggesellschaft, bei tätlichen Angriffen und massiven Störungen keine Kompromisse einzugehen. Marcel Pouchain Meyer, Leiter der Unternehmenskommunikation für den DACH-Raum bei Ryanair, betonte die Schwere der Konsequenzen: Neben den finanziellen Forderungen drohen solchen Passagieren lebenslange Beförderungsverbote innerhalb der gesamten Ryanair-Gruppe. Das Gericht folgte der Argumentation der Klägerseite, dass ein solches Verhalten eine inakzeptable Störung der öffentlichen Ordnung in einem sensiblen Sicherheitsbereich darstellt.
Die Forderung nach strengeren Regeln an Flughäfen
Im Zuge dieses Urteils hat Ryanair seine Forderungen an die politischen Entscheidungsträger in der Europäischen Union erneuert. Die Fluggesellschaft sieht einen direkten Zusammenhang zwischen übermäßigem Alkoholkonsum vor dem Abflug und der Zunahme von Zwischenfällen an Bord. Ryanair schlägt vor, den Verkauf von alkoholischen Getränken an Flughäfen auf maximal zwei Drinks pro Passagier zu begrenzen, wobei die Kontrolle über die Bordkarte erfolgen könnte – analog zur Erfassung von steuerfreien Einkäufen. Damit soll verhindert werden, dass Passagiere bereits stark alkoholisiert an Bord gehen und dort ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Die Branche beobachtet seit dem Ende der globalen Reisebeschränkungen eine Zunahme von Berichten über störende Passagiere. Das Phänomen, oft als Air Rage bezeichnet, umfasst ein Spektrum von verbalen Beleidigungen bis hin zu physischer Gewalt. Während viele Fluggesellschaften in der Vergangenheit vor langwierigen Gerichtsprozessen zurückschreckten, zeigt der aktuelle Fall aus Dublin eine deutliche Trendwende hin zu einer konsequenten straf- und zivilrechtlichen Verfolgung.
Prävention und Schutz der Mehrheit
Die Kernbotschaft von Ryanair bleibt die Verteidigung des Reisekomforts für die breite Masse der Passagiere. Das Unternehmen betont, dass die überwiegende Mehrheit der jährlich über 180 Millionen Kunden friedlich und respektvoll reist. Es sei daher eine Verpflichtung gegenüber diesen Kunden, gegen die kleine Minderheit vorzugehen, die den Flugbetrieb gefährdet. Die Null-Toleranz-Politik sieht vor, dass jedes Crewmitglied geschult wird, Anzeichen von Instabilität frühzeitig zu erkennen, und im Ernstfall die volle Unterstützung des Unternehmens bei rechtlichen Schritten erhält.
Experten sehen in dem Dubliner Urteil ein wichtiges Signal für die gesamte europäische Luftfahrt. Es verdeutlicht, dass das Innere eines Flugzeugs kein rechtsfreier Raum ist und dass Fehlverhalten nicht nur strafrechtliche Ermittlungen, sondern auch ruinöse Schadenersatzforderungen nach sich ziehen kann. Für den verurteilten Mann aus Dublin bedeutet die Entscheidung eine finanzielle Last, die weit über den ursprünglichen Preis seines Flugtickets hinausgeht. Ryanair hofft, dass die abschreckende Wirkung dieses Urteils dazu beitragen wird, die Anzahl der Störungen auf zukünftigen Flügen zu reduzieren und die Sicherheit für Passagiere und Personal weiter zu erhöhen.