Im Jahr 2026 begeht das Schweizer Schienennetz ein besonderes Jubiläum. Seit nunmehr einem Jahrzehnt bündelt die Grand Train Tour of Switzerland die technologisch anspruchsvollsten und landschaftlich reizvollsten Bahnstrecken der Eidgenossenschaft zu einem zusammenhängenden Reiseerlebnis. Auf einer Gesamtlänge von 1.280 Kilometern vernetzt dieses logistische Prestigeprojekt die wichtigsten Verkehrsachsen des Landes und macht sie für internationale sowie nationale Reisende zugänglich.
Die Route, die sich über acht Etappen erstreckt, führt durch vier Sprachregionen, passiert fünf Welterbestätten der Unesco und flankiert insgesamt elf Seen. Zum runden Geburtstag wurde das Angebot um vier spezialisierte Themenrouten erweitert, die die technische Finesse der Schweizer Ingenieurskunst mit der geografischen Vielfalt der Regionen verknüpfen. Dabei stehen nicht nur die Züge selbst im Mittelpunkt, sondern auch die Anbindung an Bergbahnen und den städtischen Nahverkehr, was die Schweiz als weltweit führenden Standort für schienengebundene Mobilität festigt.
Ein Jahrzehnt Schienenexzellenz und Netzwerkausbau
Die Entstehung der Grand Train Tour vor zehn Jahren war das Resultat einer verstärkten Kooperation zwischen den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), privaten Bahnunternehmen und den Tourismusverbänden. Ziel war es, die bestehenden Panoramastrecken wie den Glacier Express oder den Bernina Express zu einem geschlossenen Ring zu verbinden. Die technische Komplexität dieses Vorhabens zeigt sich besonders in der Überwindung massiver Höhenunterschiede und der Durchquerung alpiner Geologie. Im Laufe des letzten Jahrzehnts wurden die Taktzeiten optimiert und die Intermodalität zwischen Schiff, Bus und Bahn perfektioniert.
Besonders hervorzuheben ist die Einführung moderner Rollmaterialien, wie des GoldenPass Express, der zwischen Interlaken und Montreux verkehrt. Dieser Zug verfügt über eine innovative Spurwechseleinrichtung, die es ermöglicht, ohne Umsteigen von der Meterspur auf die Normalspur zu wechseln – ein technischer Meilenstein, der die Effizienz im Schweizer Schienenverkehr deutlich gesteigert hat. Solche Innovationen sind das Rückgrat der Tour und ermöglichen es, die 1.280 Kilometer ohne logistische Reibungsverluste zu bewältigen.
Reben und Täler: Die Erschließung der Westschweiz
Eine der zentralen neuen Routen im Jubiläumsjahr trägt den Namen Reben & Täler. Diese dreitägige Exkursion fokussiert sich auf die logistische Anbindung der französischsprachigen Westschweiz an das Berner Oberland. Von Interlaken aus führt die Reise durch die Weinterrassen des Lavaux am Genfersee. Diese Region ist nicht nur für ihre Weinkultur bekannt, sondern stellt aufgrund ihrer steilen Topografie auch besondere Anforderungen an die Trassenführung. Die Strecke führt weiter über den Bahnknotenpunkt Visp nach Zermatt.
In Zermatt, einem der bekanntesten autofreien Bergdörfer der Welt, wird die Bedeutung der Schiene als primäres Transportmittel deutlich. Die Anbindung durch die Matterhorn Gotthard Bahn sichert die ganzjährige Versorgung und Erreichbarkeit dieses alpinen Zentrums. Die Rückreise nach Interlaken erfolgt über die Lötschberg-Bergstrecke des BLS RegioExpress. Diese Verbindung nutzt historische Viadukte und Tunnelkonstruktionen, die zu den bedeutendsten Bauwerken der Schweizer Bahngeschichte zählen und heute noch eine Kapazität von höchster Zuverlässigkeit bieten.
Seen und Gipfel: Die Verbindung der Sprachregionen
Die Seen & Gipfel Tour ist als mindestens sechstägige Rundreise konzipiert und demonstriert die nahtlose Verbindung zwischen der Deutschschweiz, dem Wallis und dem Tessin. In diesem Segment kommen drei verschiedene Panoramaprodukte zum Einsatz: der Luzern-Interlaken-Express, der GoldenPass Express und der Bernina Express. Letzterer überquert den Berninapass auf über 2.253 Metern über dem Meeresspiegel ohne Zahnradantrieb, was eine außergewöhnliche Leistung in der Adhäsionsbahn-Technik darstellt.
Die Route integriert zudem wichtige Bergbahnen wie die Standseilbahn auf den Gornergrat oder die Seilbahnen auf den Corvatsch. Diese technischen Ergänzungen ermöglichen es den Reisenden, von den Talsohlen bis in hochalpine Lagen vorzudringen, ohne auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen zu sein. Die logistische Koordination der Fahrpläne ist hierbei so präzise getaktet, dass Anschlüsse zwischen den verschiedenen Unternehmen meist innerhalb weniger Minuten realisiert werden.
Ost-West-Achse: Städtebau und alpine Ingenieurskunst
Die fünftägige Ost-West-Route verbindet das urbane Zentrum Zürich mit der Ostschweiz und führt quer durch das Herz der Alpen. Ein besonderer technischer Akzent wird hier durch den Voralpen-Express gesetzt, der die Verbindung zwischen St. Gallen und Luzern herstellt. Die Strecke führt am Rheinfall vorbei, dem wasserreichsten Wasserfall Europas, dessen touristische Erschließung maßgeblich durch die unmittelbar angrenzende Bahninfrastruktur geprägt ist.
Ein Highlight dieser Teilstrecke ist die Fahrt mit dem Treno Gottardo. Nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, des längsten Eisenbahntunnels der Welt, wurde die historische Bergstrecke für den touristischen Verkehr revitalisiert. Die Fahrt durch die Schöllenenschlucht zwischen Andermatt und Göschenen verdeutlicht die Herausforderungen, denen sich die Ingenieure beim Bau der Gotthardbahn im 19. Jahrhundert gegenübersahen. Heute dient diese Strecke als Paradebeispiel für die Erhaltung und wirtschaftliche Nutzung historischer Infrastruktur.
Alpen Rivieren: Mediterranes Flair durch modernste Logistik
Die fünftägige Tour Alpen Rivieren kombiniert alpine Landschaften mit dem mediterran geprägten Tessin. Hierbei spielt die Centovalli-Bahn eine zentrale Rolle, die Locarno in der Schweiz mit Domodossola in Italien verbindet. Die Strecke führt über 83 Brücken und Viadukte durch das Tal der hundert Täler. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Gotthard Panorama Express. Bei diesem Angebot wird die Bahnfahrt ab Flüelen mit einer Dampfschifffahrt über den Vierwaldstättersee kombiniert.
Dieses multimodale Verkehrskonzept ist charakteristisch für die Grand Train Tour. Es zeigt, dass die Schweiz nicht nur auf die Schiene setzt, sondern verschiedene Verkehrsträger zu einer effizienten Transportkette verknüpft. Die logistische Leistung liegt hier in der synchronisierten Abstimmung der Abfahrtszeiten von Zügen und Schiffen, um eine kontinuierliche Reisekette zu gewährleisten.
Der Swiss Travel Pass als integriertes Tarifsystem
Um die Nutzung dieses komplexen Netzwerkes so einfach wie möglich zu gestalten, bildet der Swiss Travel Pass die tarifliche Grundlage. Dieses All-in-one-Ticket ermöglicht internationalen Gästen die Nutzung fast aller öffentlichen Verkehrsmittel im Land. Das System umfasst nicht nur die Fernverkehrszüge, sondern auch Postautos, Schiffe und den städtischen Nahverkehr in über 90 Städten. Zudem bietet der Pass Zugang zu über 500 Museen, was die Bahnreise mit kultureller Bildung verknüpft.
Zur Unterstützung der Reisenden wurde die Grand Train Tour App entwickelt. Sie bietet GPS-gestütztes Tracking, interaktive Karten und einen digitalen Audioguide. Diese digitale Ergänzung zum physischen Schienennetz zeigt, wie die Digitalisierung genutzt wird, um die Orientierung in einem dichten Verkehrsnetz zu optimieren. Das zehnjährige Jubiläum der Grand Train Tour unterstreicht somit die Position der Schweiz als Innovationsführer im Bereich der touristischen Mobilität und der infrastrukturellen Vernetzung.