Der israelische Luftverkehrsmarkt steht vor einer weitreichenden Transformation seiner betrieblichen Rahmenbedingungen. Ein ressortübergreifender Ausschuss, bestehend aus hochrangigen Vertretern der Ministerien für Verkehr, Finanzen und Tourismus sowie der israelischen Zivilluftfahrtbehörde, hat am 12. Februar 2026 eine Entscheidung getroffen, die das bisherige Gefüge am Flughafen Ben Gurion grundlegend verändern wird.
Ab sofort ist es ausländischen Fluggesellschaften gestattet, ihre Maschinen über Nacht auf dem Gelände des zentralen israelischen Drehkreuzes zu parken. Diese Entscheidung beseitigt ein jahrzehntealtes administratives Hindernis, das internationalen Carrieren den Aufbau einer lokalen Basis in Israel faktisch unmöglich machte. Insbesondere der europäische Billigflieger Wizz Air, der seit Jahren Expansionsbestrebungen im Nahen Osten verfolgt, rückt damit in greifbare Nähe einer permanenten Niederlassung. Während die Regierung eine Belebung des Wettbewerbs und sinkende Ticketpreise erwartet, formiert sich bei den etablierten israelischen Fluggesellschaften massiver Widerstand gegen die drohende Konkurrenz um knappe Infrastrukturressourcen.
Logistische Relevanz der Übernachtungsparkplätze
Die Aufhebung des nächtlichen Parkverbots für ausländische Unternehmen ist weit mehr als eine rein administrative Formsache. In der Luftfahrtbranche gilt der Zeitraum zwischen 5:00 Uhr und 7:00 Uhr morgens als die ökonomisch attraktivste Zeitspanne für Abflüge. Diese frühen Startzeiten ermöglichen es den Fluggesellschaften, ihre Maschinen im Tagesverlauf für mehrfache Rotationen einzusetzen und somit die maximale tägliche Flugstundenzahl zu erreichen. Ohne die Erlaubnis, das Flugzeug bereits am Vorabend in Tel Aviv zu stationieren, waren ausländische Anbieter bisher gezwungen, ihre Maschinen erst am Morgen aus dem Ausland einzufliegen. Dies führte unweigerlich zu späteren Abflugzeiten aus Israel und schränkte die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den lokalen Anbietern El Al, Israir und Arkia erheblich ein.
Mit der neuen Regelung wird dieses Monopol auf die frühen Morgenstunden gebrochen. Die Wirtschaftsabteilung des Verkehrsministeriums betonte in einer Stellungnahme, dass die Öffnung des Marktes notwendig sei, um die hohen Flugpreise in Israel durch verstärkten Wettbewerb zu drücken. Experten gehen davon aus, dass die Umsetzung der neuen Richtlinien bereits in der kommenden Woche mit der Veröffentlichung der offiziellen Sitzungsprotokolle in Kraft treten wird. Die israelische Luftfahrtbehörde IAA steht nun vor der Aufgabe, ein strukturiertes Verfahren zu entwickeln, über das internationale Fluggesellschaften Anträge auf feste Parkpositionen und die Einrichtung von Betriebsstätten stellen können.
Widerstand der lokalen Luftfahrtindustrie
Die israelischen Fluggesellschaften blicken mit großer Sorge auf diese Entwicklung. Ihr Hauptargument ist die begrenzte Kapazität am Flughafen Ben Gurion. Die verfügbaren Start- und Landerechte sowie die physischen Parkpositionen gelten bereits heute als überlastet. Die heimischen Unternehmen befürchten, dass die Ansiedlung großer internationaler Konzerne mit ihren deutlich umfangreicheren Flottenressourcen dazu führen könnte, dass lokale Anbieter von den profitabelsten Zeitfenstern verdrängt werden. Zudem wird gewarnt, dass ausländische Konzerne, die nicht in Israel steuerpflichtig sind, einen unfairen Kostenvorteil gegenüber den lokal ansässigen Unternehmen genießen könnten.
Eine Quelle innerhalb des Verkehrsministeriums hielt diesen Bedenken entgegen, dass der israelische Markt de facto lange Zeit geschlossen war und den Charakter eines Monopols trug. Die Öffnung richte sich primär an Billigfluggesellschaften, da für traditionelle Linienfluggesellschaften die Errichtung einer Basis in Israel aufgrund anderer Kostenstrukturen weniger attraktiv sei. Für den Endverbraucher bedeutet dies potenziell mehr Auswahl und ein höheres Volumen an Direktverbindungen zu europäischen Destinationen.
Sicherheitsrelevanz und regulatorische Hürden
Trotz der Einigung in der Parkplatzfrage bleiben signifikante Streitpunkte zwischen der israelischen Regierung und Interessenten wie Wizz Air bestehen. Ein zentrales Problem ist die Betriebssicherheit in Krisenzeiten. Da Wizz Air als europäisches Unternehmen operiert, unterliegt es primär den Richtlinien der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). In der Vergangenheit führte dies dazu, dass ausländische Fluggesellschaften bei regionalen Eskalationen oder Sicherheitswarnungen ihre Flüge nach Israel sofort einstellten, während die israelischen Fluggesellschaften, die dem nationalen Sicherheitsdispositiv unterstehen, den Betrieb aufrechterhielten.
Das israelische Verkehrsministerium fordert von Wizz Air Zusagen für den Flugbetrieb in Notfällen. Dies stellt das Unternehmen vor ein rechtliches Dilemma, da es im Ernstfall nicht gegen die Anweisungen der europäischen Regulierungsbehörden handeln kann, ohne seinen Versicherungsschutz oder seine Betriebserlaubnis in der EU zu gefährden. Diese Diskrepanz zwischen lokaler Notwendigkeit und internationaler Regulierung könnte die endgültige Errichtung einer Basis noch verzögern.
Strategische Standortwahl: Ben Gurion oder Ramon
Ein weiterer Diskussionspunkt betrifft den geografischen Standort der zukünftigen Basis. Während Wizz Air konsequent auf den Flughafen Ben Gurion im Zentrum des Landes setzt, präferiert das Verkehrsministerium eine Ansiedlung am Flughafen Ramon bei Eilat. Der im Süden gelegene Flughafen verfügt über moderne Kapazitäten, die deutlich unterausgelastet sind. Die Regierung sieht hierin eine Möglichkeit, den Tourismus im Süden des Landes zu stärken und den überlasteten Zentralflughafen zu entlasten. Für die Fluggesellschaften ist Ramon jedoch aufgrund der größeren Entfernung zu den bevölkerungsreichen Gebieten und der daraus resultierenden geringeren Nachfrage für Geschäftsreisende wirtschaftlich weniger attraktiv.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell die IAA die Anträge ausländischer Unternehmen bearbeiten kann. Sollte Wizz Air tatsächlich als erste ausländische Fluggesellschaft eine Basis in Tel Aviv eröffnen, dürfte dies eine Kettenreaktion auslösen. Auch andere Akteure wie Ryanair oder Easyjet könnten dem Beispiel folgen, was den Wettbewerb im israelischen Luftraum auf eine neue Stufe heben würde. Die Entscheidung des Ausschusses markiert somit den Beginn einer neuen Ära, in der die operative Vorherrschaft lokaler Unternehmen zugunsten einer globaleren Marktöffnung zurückgedrängt wird.