Der Logistikkonzern DHL intensiviert seine Aktivitäten in der Gesundheitslogistik durch einen massiven Ausbau seines spezialisierten Luftfrachtnetzwerks. Kernstück der aktuellen Erweiterung ist der Einsatz einer eigenen Boeing 777-Frachtmaschine auf der strategisch wichtigen Verbindung zwischen dem europäischen Hub in Brüssel und dem US-amerikanischen Standort Cincinnati.
Diese Maßnahme ist Bestandteil eines globalen Investitionsprogramms im Volumen von zwei Milliarden Euro, mit dem der Konzern die Infrastruktur für den Transport temperaturempfindlicher Güter modernisiert. Durch die Nutzung eigener Kapazitäten strebt das Unternehmen eine größere Unabhängigkeit von kommerziellen Passagierfluggesellschaften an, was die Kontrolle über die Kühlketten und die Zuverlässigkeit der Liefertermine erhöht.
Das erweiterte Netzwerk umfasst aktuell über 30 spezialisierte Umschlagpunkte weltweit, die strengen Zertifizierungen nach den Richtlinien der Good Distribution Practice (GDP) unterliegen. Ein zentraler Knotenpunkt ist der Flughafen Brüssel, wo DHL ein 45.000 Quadratmeter großes Cargo-Terminal betreibt, das exklusiv für pharmazeutische Erzeugnisse reserviert ist. In den kommenden Ausbaustufen sollen weitere Routen etabliert werden, die wichtige Produktions- und Absatzmärkte in Indien, Singapur, Japan, Südkorea sowie Brasilien, Deutschland und Irland direkt miteinander verbinden. Die technologische Ausstattung der Frachträume und Terminals ermöglicht eine präzise Temperaturführung, die für die Stabilität moderner Medikamente und Impfstoffe unerlässlich ist.
Oscar de Bok, CEO von DHL Global Forwarding, Freight, betont die Notwendigkeit widerstandsfähigerer Lieferketten in einem volatilen Marktumfeld. Die Strategie sieht vor, die gesamte Prozesskette – von der Abholung beim Hersteller bis zur Auslieferung – unter eigener Regie zu führen. Dies minimiert Schnittstellenrisiken an Flughäfen und beschleunigt die Abwicklung von Zoll- und Sicherheitsprüfungen. Die Boeing 777 als Langstreckenfrachter bietet hierbei den Vorteil einer hohen Nutzlast bei gleichzeitig hoher Reichweite, was Nonstop-Verbindungen zwischen den globalen Life-Sciences-Zentren ermöglicht. Damit reagiert der Konzern auf den steigenden Bedarf an spezialisierten Transportlösungen für biopharmazeutische Produkte, die oft extrem empfindlich auf Temperaturschwankungen reagieren.
Branchenexperten sehen in diesem Schritt eine Reaktion auf die Lehren aus den globalen Lieferkettenstörungen der vergangenen Jahre. Während viele Konkurrenten weiterhin auf Beiladungen in Passagiermaschinen setzen, investiert DHL gezielt in eine dedizierte Flotte. Dies sichert dem Konzern Marktanteile im hochmargigen Segment der Pharmalogistik. Neben den Flugrouten wird auch in digitale Überwachungssysteme investiert, die eine Echtzeit-Verfolgung der Temperaturdaten während des gesamten Transports gewährleisten. Der Fokus liegt dabei auf der technischen Präzision und der Einhaltung internationaler Qualitätsstandards für medizinische Güter.