Die nationale Fluggesellschaft der Philippinen, Philippine Airlines, hat beim US-Verkehrsministerium einen Antrag auf Genehmigung einer neuen Nonstop-Verbindung zwischen Manila und Chicago eingereicht.
Mit dieser Route würde erstmals eine direkte Flugverbindung zwischen den Philippinen und dem amerikanischen Mittleren Westen geschaffen. Die geplante Strecke zwischen dem Ninoy Aquino International Airport und dem Chicago O’Hare International Airport umfasst eine Distanz von 8.121 Meilen und würde damit zu den längsten kommerziellen Flugverbindungen weltweit zählen. Das Unternehmen strebt eine Aufnahme des Flugbetriebs bereits für die Sommersaison 2026 an, um der erheblichen Passagiernachfrage gerecht zu werden, die bislang ausschließlich über Umsteigeverbindungen abgewickelt wird. Marktdaten verdeutlichen das Potenzial: In dem im Juni 2025 endenden Zwölfmonatszeitraum reisten rund 118.200 Passagiere zwischen Chicago und den Philippinen, wobei Zwischenstopps in Metropolen wie Taipeh, Seoul oder Hongkong in Kauf genommen werden mussten. Mit der neuen Verbindung reagiert die Fluggesellschaft auf die Bedürfnisse der wachsenden philippinisch-amerikanischen Gemeinschaft im Mittleren Westen und festigt ihre Marktführerschaft im Verkehr zwischen den beiden Nationen.
Ausbau des nordamerikanischen Streckennetzes und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Beantragung der neuen Route erfolgt auf Basis des bestehenden Luftverkehrsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und den Philippinen. Dieses Abkommen gestattet philippinischen Fluggesellschaften die Bedienung etablierter Ziele wie Honolulu, San Francisco, Los Angeles, Guam und Saipan sowie die Auswahl von vier weiteren Destinationen durch die philippinische Regierung. Chicago wurde nun als einer dieser zusätzlichen strategischen Punkte benannt. Nach einer erfolgreichen Genehmigung wäre Chicago das sechste Ziel von Philippine Airlines in den USA und das siebte in Nordamerika insgesamt.
Aktuell betreibt die Fluggesellschaft bereits 44 wöchentliche Rundflüge zwischen Manila und nordamerikanischen Städten, darunter Los Angeles, San Francisco, Seattle, New York JFK, Vancouver und Toronto. Branchenanalysen von OAG zeigen, dass Philippine Airlines mit rund 31.640 wöchentlichen Sitzplätzen etwa 68,5 Prozent der Gesamtkapazität auf dem Markt zwischen Nordamerika und den Philippinen kontrolliert. Während US-amerikanische Wettbewerber wie United Airlines ebenfalls Präsenz zeigen – etwa mit täglichen Flügen von San Francisco nach Manila –, zielt Philippine Airlines mit der Chicago-Route auf ein Marktsegment ab, das bisher geografisch unterversorgt war.
Technologische Voraussetzungen und Einsatz der Airbus-Flotte
Die Realisierung einer derart langen Flugstrecke stellt hohe Anforderungen an das eingesetzte Fluggerät. Mit einer Distanz von über 8.000 Meilen wäre die Verbindung nach Chicago die drittlängste Route im Portfolio der Fluggesellschaft. Experten gehen davon aus, dass Philippine Airlines hierfür ihre neuen Maschinen des Typs Airbus A350-1000 einsetzen wird. Das erste Exemplar dieses Typs in Südostasien wurde im Dezember 2025 an die Airline ausgeliefert. Weitere acht Maschinen befinden sich in der Bestellung, wobei fünf Auslieferungen für das laufende Jahr 2026 geplant sind.
Der Airbus A350-1000 verfügt über eine Reichweite von etwa 9.000 Seemeilen, was einen sicheren und effizienten Betrieb auf der Strecke Manila-Chicago ermöglicht. Die Fluggesellschaft hat Nordamerika explizit als Zielmarkt für diesen neuen Flugzeugtyp identifiziert, um ihre Langstreckenkapazitäten auszubauen und gleichzeitig den Komfort für Passagiere auf Ultra-Langstrecken zu erhöhen. Die moderne Avionik und die optimierte Kabinenausstattung der A350-1000 sollen dazu beitragen, die Reisezeit von knapp 16 bis 17 Stunden so angenehm wie möglich zu gestalten.
Demografische Faktoren und Marktwachstum
Ein wesentlicher Treiber für das Projekt ist die demografische Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge leben rund 4,7 Millionen Menschen philippinischer Abstammung in den USA, was sie zur drittgrößten asiatisch-amerikanischen Bevölkerungsgruppe macht. Während Kalifornien traditionell die höchste Konzentration aufweist, sind im gesamten Mittleren Westen bedeutende Gemeinschaften entstanden. Für diese Bevölkerungsgruppe stellt eine Direktverbindung über das Drehkreuz Chicago eine signifikante Erleichterung dar, da beschwerliche Anschlüsse an der Westküste entfallen.
Die Marktpositionierung der Fluggesellschaft zeigt sich bereits in der Preisgestaltung. Mit ersten Werbeangeboten für Hin- und Rückflüge ab 792 US-Dollar positioniert sich Philippine Airlines wettbewerbsfähig gegenüber den bisherigen Umsteigeverbindungen. Ziel ist es, sowohl den Besuchsverkehr von Freunden und Verwandten als auch den wachsenden Tourismus- und Geschäftsreiseverkehr direkt abzufangen. Die zeitliche Planung der Aufnahme zum Sommer 2026 zielt darauf ab, die Hauptreisesaison während der nördlichen Sommermonate optimal zu nutzen.
Regulatorische Aussichten und operative Umsetzung
In Fachkreisen gilt die Genehmigung durch das US-Verkehrsministerium als Formsache, da das bilaterale Abkommen klare Richtlinien vorgibt. Die Einführung der Nonstop-Verbindung würde nicht nur die Reisezeit erheblich verkürzen, sondern auch das Profil Manilas als wichtiges Luftfahrt-Drehkreuz in Südostasien schärfen. Für den Flughafen Chicago O’Hare bedeutet die neue Verbindung eine weitere Stärkung seiner Rolle als internationales Tor zum amerikanischen Binnenland.
Philippine Airlines plant, Chicago nahtlos in ihren bestehenden Flugplan zu integrieren, um Synergien mit Inlandsflügen auf den Philippinen und weiteren Zielen in Asien zu schaffen. Sollte der Starttermin im Sommer 2026 gehalten werden können, würde dies eine neue Ära der Konnektivität zwischen den Philippinen und den USA einleiten, die weit über die traditionellen Gateways an der Westküste hinausreicht. Die strategische Entscheidung für Chicago unterstreicht das Vertrauen der Airline in die langfristige Stabilität des US-Marktes und die Leistungsfähigkeit ihrer modernisierten Flotte.