Boeing 737-Max-8 (Foto: Tomás Del Coro).
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Sicherheitsvorfall bei American Airlines: Boeing 737 Max 8 mit mutmaßlichem Einschussloch in Kolumbien entdeckt

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Ein Vorfall um eine Boeing 737 Max 8 der US-Fluggesellschaft American Airlines sorgt derzeit für Aufsehen in der internationalen Luftfahrtbranche. Nach der Landung in der kolumbianischen Metropole Medellín entdeckten Wartungsteams bei einer Routinekontrolle eine Beschädigung an einem der Querruder des Flugzeugs, die ersten Erkenntnissen zufolge durch den Einschlag eines Projektils verursacht wurde. Trotz der Entdeckung wurde die Maschine nach einer provisorischen Reparatur vor Ort für den regulären Rückflug nach Miami freigegeben und beförderte Passagiere über das Karibische Meer.

Erst nach der Ankunft in den Vereinigten Staaten wurde das Flugzeug endgültig aus dem Liniendienst genommen und für umfassende Instandsetzungsarbeiten nach Dallas überführt. Der Vorfall wirft kritische Fragen zur Sicherheit des Luftraums in der Region sowie zu den Protokollen für Feldreparaturen an sicherheitskritischen Bauteilen auf. Während die Fluggesellschaft eine enge Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden angekündigt hat, bleibt bislang völlig unklar, ob das Flugzeug am Boden oder während des Fluges unter Beschuss geraten ist.

Entdeckung der Schäden während der Routinekontrolle

Der Vorfall ereignete sich am 23. Februar 2026 nach der Ankunft des Fluges aus Miami am Flughafen Olaya Herrera oder dem internationalen Flughafen José María Córdova in Medellín. Im Rahmen der standardmäßigen Nachflugkontrolle, die bei jedem Linienflug obligatorisch ist, bemerkten Techniker eine ungewöhnliche Perforation an der Außenhaut eines Querruders nahe der Hinterkante der Tragfläche. Interne Dokumente, die US-Medien vorliegen, beschreiben das Schadensbild detailliert als eine Eintritts- und eine Austrittsöffnung. Die präzise Form und die Beschaffenheit der Ränder ließen bei den Mechanikern vor Ort unmittelbar den Verdacht aufkommen, dass es sich um einen Treffer durch Schusswaffen handelt.

Das betroffene Bauteil, das Querruder (Aileron), ist eine essenzielle Komponente der Flugsteuerung. Es dient der Rollbewegung um die Längsachse und ist somit für die Manövrierfähigkeit des Flugzeugs unerlässlich.

Bei der Boeing 737 Max 8 handelt es sich um ein hochmodernes Schmalrumpfflugzeug, dessen aerodynamische Oberflächen strengen Belastungstests unterliegen. Jede strukturelle Beeinträchtigung an diesen beweglichen Teilen kann theoretisch die Strömungseigenschaften verändern oder bei hohen Geschwindigkeiten zu Vibrationen führen, die im schlimmsten Fall die strukturelle Integrität gefährden könnten.

Provisorische Reparatur und Rückflug mit Passagieren

Besondere Aufmerksamkeit in der Fachwelt erregt der Umstand, dass die Maschine nach der Entdeckung nicht sofort stillgelegt wurde. Techniker in Medellín führten eine sogenannte Feldreparatur durch. Dabei wird die betroffene Stelle mit strukturellen Flicken versiegelt, um die aerodynamische Oberfläche zu glätten und ein weiteres Aufreißen des Materials durch den Luftdruck zu verhindern. Solche Verfahren sind in der Luftfahrt unter bestimmten Bedingungen zulässig, sofern die Statik des Bauteils nicht grundsätzlich beeinträchtigt ist und die Reparatur den strengen Vorgaben des Herstellers entspricht.

Am Morgen des 24. Februar 2026 startete die Boeing 737 Max 8 wie geplant zu ihrem Rückflug nach Miami. An Bord befand sich eine reguläre Anzahl an Passagieren, die nach aktuellem Kenntnisstand nicht über die Art der Beschädigung oder die vorangegangene Reparatur informiert waren. Der Flug verlief ohne gemeldete Zwischenfälle. Erst nach der Landung in Florida entschied das Management von American Airlines, das Flugzeug für eine dauerhafte Reparatur aus dem Betrieb zu nehmen. Es folgte ein Überführungsflug ohne Passagiere (Ferry Flight) zum Wartungszentrum der Airline in Dallas, Texas.

Ungeklärte Herkunft des Beschusses

Die zentrale Frage der laufenden Untersuchungen ist der Ort und der Zeitpunkt des Vorfalls. Kolumbien hat in der Vergangenheit immer wieder mit bewaffneten Konflikten in ländlichen Regionen zu kämpfen, doch Angriffe auf die zivile Luftfahrt gelten als äußerst selten. Sollte das Flugzeug im Anflug oder beim Abflug getroffen worden sein, würde dies eine erhebliche Sicherheitslücke im Umfeld des Flughafens Medellín bedeuten. Ebenso denkbar ist jedoch, dass die Maschine während des Aufenthalts am Boden von einem Querschläger getroffen wurde.

American Airlines gab in einer ersten Stellungnahme lediglich bekannt, dass man eine Perforation an der Außenseite identifiziert habe und eng mit den relevanten Behörden zusammenarbeite. Eine Bestätigung, dass es sich definitiv um ein Projektil handelte, vermied das Unternehmen in der offiziellen Kommunikation bisher, sprach jedoch von einer notwendigen weiteren Inspektion. Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass moderne Radarsysteme und Flugdatenschreiber kaum Aufschluss darüber geben können, wann ein solch kleiner Einschlag stattgefunden hat, es sei denn, es kam zu einem plötzlichen Druckabfall oder einer registrierten Fehlfunktion der Steuerung.

Strukturelle Integrität der Boeing 737 Max 8

Die Boeing 737 Max 8 steht seit ihrer Einführung unter besonderer Beobachtung der globalen Luftfahrtbehörden. Nach den technischen Problemen in der Vergangenheit ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in diesen Flugzeugtyp ein sensibles Gut. Ein Vorfall wie dieser, der zwar nicht auf einen technischen Defekt zurückzuführen ist, rückt die Robustheit des Modells dennoch in den Fokus. Die Querruder der Max-Serie bestehen aus Verbundwerkstoffen und Metalllegierungen, die darauf ausgelegt sind, hohen kinetischen Kräften standzuhalten.

Luftfahrt-Strukturingenieure erklären, dass ein kleiner Puncture durch ein Projektil an einem Querruder in der Regel nicht zu einem katastrophalen Versagen führt, da die internen Stützstrukturen des Flügels redundant ausgelegt sind. Dennoch bleibt die Entscheidung, das Flugzeug nach einer Feldreparatur im Passagierbetrieb über eine Langstrecke fliegen zu lassen, ein kontroverser Punkt in der Sicherheitsbewertung. In der Regel ziehen es Fluggesellschaften bei Verdacht auf Fremdeinwirkung vor, die Maschine leer zu einem Technik-Stützpunkt zu überführen.

Ermittlungen und internationale Reaktionen

Sowohl die kolumbianischen Luftfahrtbehörden als auch die US-amerikanische Bundesluftfahrtbehörde (FAA) wurden über den Vorfall informiert. Da es sich um ein in den USA registriertes Flugzeug einer US-Airline handelt, liegt die Federführung der Untersuchung primär bei den amerikanischen Stellen, unter Einbeziehung des FBI, sollte sich der Verdacht auf eine vorsätzliche Straftat erhärten. Auch die kolumbianische Polizei prüft Berichte über Schussabgaben im Umkreis des Flughafens zum fraglichen Zeitpunkt.

Branchenbeobachter fordern nun eine transparente Aufarbeitung der Entscheidungskette, die zum Rückflug nach Miami führte. Sollte sich herausstellen, dass das Schadensbild eindeutig auf Beschuss hindeutete, könnte dies Auswirkungen auf die Risikobewertung für kolumbianische Destinationen haben. American Airlines betreibt täglich zahlreiche Verbindungen nach Südamerika und ist auf die Sicherheit der dortigen Infrastruktur angewiesen. Der Fall erinnert an ähnliche Vorfälle in anderen Konfliktregionen, ist jedoch für den Standort Medellín in dieser Form untypisch. Das Flugzeug verbleibt bis auf Weiteres in Dallas, wo die betroffene Sektion des Querruders komplett ausgetauscht wird, um die volle Lufttüchtigkeit wiederherzustellen.

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