Die Stadtvertretung von Parchim hat den Weg für eine potenzielle Reaktivierung des ehemaligen Flughafens Schwerin-Parchim durch die Bundeswehr geebnet. In einer Sitzung am Mittwochabend positionierten sich die Stadtvertreter sowie die Stadtverwaltung einstimmig positiv zu den Plänen der Deutschen Marine. Damit ist eine wesentliche Bedingung der Streitkräfte erfüllt, die eine lokale Akzeptanz für die Prüfung des Standorts zur Voraussetzung gemacht hatten. Der Flughafen, der in der Vergangenheit mehrfach als ziviler Fracht- und Passagierflughafen scheiterte und zuletzt stillgelegt wurde, rückt damit wieder in den Fokus der nationalen Verteidigungsstrategie.
Das Interesse der Marine an dem Standort in Mecklenburg-Vorpommern ist Teil einer umfassenden Strukturprüfung innerhalb der Bundeswehr. Aufgrund des geplanten personellen und materiellen Aufwuchses der Streitkräfte ergibt sich ein erhöhter Bedarf an militärischer Infrastruktur und neuen Liegenschaften. Bisher sind sämtliche Luftfahrzeuge der Marine, darunter die Seefernaufklärer vom Typ P-3C Orion und die künftigen P-8A Poseidon sowie verschiedene Hubschraubertypen, zentral am Standort Nordholz in Niedersachsen stationiert. Eine zusätzliche Basis im Osten der Bundesrepublik könnte die operative Flexibilität und die Überwachungskapazitäten im Ostseeraum signifikant erhöhen.
Trotz der positiven Signale aus der Kommunalpolitik hält sich das Bundesverteidigungsministerium mit Details zum aktuellen Stand des Entscheidungsprozesses zurück. Bestätigt wurden lediglich laufende Prüfungsverfahren zu neuen Standortoptionen, ohne den Flughafen Parchim explizit als künftigen Stützpunkt zu benennen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass die vorhandene Infrastruktur des Flughafens, insbesondere die über 3.000 Meter lange Start- und Landebahn, hervorragende Bedingungen für schwere Seefernaufklärer und Transportmaschinen bietet. Ende Januar hatten bereits erste Sondierungsgespräche zwischen Vertretern der Marine und der Stadtverwaltung stattgefunden, um die logistischen Möglichkeiten vor Ort zu bewerten.
Die endgültige Entscheidung über eine Stationierung wird nun auf Ebene des Verteidigungsministeriums und des Kommandos der Marine erwartet. Sollte das Projekt realisiert werden, würde dies eine Rückkehr des Standorts zu seinen militärischen Wurzeln bedeuten, da das Areal bereits während der Zeit des Warschauer Paktes von den sowjetischen Luftstreitkräften intensiv genutzt wurde. Für die Region Ludwigslust-Parchim könnte eine Ansiedlung der Bundeswehr einen wirtschaftlichen Impuls durch die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Wartung, Logistik und Verwaltung sowie durch die dauerhafte Stationierung von Soldaten und deren Familien bedeuten.