In der spanischen Autonomen Gemeinschaft Katalonien tritt ab April 2026 eine signifikante Erhöhung der Tourismussteuer in Kraft. Das Regionalparlament hat eine Verdoppelung der bisherigen Abgaben beschlossen, wodurch Reisende je nach Unterkunftskategorie mit Zusatzkosten von bis zu 15 Euro pro Nacht und Person rechnen müssen.
Besonders betroffen ist die Metropole Barcelona, die bereits seit Jahren mit einem massiven Zustrom an Besuchern kämpft. Während Kreuzfahrtpassagiere, die weniger als 12 Stunden in der Stadt verweilen, weiterhin eine moderate Pauschale von rund 6 Euro zahlen, werden Gäste in Fünfsternehotels künftig am stärksten zur Kasse gebeten. Ein Paar, das zwei Nächte in einem gehobenen Viersternehaus verbringt, muss mit einer Zusatzbelastung von über 45 Euro rechnen.
Hintergrund dieser steuerlichen Maßnahme ist die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt. Ein Viertel der durch die Steuererhöhung generierten Mehreinnahmen soll zweckgebunden in den sozialen Wohnungsbau fließen, um die akute Wohnungsnot in den touristischen Zentren zu lindern. Die katalanische Regierung reagiert damit auf den wachsenden Druck durch die einheimische Bevölkerung, die in der Vergangenheit verstärkt gegen die Auswirkungen des Massentourismus protestiert hat. In Barcelona kam es wiederholt zu Demonstrationen, bei denen Bewohner ihren Unmut über steigende Mieten und die Verdrängung aus den Stadtvierteln öffentlich zum Ausdruck brachten. Parallel dazu geht das spanische Verbraucherschutzministerium strenger gegen illegale Vermietungen vor und belegte Plattformen wie Airbnb kürzlich mit Millionenbußgeldern.
Vertreter der Hotelbranche und Tourismusverbände äußern jedoch massive Bedenken hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Region. Sie warnen davor, dass die drastische Verteuerung der Übernachtungen Gäste abschrecken und in preiswertere Destinationen innerhalb Spaniens oder des Mittelmeerraums treiben könnte. Hoteliers kritisieren zudem, dass der Sektor einseitig als Finanzierungsquelle für strukturelle Probleme wie die Wohnungskrise herangezogen wird. Es wird befürchtet, dass die zusätzlichen Kosten die Buchungszahlen in der für Katalonien wirtschaftlich essenziellen Sommersaison negativ beeinflussen könnten, während die Betriebskosten für Beherbergungsbetriebe durch allgemeine Preissteigerungen ohnehin bereits hoch sind.
Die neue Regelung differenziert strikt nach der Art der Unterbringung und dem Standort innerhalb Kataloniens, wobei Barcelona als Hauptanziehungspunkt die höchsten Sätze aufruft. In ländlicheren Gebieten oder bei einfachen Pensionen fallen die Aufschläge geringer aus, bleiben aber im Vergleich zum Vorjahr dennoch spürbar erhöht. Die regionale Verwaltung verspricht sich von der Maßnahme eine bessere Steuerung der Besucherströme und eine finanzielle Entlastung der kommunalen Haushalte. Ob die Strategie aufgeht, die negativen Folgen des Tourismus durch Steuermittel zu kompensieren, bleibt abzuwarten, da die Branche nun vor der Herausforderung steht, die Preiserhöhungen gegenüber den Kunden zu rechtfertigen.