Airbus A340 (Foto: Pixabay).
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Modernisierung der Langstreckenflotte: Lufthansa Group forciert milliardenschwere Neubestellung und Flottenumbau

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Die Lufthansa Group steht unmittelbar vor einer richtungsweisenden Entscheidung über die zukünftige Ausrichtung ihrer Langstreckenflotte. Wie Konzernchef Carsten Spohr am Rande des „Airlines for Europe“-Gipfels in Brüssel bestätigte, befindet sich das Unternehmen in der finalen Phase der Entscheidungsfindung für eine umfangreiche neue Bestellung von Großraumflugzeugen.

Der Auftrag, der sowohl Modelle von Airbus als auch von Boeing umfassen könnte, soll die Kapazitäten für das kommende Jahrzehnt sichern und die Abhängigkeit von älteren, wartungsintensiven Flugzeugtypen verringern. Die Auslieferung der neu georderten Maschinen ist ab dem Jahr 2033 vorgesehen. Parallel dazu treibt der Konzern die Ausmusterung legendärer, aber technologisch überholter Modelle wie des Airbus A340-600 und der Boeing 747-400 voran, während Verzögerungen bei neuen Programmen wie der Boeing 777X den betrieblichen Druck erhöhen. Ein strategischer Verkauf von zwei Boeing 747-8 an die US-Regierung zu Beginn des Jahres 2026 spülte zudem frisches Kapital in die Kassen, das nun direkt in die Beschleunigung der Flottenerneuerung fließen soll. In einem Marktumfeld, das durch steigende Rohstoffpreise und geopolitische Instabilitäten geprägt ist, setzt die Lufthansa Group konsequent auf modernstes Fluggerät, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den interkontinentalen Kernmärkten, insbesondere im Nordatlantik-Geschäft, zu festigen.

Strategische Weichenstellung in Brüssel

Die Ankündigung von Carsten Spohr in Brüssel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der weltweite Markt für Langstreckenjets massiv zuspitzt. Da Produktionskapazitäten bei den großen Herstellern Airbus und Boeing auf Jahre hinaus ausgebucht sind, ist eine frühzeitige Sicherung von sogenannten Liefer-Slots essenziell. Lufthansa plant, die neue Order in den kommenden Wochen offiziell zu machen. Aktuell verfügt die Gruppe bereits über ein beachtliches Auftragsbuch, das unter anderem 31 Airbus A350-900, 15 A350-1000 sowie insgesamt 52 Boeing-Maschinen der Typen 787-9 und 777X umfasst.

Das Ziel der neuen Bestellung ist nicht nur das reine Wachstum, sondern primär die Vereinheitlichung der Flottenstruktur. Derzeit betreibt die Gruppe noch 13 verschiedene Langstreckentypen, eine Zahl, die bis zum Ende des Jahrzehnts auf neun reduziert werden soll. Diese Komplexitätsreduktion verspricht erhebliche Einsparungen bei der Wartung, der Ersatzteilbevorratung und der Pilotenausbildung. Dass Spohr die Entscheidung als „bevorstehend“ bezeichnet, signalisiert, dass die technischen und kommerziellen Verhandlungen mit den Herstellern weitgehend abgeschlossen sind.

Abschied von den Vierstrahlern und Flottenverjüngung

Während die Zukunft geplant wird, nähert sich für einige Klassiker der Luftfahrt das Ende ihrer Dienstzeit beim Kranich. Der Airbus A340-600, bekannt für seinen extrem langen Rumpf und seine vier Triebwerke, wird nach dem Sommerflugplan 2026 voraussichtlich komplett aus der Flotte ausscheiden. Ursprünglich als Rückgrat für Langstrecken mit hohem Premium-Anteil gedacht, entsprechen die Betriebskosten dieses Modells nicht mehr den heutigen Anforderungen. Auch der Airbus A340-300 und die Boeing 747-400, die „Königin der Lüfte“ in ihrer älteren Version, sollen bis Ende 2027 schrittweise stillgelegt werden.

Dieser Umbau betrifft jedoch nicht nur die Kernmarke Lufthansa. Die österreichische Tochter Austrian Airlines steht vor einem ähnlichen Umbruch. Die veralteten Boeing 767-300ER werden durch moderne Boeing 787-9 Dreamliner ersetzt, wobei die erste Ausmusterung der 767 für das Jahr 2026 geplant ist. Auch die Boeing 777-200 der Austrian sollen langfristig abgelöst werden, um die Effizienz der Wiener Flotte zu steigern. Bei der Schweizer Tochter Swiss bleibt die Lage hingegen etwas beständiger; dort werden die Airbus A340-Maschinen aufgrund ihrer speziellen Konfiguration und Einsatzprofile vorerst weiterbetrieben, bis auch hier ein adäquater Ersatz zur Verfügung steht.

Verzögerungen bei Boeing und finanzielle Spielräume

Ein wunder Punkt in der Planung bleibt die Boeing 777X. Die Lufthansa Group wartet sehnsüchtig auf die insgesamt 27 bestellten Einheiten dieses Typs, der als direkter Ersatz für die Kapazitäten der Boeing 747 fungieren soll. Aufgrund von Zertifizierungsproblemen und Produktionsverzögerungen bei Boeing wird die erste Auslieferung nun frühestens für Anfang 2027 erwartet – Jahre später als ursprünglich kalkuliert. Dieser Verzug zwingt die Lufthansa dazu, ältere Modelle länger in Betrieb zu halten und teilweise sogar bereits eingemottete Flugzeuge wie den Airbus A380 wieder zu reaktivieren, um die Kapazitätslücken zu schließen.

Finanzielle Entlastung brachte ein ungewöhnliches Geschäft zu Beginn des Jahres 2026. Lufthansa verkaufte zwei ihrer relativ jungen Boeing 747-8 für insgesamt 400 Millionen US-Dollar an die US Air Force. Diese Maschinen werden künftig in den USA als Trainingsflugzeuge und Ersatzteilspender für die neue Generation der Präsidentenmaschine „Air Force One“ dienen. Konzernchef Spohr machte deutlich, dass dieser Erlös eine wichtige Rolle dabei spielt, die Modernisierung der restlichen Flotte zu forcieren und die technologische Lücke zu schließen, die durch die Lieferverzögerungen der 777X entstanden ist.

Wachstum auf der Langstrecke und Marktentwicklung

Trotz der operativen Hürden plant die Lufthansa Group für das Jahr 2026 ein Wachstum des Sitzplatzangebots auf der Langstrecke um etwa sechs Prozent. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem der Nordatlantikverkehr. Bemerkenswert ist dabei die Verschiebung der Verkaufsstrukturen: Mittlerweile werden rund 60 Prozent der Tickets für USA-Flüge direkt in den Vereinigten Staaten verkauft. Das zeigt die starke Marktposition der Gruppe im transatlantischen Wettbewerb.

Ein weiterer Faktor, der die Flottenplanung beeinflusst, ist die aktuelle Entwicklung der Ölpreise. Da ältere Flugzeuge wie die Boeing 747-400 oder der Airbus A340 deutlich mehr Treibstoff verbrauchen als moderne Zweistrahler wie die A350, steigen die Betriebskosten mit jedem Cent, den das Rohöl teurer wird. Dieser ökonomische Druck ist ein wesentlicher Treiber für die Eile, mit der Spohr die neue Bestellung nun zum Abschluss bringen möchte.

Zukunftsperspektive bis in die 2030er-Jahre

In der langfristigen Planung nehmen zwei Flugzeugtypen eine Sonderrolle ein: Die verbleibenden 19 Boeing 747-8 sowie die acht reaktivierten Airbus A380 sollen nach aktuellem Stand bis weit in die 2030er-Jahre hinein fliegen. Sie bilden das obere Kapazitätssegment an den Drehkreuzen Frankfurt und München. Besonders der A380 erfreut sich bei Passagieren weiterhin großer Beliebtheit und sichert der Lufthansa wichtige Marktanteile auf Strecken mit extrem hohem Aufkommen, wie etwa nach Los Angeles oder Bangkok.

Mit der Einführung der neuen Kabinenausstattung „Allegris“ in den kommenden Jahren will die Lufthansa zudem den Erlös pro Passagier steigern. Die Investitionssumme von rund 2,5 Milliarden Euro in die Innenausstattung unterstreicht den Anspruch des Konzerns, im Premium-Segment weltweit führend zu bleiben. Die nun anstehende Entscheidung über die neue Langstreckenbestellung ist somit das letzte Puzzleteil in einer umfassenden Strategie, die die Lufthansa Group technologisch und wirtschaftlich für das nächste Jahrzehnt rüsten soll. Ob der Zuschlag letztlich nach Toulouse zu Airbus oder nach Seattle zu Boeing geht, wird die Branche in den kommenden Wochen mit Spannung verfolgen.

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