Die US-amerikanische Transportsicherheitsbehörde National Transportation Safety Board hat in einer zweiten offiziellen Stellungnahme am 24. März 2026 neue Erkenntnisse zu dem schweren Unfall am New Yorker Flughafen LaGuardia veröffentlicht.
Bei dem Zusammenstoß zwischen einem Regionaljet des Typs CRJ-900 der Air Canada Express und einem Löschfahrzeug der Port Authority am späten Abend des 22. März kamen beide Piloten ums Leben, während zahlreiche Insassen verletzt wurden. Die Vorsitzende der Behörde, Jennifer Homendy, betonte im Rahmen der Pressekonferenz, dass die bisherigen Ermittlungen nicht auf ein einzelnes technisches oder menschliches Versagen hindeuten. Vielmehr zeichnet sich eine Verkettung unglücklicher Umstände und multipler Faktoren ab, die in ihrer Gesamtheit zu der Katastrophe führten. Im Fokus der Experten stehen dabei die Wirksamkeit der Bodenüberwachungssysteme, die Koordination der Rettungskräfte während eines parallel verlaufenden Notfalls sowie die personelle Besetzung im Kontrollturm während der Nachtstunden. Die Auswertung der bereits gesicherten Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder in Washington soll nun Aufschluss darüber geben, ob und wann die Besatzung des Flugzeugs das Hindernis auf der Landebahn wahrnehmen konnte.
Technische Grenzen der Bodenüberwachung unter Belastung
Ein zentraler Aspekt der Untersuchung betrifft das Airport Surface Detection Equipment, Model X, ein hochmodernes System zur Überwachung von Bewegungen auf dem Rollfeld. Laut Homendy löste das System vor der Kollision keinen Alarm aus, der die Fluglotsen rechtzeitig hätte warnen können. Die Behördenleiterin stellte jedoch klar, dass dies nicht zwingend als technisches Versagen der Anlage zu werten sei. Das System hatte Schwierigkeiten, eine präzise Verfolgung der Fahrzeuge zu generieren, da sich zum Unfallzeitpunkt eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Einsatzfahrzeugen in der Nähe der Landebahn befand. Diese Ballung erschwerte es der Technologie, die einzelnen Bewegungen korrekt zuzuordnen und potenzielle Konflikte zu identifizieren.
Ein erschwerender Faktor war zudem die Ausstattung des verunglückten Feuerwehrfahrzeugs. Dieses verfügte über keinen Transponder, der seine Position aktiv an das Überwachungssystem übermittelt hätte. Ohne ein solches Signal ist die Technik darauf angewiesen, Objekte rein passiv über Radar zu erfassen, was in einer komplexen Umgebung mit vielen metallischen Hindernissen und anderen Fahrzeugen die Fehleranfälligkeit erhöht. Die Ermittler prüfen nun, inwieweit die Sichtbarkeit von Bodenfahrzeugen für automatisierte Sicherheitssysteme an US-Großflughäfen verbessert werden muss, um solche Blindstellen in der Überwachung künftig zu vermeiden.
Dynamik des Unfallgeschehens und Kommunikation im Tower
Nach vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler entwickelte sich die kritische Situation innerhalb weniger Sekunden. Etwa 20 Sekunden vor dem Aufprall hatte der zuständige Fluglotse dem Feuerwehrfahrzeug die Freigabe erteilt, die Landebahn 4 zu überqueren. Kurz darauf versuchte der Lotse offenbar, das Fahrzeug per Funk wieder zu stoppen, als die Gefahr durch den landenden Jet erkannt wurde. Bisher ist unklar, ob diese Anweisung die Besatzung des Löschfahrzeugs rechtzeitig erreichte oder ob technische Übertragungsprobleme vorlagen. Das National Transportation Safety Board untersucht derzeit die Funkprotokolle und befragt die überlebenden Mitglieder der Rettungsmannschaft, um festzustellen, ob Ausweichmanöver eingeleitet wurden.
Die personelle Situation im Kontrollturm zum Unfallzeitpunkt um 23:38 Uhr entsprach den Standardvorgaben für den Nachtbetrieb am Flughafen LaGuardia. Zwei Lotsen waren im Dienst, wobei einer der beiden zusätzlich die Aufgaben der Freigabeerteilung übernahm. Diese Zusammenlegung von Funktionen ist bei geringerem Verkehrsaufkommen in den späten Abendstunden üblich. Dennoch wird im Rahmen der Untersuchung geprüft, ob die Arbeitsbelastung durch einen zeitgleich stattfindenden Vorfall die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt haben könnte. In den Minuten vor dem Zusammenstoß waren die Lotsen mit einem Notfall eines United-Airlines-Flugzeugs befasst, das den Startvorgang abgebrochen hatte, da sich Dämpfe in der Kabine ausbreiteten und das Personal gesundheitlich beeinträchtigten. Die Feuerwehrfahrzeuge befanden sich in einer schnellen Reaktionsfahrt zu diesem betroffenen Flugzeug, als der folgenschwere Zusammenstoß geschah.
Erschwerte Rahmenbedingungen und externe Störfaktoren
Die Sichtverhältnisse am Abend des 22. März waren durch Dunkelheit und eine reduzierte Sichtweite beeinträchtigt. Erste Auswertungen des Cockpit-Stimmenrekorders deuten darauf hin, dass die Piloten der Air Canada Express das Hindernis auf der Bahn vor der Kollision nicht sehen konnten. Dies unterstreicht die Abhängigkeit der Besatzung von präzisen Anweisungen der Bodenkontrolle und funktionierenden Warnsystemen bei Nachtlandungen auf hochfrequentierten Verkehrsflughäfen.
Zusätzlich zu den unmittelbaren Unfallursachen berichtete Jennifer Homendy von erheblichen logistischen Hürden bei der Einleitung der Untersuchung. Durch einen teilweisen Behördenstillstand im Department of Homeland Security kam es an US-Flughäfen zu massiven Verzögerungen bei den Sicherheitskontrollen. Spezialisten der Untersuchungsbehörde saßen teils stundenlang fest, was den Beginn der Beweissicherung vor Ort verzögerte. Solche administrativen Reibungsverluste verdeutlichen den Druck, unter dem die Sicherheitsbehörden bei der Aufklärung von Katastrophenfällen stehen, wenn politische Rahmenbedingungen den operativen Betrieb stören.
Der Flughafen LaGuardia zählt mit fast 1.000 Flugbewegungen pro Tag zu den am stärksten belasteten Luftverkehrsknotenpunkten der Vereinigten Staaten. Der aktuelle Unfall reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie von Vorfällen auf dem Rollfeld, die landesweit seit 2024 eine steigende Tendenz aufweisen. Experten weisen darauf hin, dass die zunehmende Dichte des Verkehrs und die Komplexität der Bodenbewegungen neue Anforderungen an die Infrastruktur und die Ausbildung des Personals stellen. Die endgültige Klärung der Unfallursache wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die Ermittler konzentrieren sich nun auf die Synchronisation der Daten aus dem Tower, den Flugschreibern und den Bewegungsdaten der Rettungsfahrzeuge. Dabei soll auch geklärt werden, ob die bauliche Gestaltung der Rollwege und die Beschilderung zur Orientierungslosigkeit beigetragen haben könnten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden maßgeblich dafür sein, ob neue Sicherheitsrichtlinien für die Bewegung von Rettungskräften auf aktiven Start- und Landebahnen erlassen werden, um die Trennung von landenden Flugzeugen und Bodenverkehr künftig sicherer zu gestalten.