Terminal 1 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Kritik an Sonderrechten für den Flughafenausbau in Wien-Schwechat

Werbung

Die politische Debatte um die Flächennutzung am Flughafen Wien-Schwechat verschärft sich. Im Zentrum der Kritik stehen die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen für Großbetriebe am selben Standort.

Während Unternehmen wie die OMV bei Betriebserweiterungen dem niederösterreichischen Raumordnungsgesetz unterliegen und somit Verhandlungen mit dem Gemeinderat führen müssen, nutzt die Flughafen Wien AG für ihre Expansionspläne das Bundes-Luftfahrtgesetz. Dieses ermöglicht eine Ausweitung von Betriebsflächen, insbesondere für das wachsende Cargo-Geschäft, ohne die direkte Einbindung der betroffenen Kommunen oder eine verpflichtende Mitsprache der Bürger.

Aktuelle Projektplanungen sehen vor, dass der Flughafen über 47 Hektar neues Bauland für Betriebsgebiete erschließt. Kritiker bemängeln, dass hierbei lokale Interessen sowie raumordnerische Standards, die für andere Industriebetriebe gelten, umgangen werden könnten. Während die Gemeinde bei regulären Umwidmungen Ausgleichsmaßnahmen oder Lärmschutzwälle vertraglich festlegen kann, bleibt ihr dieser Handlungsspielraum beim Flughafen aufgrund der bundesgesetzlichen Sonderstellung verwehrt. Zudem steht die Finanzierung der neuen Autobahnabfahrt „Flughafen West“ in der Diskussion, da unklar bleibt, in welchem Umfang sich die Aktiengesellschaft an den Kosten beteiligt, die primär durch die ASFINAG und damit durch Mautzahler getragen werden.

Hintergrund dieser Entwicklung ist eine strategische Verschiebung innerhalb der Flughafen Wien AG. Mit der Airports Group Europe als größtem Einzelaktionär liegt der Fokus derzeit weniger auf dem Bau der dritten Piste als vielmehr auf der Maximierung bestehender Kapazitäten und dem massiven Ausbau der Logistik-Infrastruktur. Diese Optimierungsstrategie führt zu einem erhöhten Flächenbedarf für Büro- und Lagerkomplexe. Lokale Vertreter fordern daher eine gesetzliche Nachschärfung und eine Neubewertung dessen, was rechtlich als unmittelbarer Flugbetrieb gilt, um die kommunale Planungshoheit wiederherzustellen und eine Gleichbehandlung der ansässigen Unternehmen zu gewährleisten.

Zusätzliche Recherchen im Umfeld der Standortentwicklung zeigen, dass die betroffenen Flächen teilweise als Verdachtsflächen für Altlasten eingestuft sind. Unter normalen raumordnerischen Bedingungen würde dies strenge Bauauflagen nach sich ziehen. Die Intransparenz über die genaue Nutzung der geplanten Flächen sorgt in der Region für Unmut, da auch klimatische Analysen, etwa zu Kaltluftströmen für angrenzende Wohngebiete, in den Genehmigungsverfahren auf Bundesebene kaum Berücksichtigung finden. Die Forderung nach einem verbindlichen Dialog und einer Anpassung der gesetzlichen Privilegien an moderne Standards der Bürgerbeteiligung gewinnt vor diesem Hintergrund an Gewicht.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung