Lufthansa Aviation Center am Flughafen Frankfurt am Main (Foto: Jan Gruber).
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Lufthansa leitet drastisches Maßnahmenpaket zur Kostenstabilisierung ein

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Die Deutsche Lufthansa AG hat angesichts massiv gestiegener Kerosinkosten und anhaltender Belastungen durch Arbeitskämpfe ein umfassendes Umbauprogramm für ihre Kernmarke Lufthansa Airlines angekündigt. Das am Donnerstag vorgestellte erste Paket sieht eine sofortige Reduzierung des Flugprogramms auf allen Distanzen sowie eine signifikante Beschleunigung der Flottenmodernisierung vor.

Zentrales Element ist die vorzeitige Ausflottung ineffizienter Flugzeugtypen wie der Airbus A340-600 und der Boeing 747-400, um den teuren, nicht abgesicherten Teil des Treibstoffbedarfs zu minimieren. Parallel dazu wird die Regionaltochter Cityline aufgrund ihrer defizitären Struktur vorzeitig stillgelegt. In der mittelfristigen Planung verschiebt der Konzern zudem Kapazitäten in Richtung der kostengünstigeren Tochter Discover Airlines, während in der Verwaltung ein strenger Sparkurs mit Einstellungsstopps und reduzierten Beraterausgaben greift. Diese Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund einer geopolitischen Instabilität, die die Marktpreise für Rohöl und Kerosin auf einem hohen Niveau hält und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Konzerns unter Druck setzt.

Radikaler Flottenumbau und das Ende der vierstrahligen Ära

Der Kern des Sanierungsplans liegt in einer technologischen Zäsur. Lufthansa beendet die Ära der vierstrahligen Langstreckenflugzeuge schneller als ursprünglich geplant. Bereits im Oktober dieses Jahres werden die letzten vier Airbus A340-600 die Flotte verlassen. Dieser Flugzeugtyp, der einst als Rückgrat auf prestigeträchtigen Langstrecken galt, weist im Vergleich zu modernen Zweiststrahlern einen überproportional hohen Treibstoffverbrauch auf. Ebenfalls betroffen ist die Boeing 747-400: Zwei Maschinen dieses Typs werden über den kommenden Winter stillgelegt, wobei das endgültige Aus für die gesamte Teilflotte bereits für das kommende Jahr festgeschrieben wurde.

Diese Kapazitätsreduktion um insgesamt sechs Interkontinental-Flugzeuge soll unmittelbar die Treibstoffrechnung entlasten. Da Lufthansa rund 20 Prozent ihres Kerosinbedarfs zu aktuellen Marktpreisen ohne Absicherung beziehen muss, zielt die Stilllegung der ineffizientesten Einheiten darauf ab, genau diesen hochpreisigen Anteil des Bedarfs um etwa zehn Prozent zu senken. Der Fokus der Langstrecke verschiebt sich damit konsequent auf moderne Muster wie den Airbus A350-900. Interessanterweise werden neun weitere Maschinen dieses Typs künftig nicht bei der Kernmarke, sondern im günstigeren Flugbetrieb (AOC) von Discover Airlines angemeldet, was eine strukturelle Verschiebung der Langstreckenkapazitäten innerhalb der Gruppe markiert.

Stilllegung der Cityline und Konsolidierung der Kurzstrecke

Auch im Regional- und Kurzstreckenverkehr greift das Management hart durch. Die Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline wird ab dem kommenden Samstag ihren Flugbetrieb schrittweise einstellen. Die 27 operativen Flugzeuge vom Typ Canadair CRJ werden aus dem Programm genommen, da sie laut Unternehmensangaben das Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit erreicht haben und durch ihre hohen Betriebskosten die Bilanz der ohnehin defizitären Gesellschaft belasten. Diese Entscheidung steht im direkten Zusammenhang mit dem Entfall interner Wet-Lease-Aufträge, die bisher das operative Überleben der Cityline sicherten.

Für den kommenden Winterflugplan 2026/27 ist zudem eine weitere Absenkung der Kapazitäten auf der Kurz- und Mittelstrecke vorgesehen. Über sechs Drehkreuze der Gruppe hinweg soll das Angebot um das Äquivalent von fünf Flugzeugen der Kernmarke reduziert werden. Ziel dieser Konsolidierung ist es, die verbleibenden Verbindungen profitabler zu gestalten und die Komplexität im europäischen Netz zu verringern. Finanzvorstand Till Streichert betonte, dass diese Schritte unumgänglich seien, um die Wettbewerbsfähigkeit der Kurz- und Mittelstreckenplattformen in einem schwierigen ökonomischen Umfeld zu sichern.

Administrative Sparmaßnahmen und Stellenabbau

Flankierend zu den operativen Einschnitten verschärft Lufthansa den Sparkurs in der Verwaltung. Ein weitgehender Einstellungsstopp für administrative Positionen sowie neue Sparvorgaben für interne Veranstaltungen und externe Beratungsleistungen sollen die Fixkosten senken. Diese Maßnahmen sind Teil eines größeren Transformationsprozesses, der bis zum Jahr 2030 den Abbau von insgesamt 4.000 Stellen in der Verwaltung der gesamten Lufthansa Gruppe vorsieht.

Der Konzern reagiert damit auf eine wirtschaftliche Gemengelage, in der gestiegene Personalkosten nach den Tarifabschlüssen des vergangenen Jahres auf eine volatile Einnahmesituation treffen. Die Mehrbelastungen aus vorangegangenen Arbeitskämpfen haben die finanziellen Puffer der Kernmarke aufgezehrt. Durch die Reduzierung von bürokratischem Aufwand und die Straffung der Managementstrukturen soll die Profitabilität der Hauptmarke wieder an das Niveau der Konzerntöchter wie SWISS oder Austrian Airlines herangeführt werden.

Geopolitische Risiken und wirtschaftliche Notwendigkeit

Die strategische Neuausrichtung ist maßgeblich von externen Faktoren getrieben. Die anhaltende geopolitische Instabilität hat nicht nur die Treibstoffpreise in die Höhe getrieben, sondern auch Auswirkungen auf die Flugrouten und die operative Effizienz. Lufthansa sieht sich gezwungen, auf diese Unsicherheiten mit maximaler Flexibilität zu reagieren. Die vorzeitige Flottenmodernisierung ist dabei nicht nur eine Maßnahme zur Kostensenkung, sondern auch eine Form der Risikovorsorge gegen weiter steigende Marktpreise für Energie.

Obwohl die Lufthansa Group mit einer Absicherung von rund 80 Prozent des Treibstoffbedarfs im Branchenvergleich gut aufgestellt ist, wiegt die Belastung durch die verbleibenden 20 Prozent schwer genug, um die Gewinnprognosen zu gefährden. Das nun eingeleitete erste Paket markiert daher erst den Beginn eines tiefergreifenden Umbaus. Der Konzern signalisiert damit unmissverständlich, dass Ineffizienzen in der Kernmarke angesichts des aktuellen Kostendrucks nicht länger toleriert werden können. Der Fokus liegt fortan auf einer modernen, zweistrahligen Flotte und schlankeren administrativen Prozessen, um die Marktführerschaft in Europa zu verteidigen.

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