Dertour Group in Frankfurt (Foto: DER Touristik).
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Dertour-Chef: „Marke Fischer Air gehört uns und nicht Vaclav Fischer“

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Die – wieder einmal – gescheiterte Wiederbelebung der Fischer Air nimmt ein neues, absurdes Ausmaß an: Gegenüber der deutschen Bildzeitung bestätigte Dertour-Generaldirektor Christoph Debus, dass man Inhaber der Marke „Fischer Air“ ist und folglich Vaclav Fischer unter diesem Brand überhaupt keine geschäftlichen Aktivitäten durchführen darf.

Während der 71-jährige tschechische Unternehmer ankündigte, von Regionalflughäfen wie Kassel-Calden aus den Flugbetrieb aufnehmen zu wollen, sieht er sich nun mit einer klaren Absage des zweitgrößten europäischen Reisekonzerns Dertour konfrontiert. Dertour-Vorstandschef Christoph Debus stellte in einer öffentlichen Stellungnahme unmissverständlich klar, dass die Markenrechte an Fischer Air seit dem Jahr 2020 im Besitz seiner Unternehmensgruppe liegen und rechtliche Schritte gegen jede unbefugte Nutzung eingeleitet wurden. Neben dem Markenstreit überschatten fehlende Betriebsmittel, unbezahlte Rechnungen an Standorten wie Friedrichshafen und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen das Vorhaben. An den potenziellen Startflughäfen herrscht mittlerweile Funkstille, was die Realisierung des Projekts in weite Ferne rückt.

Rechtsstreit um Markenidentität und Markenschutz

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, wer die Identität der Marke Fischer Air für kommerzielle Zwecke nutzen darf. Václav Fischer, der die ursprüngliche Fluggesellschaft in den 1990er-Jahren zu großem Erfolg geführt hatte, beansprucht den Namen aufgrund seiner historischen Rolle als Gründer. Die aktuelle Aktenlage beim Deutschen Patent- und Markenamt sowie beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) spricht jedoch eine andere Sprache. Die Rechte sind eindeutig auf die tschechische Tochtergesellschaft der DER Touristik eingetragen. Dieser Schutz umfasst explizit Dienstleistungen im Bereich von Flugreisen und Transportwesen.

Christoph Debus betonte in einem aktuellen Interview, dass die rechtliche Situation für sein Haus abgeschlossen sei. Der Konzern habe bereits in der Vergangenheit Gerichtsprozesse wegen Markenrechtsverletzungen gegen Fischer gewonnen. Die Strategie von Dertour zielt darauf ab, das eigene Portfolio und die damit verbundenen Investitionen zu schützen. Für einen neuen Marktteilnehmer unter dem Namen Fischer Air gäbe es demnach keine rechtliche Grundlage, was die geschäftliche Basis für Václav Fischers Pläne bereits im Keim erstickt. Experten weisen darauf hin, dass die Etablierung einer Airline ohne gesicherte Markenrechte ein immenses finanzielles Risiko darstellt, da Marketingaktivitäten und Ticketverkäufe jederzeit gerichtlich unterbunden werden könnten.

Logistische Defizite und verschwundene Firmensitze

Ein weiteres Problem des Projekts ist die mangelnde physische und operative Infrastruktur. Bis zum heutigen Zeitpunkt verfügt die geplante Fluggesellschaft über kein eigenes oder geleastes Fluggerät, das für den kommerziellen Personentransport zugelassen wäre. In der Luftfahrtbranche ist der Nachweis über verfügbare Maschinen jedoch die Voraussetzung für die Erteilung eines Luftverkehrsbetreiberzeugnisses durch die zuständigen Luftfahrtbehörden. Ohne diese Zulassung bleibt jede Ankündigung von Flugverbindungen rein hypothetisch.

Besonders deutlich wird die prekäre Lage am Flughafen Friedrichshafen. Dort diente über einen längeren Zeitraum ein einfacher Briefkasten als offizieller deutscher Firmensitz der Gesellschaft. Nach Angaben der Flughafenleitung wurde dieser Briefkasten inzwischen entfernt, da die fälligen Mietzahlungen ausblieben. Geschäftsführer Detlef Schäfer-Carroll äußerte sich skeptisch über die Seriosität der Ankündigungen und gab an, dass seit längerer Zeit kein Kontakt mehr zu Václav Fischer bestehe. Diese Entwicklung wirft Fragen nach der finanziellen Ausstattung des Vorhabens auf und verstärkt den Eindruck eines substanzlosen Projekts.

Stillstand an den Standorten Kassel und Friedrichshafen

Der Flughafen Kassel-Calden, der sich mehrheitlich im Besitz des Landes Hessen befindet, hatte ursprünglich Hoffnungen in die angekündigten Verbindungen von Fischer Air gesetzt. Der Regionalflughafen ist auf zusätzliche Linien- und Charterverkehre angewiesen, um seine Auslastung zu verbessern. Jüngste Berichte aus dem Aufsichtsrat des Flughafens zeichnen jedoch ein ernüchterndes Bild. Ein Sprecher des hessischen Finanzministeriums teilte mit, dass es keinerlei belastbare Grundlagen für eine Zusammenarbeit gebe. Die Geschäftsführung wurde angewiesen, künftig nur noch Kooperationen einzugehen, die auf gesicherten wirtschaftlichen Fundamenten stehen.

Die Kommunikation zwischen dem Unternehmer und den Flughäfen ist faktisch abgerissen. Während Václav Fischer in der Vergangenheit offensiv mit Flugstarts warb, sind die entsprechenden Online-Präferenzen der Airline derzeit nicht mehr erreichbar. Dieser Rückzug aus der digitalen Öffentlichkeit wird in Branchenkreisen als Indiz für das endgültige Scheitern der Neugründung gewertet. Auch die Suche der Staatsanwaltschaft Hamburg nach dem Unternehmer im Zusammenhang mit Anzeigen der Arbeitsagentur belastet das Ansehen des Projekts schwer und erschwert die Gewinnung potenzieller Investoren oder Partner in der Reisebranche.

Wirtschaftlicher Wettbewerb und Marktbedürfnisse

Trotz der ablehnenden Haltung gegenüber Fischer Air betonte Dertour-Chef Debus, dass Wettbewerb im Bereich der Ferienfliegerei grundsätzlich zu begrüßen sei. Der Markt für Urlaubsreisen ab Deutschland ist hart umkämpft, wobei etablierte Player ihre Marktanteile nach den Verwerfungen der letzten Jahre wieder stabilisieren konnten. Für neue Anbieter sind die Eintrittshürden extrem hoch, da nicht nur hohe Sicherheitsstandards und komplexe Logistikketten gefordert sind, sondern auch ein hohes Maß an Vertrauen bei den Endkunden und Reiseveranstaltern.

Ein Neustart einer Fluglinie erfordert im aktuellen Marktumfeld eine Kapitalausstattung im zweistelligen Millionenbereich, um die Anlaufverluste zu decken und die notwendigen Sicherheitsgarantien zu hinterlegen. Im Fall von Fischer Air scheint genau diese Basis zu fehlen. Die Kombination aus ungeklärten Markenrechten, fehlender Hardware und dem Vertrauensverlust bei den Standortpartnern macht eine Aufnahme des Flugbetriebs zur Sommersaison oder im weiteren Jahresverlauf nahezu unmöglich. Die Warnung des Dertour-CEOs, wonach das Projekt keine Chance habe, wird durch die operativen Realitäten an den Flughäfen eindringlich bestätigt.

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