Flughafen Linz (Foto: René Steuer).
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Ankündigung bis 1. Mai 2026: Ticketsteuer wird abgeschafft oder Winterflüge ab Linz fallen weg

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Bis zum 1. Mai 2026 erwartet Michael O’Leary, CEO des Ryanair-Konzerns, von der österreichischen Bundesregierung eine Ankündigung, dass die umstrittene Ticketsteuer gänzlich abgeschafft wird oder aber der Rotstift wird im Winterflugplan 2026/27 ab österreichischen Airports angesetzt. Nicht nur in Wien könnte gestrichen werden, sondern auch die London-Flüge ab Linz stehen akut auf der Kippe.

Seit längerer Zeit fordert Ryanair öffentlichkeitswirksam die Abschaffung der österreichischen Flugticketabgabe. Bis dato ist man mit dieser Forderung bei der Bundesregierung eher auf taube Ohren gestoßen. Zum Beispiel äußerte der Finanzminister, dass man sich dies aufgrund der aktuellen Budgetlage gar nicht leisten könne. Auch kritisierten gleich mehrere Regierungsmitglieder, dass die persönlichen Diffamierungen gegen Bundeskanzler Stocker und Verkehrsminister Hanke, die Ryanair in Form von „Sleepy Stocker“ und „Hopeless Hanke“ regelmäßig öffentlich tätigt, keine Art und Weise des Austausches mit der Regierung wären.

Landesräte wollen Ticketsteuer abgeschafft sehen

Allerdings ist Ryanair kein Einzelkämpfer, sondern mittlerweile fordern auch verschiedene hochrangige Politiker die Abschaffung der Ticketsteuer. Zuletzt sprach sich der ÖVP-Landesrat Achleitner in einer Pressemitteilung deutlich dazu auf, dass diese gestrichen wird. Auch haben die Tourismuslandesräte aller Bundesländer vor einiger Zeit einen Schulterschluss gefasst, in dem man ebenfalls fordert, dass die Steuer wegkommen müsse. Die Oppositionspartei FPÖ hat einen entsprechenden Antrag im Nationalrat eingebracht. Dieser wurde von der Regierungskoalition nicht abgelehnt, was aufgrund der Mehrheit rasch möglich gewesen wäre, sondern an den Verkehrsausschuss verwiesen und damit auf die lange Bank geschoben.

Ryanair hatte zu Spitzenzeiten in Wien bis zu 21 stationierte Flugzeuge im Einsatz. Diese waren damals noch unter OE-Flugnummern als Lauda im Einsatz. Im Zuge der Corona-Pandemie wurde die österreichische Tochter aufgelöst und auf Malta die Lauda Europe gegründet, die nun reiner Wetlease-Provider für die Konzernschwester Ryanair DAC (FR) ist. Im Sommerflugplan 2025 hatte man ab Wien insgesamt 19 Flugzeuge im Einsatz. Zuletzt reduzierte man – unter Hinweis auf die hohen Standortkosten und die Ticketsteuer – die Präsenz auf 14 Flugzeuge. Der Konkurrent Wizz Air zog sich komplett aus Wien zurück und expandiert stattdessen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Wachstum in Bratislava, Rückgänge in Österreich

Sowohl Ryanair-Chef Michael O’Leary als auch Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber argumentierten in der jüngsten Pressekonferenz damit, dass die Kosten in der Slowakei bedeutend niedriger wären. Die dortige Regierung habe die Ticketsteuer abgeschafft, die ATC-Kosten halbiert und der Flughafen Bratislava habe mit einem neuen Incentive-Programm für Wachstumsanreize gesorgt. Dies habe dazu geführt, dass der slowakische Hauptstadtairport zuletzt ein Plus von 160 Prozent erzielt habe während in Wien die Fluggastzahlen um zehn Prozent rückläufig sind.

In Bratislava stockt Ryanair in der laufenden Sommerperiode 2026 die Basis auf fünf stationierte Flugzeuge auf. Die Tendenz ist weiterhin auf Wachstum, denn es gibt verschiedene Andeutungen, dass spätestens im Winter 2026/27 weitere Maschinen auf slowakischen Airports stationiert werden könnten.

Dies könnte durchaus zu Lasten der Präsenz in Österreich gehen, denn angesprochen auf die noch nicht buchbaren Flüge auf der Strecke London (Stansted)-Linz hieß es, dass es davon abhänge, ob die Ticketsteuer in Österreich abgeschafft wird oder nicht. Der oberösterreichische Airport wäre nur einer von über 365 Stück im Ryanair-Streckennetz und ob man da zweimal wöchentlich hinfliegt oder nicht, falle nicht ins Gewicht. Wohl aber, wenn man die Maschine zu anderen Orten mit niedrigeren Kosten einsetzen könne. Mit anderen Worten: Wo man weniger Kosten hat, beispielsweise in Bratislava, bleibt dem Ryanair-Konzern pro Flug unter dem Strich mehr übrig.

Derzeit ist Ryanair in Österreich in Wien, Linz, Klagenfurt und Salzburg präsent. Während man in der Mozartstadt in Kürze den 25er feiert, war man an den Airports Klagenfurt und Linz über Jahre hinweg abwesend und argumentierte dies stets mit den hohen Kosten. Umso überraschender kamen dann die Combacks zunächst in Klagenfurt und vor noch nicht all zu langer Zeit auch in Linz. Zeitweise war Ryanair in Oberösterreich gar der einzige Liniencarrier. In Graz, wo der Billigflieger einst auch geflogen ist, sucht man die Flugzeuge dieses Anbieters weiterhin vergebens. Innsbruck hatte man ultrakurzzeitig als Laudamotion unter anderem ab Düsseldorf im Programm, jedoch nicht als Ryanair.

Ryanair will auch in den Bundesländern wachsen

Die Ryanair-Konzernspitze bietet Österreich an, dass bei Abschaffung der Ticketsteuer etwa zehn weitere Flugzeuge in der Alpenrepublik stationiert werden könnten. Weiters betonte Andreas Gruber wiederholt, dass es Wachstum nicht nur in Wien, sondern auch an den Bundesländerflughäfen geben solle. In Linz würden dann die Zeichen nicht auf möglichen Abflug mit Ende der laufenden Sommerflugplanperiode 2026 stehen, sondern man würde im Winter 2026/27 zusätzliche Routen aufnehmen. Zu Klagenfurt, Salzburg, Innsbruck und eventuell Graz wurde nichts explizites gesagt, da konkret über Linz und Wien gesprochen wurde.

Einige Bundesländerflughäfen stehen regelrecht mit dem Rücken zur Wand. Salzburg und Innsbruck haben das „Problem“, dass das Wintergeschäft traditionell sehr stark ist und man die überwiegende Mehrheit des Jahresumsatzes in der kalten Jahreszeit macht. Im Sommer hingegen ist es vergleichsweise ruhig. Während die Mozartstadt ganzjährig gut an Drehkreuze angebunden ist, wurde die Tiroler Landeshauptstadt von Lufthansa – wieder mal – abgehängt. Graz steht was das Angebot anbelangt ganz neutral betrachtet mit Salzburg auf Augenhöhe und ist hinsichtlich der Anbindung an Hubs sogar deutlich besser aufgestellt. Auch verteilt sich hier das Geschäft kontinuierlich über das gesamte Jahr, so dass man es sich offensichtlich leisten kann auf Billigflieger wie Ryanair zu verzichten.

Klagenfurt auf Sparflamme nach jahrzehntelangem Chaos

Der Flughafen Klagenfurt wurde durch eine Verkettung von Fehlentscheidungen, die in etwa ab dem Jahr 2000 begonnen haben, regelrecht an die Wand gefahren. Es gipfelte in der mehrheitlichen Privatisierung und deren Rückgängigmachung. Das Angebot ist zwar mittlerweile minimal gewachsen, aber von Anbindungen an wichtige Drehkreuze wie Frankfurt, München, Zürich oder alternativ Amsterdam, Paris, Istanbul und so weiter ist man weiterhin Lichtjahre entfernt. Lediglich Austrian Airlines bindet noch an den Hub Wien an, aber auch über dieser Route stehen langfristig gesehen viele Fragezeichen.

Kurzfristig gibt es überhaupt keine Anzeichen dafür, dass sich die AUA aus Kärnten zurückziehen könnte, jedoch aufgrund der Flottenpolitik und gegebenenfalls notwendiger Wetleases könnten immer wieder die Rechenschieber ausgepackt werden. Das Beispiel Innsbruck zeigt, dass Austrian Airlines die Wirtschaftlichkeit der Inlandsflüge mittlerweile sehr genau im Auge hat und bei Bedarf kürzt oder gar gewisse Tageszeiten komplett aufgibt. Die wenigen Skyalps-Flüge, die in Klagenfurt dazu kommen sollen, müssen sich erstmal dauerhaft halten. In Linz hatte das Unternehmen aus Südtirol mit den Düsseldorf-Flügen keinen Erfolg. Die Situation in Klagenfurt ist schwierig und im Zuge der jüngsten Ankündigung der Reduktion der Ryanair-Präsenz in Österreich hat der Billigflieger zunächst ohne weitere Kommunikation auch die Klagenfurt-Ziele reduziert.

Linz mit Frakfurt-Flügen ohne Interlining

Linz ist jener österreichische Airport, der momentan besonders schlecht aufgestellt ist. Man hat zwar wieder Frankfurt-Flüge, jedoch handelt es sich derzeit um eine reine Point-to-Point-Verbindung, die aufgrund eines PSO-Auftrags von der dänischen DAT bedient wird. Mit Stand heute gibt es weder Codeshares noch Interlining mit anderen Airlines, so dass Reisende keine durchgehenden Tickts buchen können. Hinter den Kulissen wird daran gearbeitet, dass sich der Lufthansa-Konzern nach dem Vorbild von Skyhub Pad, wo ebenfalls DAT der Operating Carrier ist, auf Interlining einlässt. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel über die Lufthansa-Homepage oder über Reisebüros durchgehende Tickets aus aller Welt nach Linz gebucht werden können, eventuelles Gepäck durchgecheckt werden kann und es einen gewissen Schutz bei aufgrund von Verspätungen verpasster Anschlüsse gibt. Selbstredend würde dies dann auch in die umgekehrte Richtung gelten. „Würde“, denn momentan sind die DAT-Flüge nicht mal über GDS-Systeme buchbar, was sich äußerst nachteilig auf die Auslastung auswirkt.

Die oberösterreichische Politik und die Flughafenleitung hatten es offensichtlich besonders wichtig, dass rasch wieder Flugzeuge zwischen Linz und Frankfurt fliegen. Es wurde von den Entscheidungsträgern nicht darauf geachtet, dass für Umsteiger notwendige Abkommen zwischen Airlines – beispielsweise zwischen DAT und Lufthansa – bereits stehen und von Anfang an buchbar sind, sondern man wollte die Maschinen so schnell wie möglich in der Luft sehen.

Das Resultat ist, dass diese katastrophal schlecht ausgelastet sind. Bis nun die „Hausaufgaben“ erledigt sind, ist aufgrund der Vorlaufzeit, die Geschäftskunden bei ihren Buchungen so haben und dem Umstand, dass dann bald die bei diesem Kundensegment beruflich sehr schwachen Sommermonate bevorstehen, damit zu rechnen, dass die gesamte laufende Sommerperiode so schwach bleiben könnte. Ohne GDS und Interlining mit großen Anbietern wie Lufthansa wird sich nicht viel ändern. DAT hat übrigens insofern keinen sonderlichen „Druck“, da etwaige Verluste ohnehin durch den PSO-Vertrag abgesichert sind.

Ryanairs Linz-Präsenz als eine Art „Faustpfand“

Dass sich Ryanair genau an diesem PSO, der unter anderem auch von der Salzburger Flughafenchefin Bettina Ganghofer wiederholt öffentlich kritisiert wurde, anstößt, liegt auf der Hand. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Billigflieger wie Ryanair oder Wizz Air nicht nur auf Rabatte und möglichst niedrige Kosten aus sind, sondern im Idealfall auch Zuschüsse, Förderungen oder sonstige Goodies haben wollen. Aus Klagenfurt hat man sich seinerzeits zurückgezogen, weil kein Geld mehr geflossen ist.

Davon ist in Linz, wo Ryanair im aktuellen Sommerflugplan die Destinationen Bari, Alicante und Stansted anbietet, keine Rede. Nur will es Ryanair generell billiger haben und fordert die Abschaffung der österreichischen Ticketsteuer. Man stellt Wachstum in Aussicht, aber auch die Verlagerung von Kapazitäten in Länder, die keine Flugticketsteuer haben, in den Raum. Es ist also absolut kein Zufall, dass der oberösterreichische Landesrat Achleitner, dem politisch gesehen der Flughafen Linz untersteht, just einen Tag vor der Ryanair-Pressekonferenz, die heute in Wien stattgefunden hat, eine Pressemitteilung verschickt, in der er die Abschaffung der „Luftverkehrsabgabe“ fordert. Und Ryanair stellt in besagter Medienkonferenz in Aussicht, dass wenn die Regierung bis 1. Mai 2026 nicht die Abschaffung ankündigt, dass die Präsenz in Österreich im Winter 2026/27 weiter reduziert wird – und nennt dabei explizit auch die Linz-Stansted-Route, die als einzige vorgesehen war als „Wackelkandidat“. Mit anderen Worten: die Politik in Oberösterreich hat erkannt, dass man mit dem Airport mit dem Rücken zur Wand steht.

Ryanair will auch ATC-Kosten halbiert sehen

Wiederholt kündigt Ryanair an, dass man in Österreich stark wachsen wird, wenn die umstrittene Ticketsteuer „wegkommt“. Einen gänzlichen Abflug – nach dem Vorbild von Wizz Air – kann man sich derzeit nicht vorstellen und verweist dabei auf Deutschland, das noch teurer wäre. Immerhin würde man dort die Luftverkehrsabgabe zumindest senken.

Doch neben der Hauptforderung hat man gleich noch „Nebenforderungen“ wie beispielsweise die Halbierung der Flugsicherungskosten und der Wiener Flughafen möge ein Incentive-Programm schaffen, das allen Airlines Anreize für Wachstum bietet. Somit bleibt es abzuwarten. Eine ganze Reihe von Forderungen und momentan zeigt die Bundesregierung überhaupt kein Interesse daran auf diese einzugehen. Bis zum 10. Juni 2026 wird das Budget verhandelt, aber Ryanair will schon bis 1. Mai 2026 Ankündigungen hören…

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