Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hat einen wesentlichen Meilenstein im Zulassungsprozess seiner neuesten Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge erreicht.
Wie lokale Medien berichten, wurden die Testflüge für eine modifizierte Anti-Eis-Technologie am Triebwerk der 737 Max-Serie aufgenommen. Diese Erprobungen, die derzeit mit einem Prototyp der größten Variante, der Max 10, durchgeführt werden, sind eine zwingende Voraussetzung für die Zertifizierung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. Im Fokus steht dabei die Behebung eines technischen Defizits im Gehäuse der CFM-LEAP-1B-Triebwerke, das bei längerer Aktivierung des Enteisungssystems unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen zu einer kritischen Überhitzung der Triebwerkseinlässe führen konnte.
Die technische Problematik hatte in der Vergangenheit dazu geführt, dass die FAA temporäre Betriebsanweisungen für bereits fliegende Max-Modelle erließ, welche die Nutzung des Anti-Eis-Systems zeitlich stark einschränkten. Für die noch nicht zugelassenen Varianten Max 7 und Max 10 forderte die Behörde jedoch eine dauerhafte konstruktive Lösung statt bloßer Verfahrensanweisungen für die Piloten. Boeing hatte ursprünglich eine Ausnahmegenehmigung angestrebt, um die Zertifizierung zu beschleunigen, zog diesen Antrag jedoch nach öffentlichem und politischem Druck zurück. Die nun getestete Modifikation soll sicherstellen, dass die Verbundwerkstoffe der Triebwerksverkleidung auch bei Fehlbedienung oder Dauerbetrieb des Systems keinen strukturellen Schaden nehmen.
Der Erfolg dieser Testreihe ist für die wirtschaftliche Planung zahlreicher Fluggesellschaften von existenzieller Bedeutung. Große Kunden wie Southwest Airlines warten bereits seit Jahren auf die kleinere Max 7, während United Airlines und Delta Air Lines erhebliche Bestellungen für die Max 10 platziert haben. Sollte die FAA die neue Lösung nach Abschluss der Datenanalyse akzeptieren, könnte die Serienproduktion und Auslieferung der Modelle nach aktuellen Schätzungen gegen Ende des Jahres 2026 oder Anfang 2027 anlaufen. Boeing hält sich mit detaillierten Angaben zur physikalischen Beschaffenheit des Updates bedeckt, betont jedoch die enge Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden während der aktuellen Flugtestphase.
Zusätzliche Marktbeobachtungen zeigen, dass Boeing unter massivem Zeitdruck steht, da der europäische Konkurrent Airbus mit der A321neo-Familie weiterhin Marktanteile im Segment der großen Schmalrumpfflugzeuge gewinnt. Die Zertifizierung der Max 10 gilt als strategischer Ankerpunkt, um im Wettbewerb um Kapazitäten aufkommensstarker Routen konkurrenzfähig zu bleiben. Experten weisen darauf hin, dass neben der Hardware-Lösung auch die Software-Logik des Flight Management Computers angepasst wurde, um eine automatische Abschaltung bei drohender Überhitzung zu gewährleisten. Erst nach einer erfolgreichen Validierung dieser Systeme wird die FAA die abschließenden Typenzertifikate für beide Varianten ausstellen.