Die führenden Fluggesellschaften Taiwans haben für den Monat Mai 2026 eine Entscheidung getroffen, die für Reisende in einer Phase globaler wirtschaftlicher Unsicherheit eine gewisse Erleichterung bedeutet. Trotz kontinuierlich steigender Kosten für Flugkraftstoff bleiben die Treibstoffzuschläge bei Eva Airways, Starlux Airlines und China Airlines stabil auf dem im Vormonat festgelegten Niveau.
Diese Entscheidung folgt auf eine deutliche Erhöhung der Gebühren im April und bedeutet, dass die Fluggesellschaften derzeit einen erheblichen Teil der Mehrbelastungen selbst tragen, um die Ticketpreise für Endkunden nicht weiter in die Höhe zu treiben. Während die Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt volatil bleiben, orientieren sich die Unternehmen an den Vorgaben der taiwanesischen Zivilluftfahrtbehörde und beobachten die Preisentwicklung beim staatlichen Raffineriebetreiber CPC Corp. genau. Die Beibehaltung der Sätze bei 45 US-Dollar für Kurzstrecken und 117 US-Dollar für Langstreckenflüge markiert eine Phase, in der die Airlines die operative Belastung gegen die Marktnachfrage abwägen müssen.
Kontinuität bei den Passagiergebühren im Mai
Nach Informationen der taiwanesischen Luftfahrtbranche bleibt die Kostenstruktur für Passagiere, die von taiwanesischen Flughäfen abheben, im Mai 2026 unverändert. Die drei großen Akteure am Markt – China Airlines, Eva Air und der Newcomer Starlux – bestätigten am 5. Mai 2026, dass die seit dem 7. April gültigen Tarife fortgeführt werden. Für Reisende auf Kurzstreckenverbindungen, zu denen klassischerweise Ziele wie Hongkong, Japan oder Südostasien zählen, beläuft sich der Zuschlag pro Flugsegment weiterhin auf 45 US-Dollar. Wer eine Langstrecke bucht, etwa nach Nordamerika oder Europa, muss pro Segment mit 117 US-Dollar kalkulieren.
Diese Stabilität kommt überraschend, da die Branche üblicherweise sehr schnell auf Schwankungen der Energiekosten reagiert. Der aktuelle Preisstopp ist jedoch weniger ein Zeichen für sinkende Kosten als vielmehr das Ergebnis eines regulatorischen Mechanismus und der unternehmerischen Entscheidung, Marktanteile durch stabile Preisgestaltung zu sichern. Die Zivilluftfahrtbehörde (CAA) in Taipeh hatte bereits Anfang April den Weg für die aktuellen Sätze geebnet, nachdem die Preise zuvor bei 27,50 US-Dollar für Kurzstrecken und 71,50 US-Dollar für Langstrecken gelegen hatten.
Diskrepanz zwischen Kerosinmarkt und Zuschlagskalkulation
Ein Blick auf die Rohstoffmärkte verdeutlicht den wirtschaftlichen Druck, unter dem die Fluggesellschaften stehen. Daten des staatlichen Mineralölunternehmens CPC Corp. zeigen, dass der durchschnittliche Preis für Flugbenzin im Mai 2026 auf 208,78 US-Dollar pro Barrel gestiegen ist. Dieser Wert liegt massiv über dem historischen Basiswert von 40 US-Dollar, der in Taiwan traditionell als Referenz für die Berechnung von Treibstoffzuschlägen herangezogen wird.
Die Differenz zwischen den tatsächlichen Beschaffungskosten und den von den Passagieren erhobenen Gebühren ist mittlerweile so groß, dass die Fluggesellschaften den überwiegenden Teil der Mehrkosten intern auffangen müssen. Eva Air hat hierzu detaillierte Kalkulationen vorgelegt, nach denen die tatsächlichen zusätzlichen Treibstoffkosten pro Passagier auf der Langstrecke bei etwa 797,82 US-Dollar liegen. Auf Kurzstrecken belaufen sich diese Mehrkosten auf durchschnittlich 133,50 US-Dollar. Vergleicht man dies mit den erhobenen Zuschlägen von 117 bzw. 45 US-Dollar, wird deutlich, dass das Unternehmen rund 85 Prozent der Zusatzkosten bei Langstreckenflügen und etwa 66 Prozent bei Kurzstreckenflügen selbst finanziert.
Unterschiedliche Belastungsprofile bei Starlux und China Airlines
Auch Starlux Airlines sieht sich mit einer ähnlichen Kalkulationslogik konfrontiert. Das Unternehmen beziffert seine zusätzlichen Treibstoffausgaben auf 271,14 US-Dollar pro Fluggast auf der Langstrecke und 61,58 US-Dollar auf der Kurzstrecke. Starlux absorbiert nach eigenen Angaben etwa 66 Prozent der Mehrkosten bei Interkontinentalverbindungen und rund 43 Prozent im Regionalverkehr. Diese Zahlen liegen leicht über den Werten des Vormonats April, was darauf hindeutet, dass die Gewinnmargen der Airlines durch die stagnierenden Zuschläge bei gleichzeitig steigenden Einkaufspreisen weiter unter Druck geraten.
China Airlines, der größte Carrier des Inselstaates, gab sich in seinen Erklärungen zurückhaltender, betonte jedoch, dass man die globalen Rohölpreise und die Preisbildungsmechanismen der CAA fortlaufend überwache. Als staatlich kontrolliertes Unternehmen spielt China Airlines oft eine Schlüsselrolle bei der Preisstabilität am Standort Taiwan, da drastische Erhöhungen der Reisekosten auch politische Auswirkungen auf die Mobilität der Bevölkerung und den Geschäftsreiseverkehr haben könnten.
Wirtschaftliche Hintergründe der Preisgestaltung
Die Entscheidung, die Zuschläge im Mai nicht weiter anzuheben, ist auch im Kontext des globalen Wettbewerbs zu sehen. Die Luftfahrtbranche in Asien befindet sich in einer Phase der Erholung, in der die Kapazitäten wieder auf das Niveau von vor 2020 hochgefahren werden. Zu hohe Nebenkosten könnten die gerade erst wieder erstarkte Reiselust der Passagiere dämpfen. Zudem konkurrieren die taiwanesischen Airlines stark mit Drehkreuzen wie Seoul oder Tokio um Transitpassagiere. Eine einseitige Erhöhung der Gebühren könnte den Standortvorteil des Flughafens Taoyuan gefährden.
Ein weiterer Faktor ist die interne Effizienz der Fluggesellschaften. Moderne Flotten mit treibstoffeffizienten Flugzeugen wie dem Airbus A350 oder der Boeing 787 helfen den Unternehmen, den spezifischen Verbrauch pro Passagierkilometer zu senken. Dies ermöglicht es den Airlines, Preisspitzen am Energiemarkt etwas länger zu trotzen als Konkurrenten mit älteren Maschinen. Dennoch bleibt der Treibstoff der größte einzelne Kostenblock in der Bilanz. Sollte der Preis für ein Barrel Kerosin dauerhaft über der Marke von 200 US-Dollar verharren, wird eine weitere Anpassung der Zuschläge im Juni oder Juli 2026 von Branchenanalysten als nahezu unvermeidlich angesehen.
Regulatorischer Rahmen und Zukunftsaussichten
Das System der Treibstoffzuschläge in Taiwan unterliegt strikten Regeln. Die Sätze werden monatlich überprüft und basieren auf den Durchschnittspreisen der vorangegangenen Wochen. Die Tatsache, dass im Mai keine Erhöhung erfolgte, deutet darauf hin, dass die Preisspitzen des Kerosins sich innerhalb des vom Regulator gesetzten Rahmens bewegen, der bereits durch den Sprung im April weit gefasst wurde.
Für die kommenden Monate hängen die Ticketpreise maßgeblich von der geopolitischen Lage und der Förderpolitik der erdölexportierenden Länder ab. In Taiwan wird die CPC Corp. weiterhin die Benchmark setzen. Die Fluggesellschaften haben signalisiert, dass ihre Belastbarkeit Grenzen hat. Während sie im Mai 2026 noch als Puffer zwischen den Weltmarktpreisen und den Passagieren fungieren, könnte ein weiterer Anstieg der Rohölpreise die wirtschaftliche Stabilität der Flugbetriebe gefährden. Passagiere sollten daher die Ankündigungen für den Juni-Flugplan aufmerksam verfolgen, da die aktuelle Stabilitätsphase als fragil eingestuft wird.