Die Verknüpfung von aktiver Bewegung in der Landschaft und regionaler Gastronomie gewinnt im europäischen Tourismus zunehmend an Bedeutung. Unter dem Leitbegriff „Taste Tourism“ rückt die Plattform „Hochgenuss“, eine Initiative der Österreichischen Wanderdörfer, gezielt Angebote in den Fokus, bei denen die Verpflegung nicht mehr nur als notwendige Pause, sondern als zentrales Erlebnis der Reise fungiert.
Für das Jahr 2026 wurden vier österreichische Regionen als Spitzenreiter in diesem Segment identifiziert: Bad Kreuzen in Oberösterreich, der Hochkönig im Salzburger Land sowie Kitzbühel und das Paznaun-Ischgl in Tirol. Diese Gebiete zeichnen sich durch eine hohe Dichte an Direktvermarktern, Almhütten mit eigener Produktion und themenspezifischen Routen aus.
In Oberösterreich setzt Bad Kreuzen vor allem auf die Kombination aus traditioneller Kneipp-Kur und regionaler Kost, während die Region Hochkönig im Salzburger Land durch ihre weltweit erste zertifizierte „vegane Almwirtschaft“ sowie die „Kulinarischen Königstouren“ bekannt geworden ist. Hier können Urlauber auf markierten Wegen von Hütte zu Hütte wandern, wobei jeder Stopp einem speziellen Gang eines regionalen Menüs gewidmet ist. Diese Form der touristischen Inszenierung sorgt dafür, dass lokale Manufakturen und Hofläden unmittelbar in die Wertschöpfungskette des Wandertourismus eingebunden werden und die kulturelle Identität der Alpenregionen erlebbar bleibt.
Die Tiroler Vertreter Kitzbühel und das Paznaun setzen hingegen verstärkt auf die Verbindung von Spitzen-Gastronomie und alpinem Sport. Im Paznaun lockt der „Kulinarische Jakobsweg“ bereits seit Jahren internationale Gäste an, indem namhafte Köche Patenschaften für einzelne Almhütten übernehmen und dort bodenständige Gerichte auf hohem Niveau interpretieren. In Kitzbühel konzentriert sich das Angebot auf die Vernetzung von Luxus-Gastronomie und traditionellen Bergbauernhöfen. Die Entwicklung zeigt, dass Reisende im Jahr 2026 verstärkt Wert auf die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln und den direkten Kontakt zu den Produzenten legen, was durch spezialisierte Plattformen wie „Hochgenuss“ koordiniert wird.
Wirtschaftlich betrachtet stellt dieser Trend eine wichtige Säule für die alpine Landwirtschaft dar, da die Gastronomiebetriebe vor Ort als Schaufenster für heimische Erzeugnisse dienen. Die Österreichischen Wanderdörfer, ein Zusammenschluss von über 40 Regionen, forcieren diese Entwicklung seit der Gründung der Spezialplattform im Jahr 2022. Ziel ist es, die emotionale Bindung des Gastes an die Region durch geschmackliche Erlebnisse zu festigen. Damit reagiert der Tourismussektor auf ein verändertes Nutzerverhalten, bei dem die Qualität der Einkehr mittlerweile ein ebenso wichtiges Entscheidungskriterium für die Wahl des Urlaubsziels darstellt wie die Beschaffenheit der Wanderwege selbst.