Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben mit einer feierlichen Premierenfahrt von Wien nach Wiener Neustadt die neueste Generation ihrer Nahverkehrsflotte vorgestellt. Bei dem neuen Fahrzeugtyp handelt es sich um den Cityjet Doppelstock vom Hersteller Stadler Rail, der speziell für die hohen Anforderungen in Wien und Niederösterreich konzipiert wurde.
Bis Ende des Jahres 2026 sollen insgesamt 45 dieser modernen Züge in Betrieb genommen werden. Der reguläre Fahrgasteinsatz startet bereits Ende Juni auf der Strecke zwischen Wien und Payerbach/Reichenau, womit eine spürbare Entlastung auf der hochfrequentierten Südbahn-Strecke angestrebt wird.
Der Einsatz der neuen Flotte ist Teil einer großangelegten Modernisierungsstrategie für den Schienenverkehr im Osten Österreichs. Die vierteiligen Einheiten bieten eine Kapazität von rund 371 Sitzplätzen, während die sechsteiligen Varianten etwa 591 Passagiere befördern können. Durch den Einsatz in Doppeltraktion entstehen bis zu 210 Meter lange Züge, die eine Steigerung der Sitzplatzkapazitäten um bis zu 25 Prozent im Vergleich zu älteren Modellen ermöglichen. Um diese Zuglängen voll auszuschöpfen, wird im Rahmen des „S-Bahn Wien Upgrades“ die Infrastruktur angepasst, indem Bahnsteige auf der Wiener Stammstrecke und den Anschlussstrecken in Niederösterreich auf 220 Meter verlängert werden.
Technisch setzt der neue Doppelstockzug auf bewährte Standards kombiniert mit zukunftssicheren Systemen. Die Züge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und sind bereits für das europäische Zugsicherungssystem ETCS Level 2 ausgerüstet. Für die Fahrgäste bedeutet die neue Generation eine deutliche Aufwertung der Ausstattung: Neben einer Klimaautomatik und kostenlosem WLAN verfügt jede Sitzplatzreihe über Steckdosen und USB-Anschlüsse. Barrierefreie Einstiege in Niederflurbauweise sowie großzügige Mehrzweckbereiche für Fahrräder und Kinderwagen sollen den Fahrgastwechsel beschleunigen und den Komfort erhöhen.
Langfristig planen die ÖBB und der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) eine Ausweitung des Einsatzgebietes über die Nord-Süd-Achse hinaus. Nach Abschluss der Elektrifizierung der Mattersburger Bahn sollen die Züge auch das Burgenland direkt an Wiener Neustadt und Wien anbinden. Ein geplantes Konzept zur Flügelung der Züge in Wiener Neustadt wird künftig zusätzliche Direktverbindungen ermöglichen. Mit einer Gesamtinvestition in über 100 Einheiten dieses Typs festigen die ÖBB die Schiene als Rückgrat des Pendlerverkehrs in einer Region, die bereits zwei Drittel der gesamten österreichischen Nahverkehrsleistung erbringt.