Flaggen der EU und von Italien (Foto: Jan Gruber).
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Arbeitskampf im italienischen Luftraum: Massive Einschränkungen für den Reiseverkehr ab Montag erwartet

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Der Flugverkehr in und nach Italien steht vor einem turbulenten Wochenauftakt. Am kommenden Montag müssen Reisende mit erheblichen Behinderungen rechnen, da koordinierte Streikmaßnahmen sowohl die nationale Flugsicherung als auch mehrere Fluggesellschaften treffen werden. Laut offiziellen Mitteilungen des italienischen Verkehrsministeriums ist in der Kernzeit zwischen 10:00 Uhr und 18:00 Uhr mit den schwersten Störungen zu rechnen.

Besonders betroffen sind die nationale Fluggesellschaft ITA Airways, die bereits die Streichung von fast 40 Prozent ihres Flugplans angekündigt hat, sowie der britische Billigflieger Easyjet. Die Arbeitsniederlegungen erstrecken sich zudem auf lokales Bodenpersonal an verschiedenen Verkehrsflughäfen des Landes, was die Abwicklung des verbleibenden Flugverkehrs zusätzlich erschweren dürfte. Passagiere auf internationalen Verbindungen, darunter auch wichtige Strecken zwischen Deutschland und Italien, müssen sich auf Annullierungen und lange Wartezeiten einstellen.

Koordinierte Streikwellen belasten die Infrastruktur

Der Schwerpunkt des Arbeitskampfes liegt bei der italienischen Flugsicherung ENAV. Wenn die Fluglotsen ihre Arbeit niederlegen, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Kapazität des gesamten italienischen Luftraums. Nicht nur Starts und Landungen an italienischen Flughäfen sind dann betroffen, sondern auch Überflüge, die das Land auf dem Weg zu anderen Zielen im Mittelmeerraum kreuzen müssen. Parallel dazu haben Gewerkschaften des Kabinenpersonals von Easyjet zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Diese Kombination aus personellen Engpässen in der Luftraumüberwachung und dem Flugbetrieb der Airlines führt dazu, dass die üblichen Pufferzeiten im Flugplan nicht ausreichen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

An den Flughäfen in Rom-Fiumicino, Mailand-Malpensa und Venedig werden zudem zeitlich begrenzte Aktionen des Bodenpersonals erwartet. Diese betreffen vor allem die Gepäckabfertigung und die Flugzeugabfertigung am Gate. Da diese lokalen Streiks oft versetzt zu den landesweiten Aktionen stattfinden, könnte sich die Normalisierung des Flugbetriebs bis weit in die Nachtstunden oder sogar auf den Dienstagmorgen hinziehen. Die Gewerkschaften fordern unter anderem bessere Arbeitsbedingungen und Anpassungen der Gehälter an die gestiegenen Lebenshaltungskosten, was in Italien in den letzten Monaten bereits mehrfach zu ähnlichen Protestaktionen geführt hat.

Auswirkungen auf ITA Airways und deutsche Verbindungen

Die staatliche Nachfolgegesellschaft der Alitalia, ITA Airways, hat bereits proaktiv reagiert und rund 38 Prozent ihrer für Montag geplanten Flüge gestrichen. Das Unternehmen teilte mit, dass man versuche, so viele Passagiere wie möglich auf alternative Verbindungen umzubuchen. Dennoch lässt sich die Streichung von über einem Drittel des Angebots nicht ohne massive Unannehmlichkeiten für die Kunden auffangen. Unter den betroffenen Verbindungen befinden sich zahlreiche Inlandsflüge, die für die Anbindung des Südens und der Inseln Sizilien und Sardinien essenziell sind, aber auch prestigeträchtige Auslandsverbindungen.

In Deutschland ist insbesondere der Flughafen Frankfurt betroffen. Die Verbindung zwischen der deutschen Finanzmetropole und der italienischen Hauptstadt Rom steht am Montag auf der Liste der gestrichenen Flüge. Auch an anderen deutschen Drehkreuzen wie München oder Berlin könnte es bei Flügen von ITA oder Easyjet zu Verzögerungen kommen. Die Fluggesellschaften raten ihren Kunden dringend, den Status ihrer Buchung bereits vor der Abfahrt zum Flughafen online zu prüfen. In der Regel werden betroffene Passagiere per SMS oder E-Mail informiert, sofern die Kontaktdaten bei der Buchung korrekt hinterlegt wurden.

Easyjet und die Herausforderungen für Billigflieger

Für die Fluggesellschaft Easyjet kommt der Streik zur Unzeit. Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte in Rom, dass man sich bemühe, die Auswirkungen für die Passagiere so gering wie möglich zu halten. Dennoch mussten bereits im Vorfeld zahlreiche Flüge mit Italien-Bezug annulliert werden. Easyjet betreibt in Italien mehrere Basen und ist einer der wichtigsten Anbieter für den touristischen Verkehr sowie für Geschäftsreisende zwischen Italien und dem restlichen Europa. Im Gegensatz zu Netzwerk-Airlines wie der Lufthansa-Tochter ITA verfügen Billigflieger oft über geringere Reserven bei Flugzeugbesatzungen, um kurzfristige Ausfälle durch Streiks am Boden oder in der Flugsicherung zu kompensieren.

Die Sprecherin erklärte weiter, dass man sich bei den betroffenen Kunden für die Unannehmlichkeiten entschuldige. Da die Streiks der Flugsicherung als außergewöhnlicher Umstand gewertet werden, stehen den Passagieren in vielen Fällen keine pauschalen Entschädigungszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung zu, wohl aber Unterstützungsleistungen wie Verpflegung oder die Unterbringung in Hotels, falls sich die Weiterreise auf den nächsten Tag verschiebt. Rechtsexperten raten jedoch dazu, jede Störung genau zu dokumentieren, da die Rechtslage bei kombinierten Streiks von Flugsicherung und eigenem Personal komplex sein kann.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Passagierrechte in Italien

In Italien unterliegen Streiks im Transportwesen strengen gesetzlichen Regelungen. Es gibt vorgeschriebene Zeitfenster, die sogenannten Fasce di Garanzia, in denen der Betrieb zumindest teilweise aufrechterhalten werden muss, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Diese liegen üblicherweise zwischen 7:00 und 10:00 Uhr sowie zwischen 18:00 und 21:00 Uhr. Die angekündigten Streikzeiten am Montag fallen jedoch exakt in die dazwischenliegende Zeitspanne, was die maximale Störung des Berufs- und Reiseverkehrs zur Folge hat.

Passagiere haben laut EU-Recht bei einer Annullierung die Wahl zwischen der vollständigen Erstattung des Ticketpreises oder einer frühestmöglichen Ersatzbeförderung. Viele Fluggesellschaften bieten zudem kostenlose Umbuchungen auf Termine vor oder nach dem Streiktag an, um die Lastspitzen am Montag zu entzerren. Reisende sollten beachten, dass bei einem Streik der Flugsicherung die Airline selbst zwar nicht verantwortlich ist, sie aber dennoch zur Betreuung der gestrandeten Fluggäste verpflichtet bleibt. Dies gilt insbesondere dann, wenn Reisende bereits am Flughafen sind und ihre Reise nicht fortsetzen können.

Wirtschaftliche Folgen für den Tourismusstandort

Italien ist als eines der am stärksten vom Tourismus abhängigen Länder in Europa besonders empfindlich gegenüber Störungen in der Luftfahrtinfrastruktur. Die wiederkehrenden Streiks bei der ENAV und verschiedenen Bodenverkehrsdiensten sorgen in der Branche für Besorgnis. Jeder Tag, an dem hunderte Flüge ausfallen, bedeutet nicht nur einen Einnahmeverlust für die Fluggesellschaften, sondern auch für Hotels, Gastronomie und Dienstleister in den Zielregionen.

Die Regierung in Rom steht unter Druck, zwischen den Forderungen der Gewerkschaften und der Notwendigkeit eines stabilen Verkehrsnetzes zu vermitteln. Verkehrsminister Matteo Salvini hat in der Vergangenheit bereits mehrfach von seinem Recht Gebrauch gemacht, Streiks durch offizielle Anordnungen (Precettazione) zu verkürzen oder zu verschieben, falls eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder der Sicherheit befürchtet wird. Für den kommenden Montag gibt es bisher jedoch keine Anzeichen für ein solches Eingreifen, sodass die angekündigten Ausfälle als sicher gelten. Die betroffenen Flughäfen bereiten sich auf überfüllte Terminals und einen erhöhten Informationsbedarf der Fluggäste vor.

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