Airbus A220 HB-JCU (Davos) (Foto: Swiss).
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Swiss: Gezielter Stellenabbau in der Verwaltung zur Kostensicherung

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Die Fluggesellschaft Swiss International Air Lines verschärft ihre wirtschaftliche Ausrichtung und weitet ihre Sparprogramme nun signifikant auf den administrativen Bereich aus. Wie Konzernchef Jens Fehlinger in einem aktuellen Interview darlegte, verfolgt die Tochtergesellschaft der Lufthansa das Ziel, rund zehn Prozent der Stellen im Bodenpersonal abzubauen. Dieser Schritt folgt auf bereits umgesetzte Maßnahmen beim Kabinenpersonal und ist Teil einer umfassenden Strategie zur Senkung der strukturellen Kostenbasis um insgesamt zehn Prozent.

Im Gegensatz zu klassischen Restrukturierungen setzt die Führung der Swiss dabei konsequent auf Freiwilligkeit und finanzielle Anreize, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Kostendruck in der zivilen Luftfahrt ist massiv gestiegen, getrieben durch teurere Wartungsintervalle, steigende Personalausgaben und externe Abgaben. Obwohl die Fluggesellschaft derzeit profitabel agiert, sieht Fehlinger die Notwendigkeit zur Effizienzsteigerung, um im internationalen Wettbewerb nicht den Anschluss an profitablere Konkurrenten zu verlieren und die notwendigen Mittel für künftiges Wachstum zu generieren.

Effizienzsteigerung in der Administration und neue Anreizsysteme

Der geplante Abbau in der Verwaltung betrifft eine Belegschaft am Boden, die Ende des vergangenen Jahres über 3.400 Mitarbeitende umfasste. Das Ziel von zehn Prozent entspräche somit etwa 340 Stellen, die mittelfristig nicht mehr besetzt werden sollen. Jens Fehlinger betonte hierbei, dass die Swiss im Vergleich zum Mutterkonzern Lufthansa, der in der Administration Einsparungen von bis zu 20 Prozent anstrebt, ein moderateres Maß gewählt habe. Die zehn Prozent seien ein gesundes Verhältnis, um die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu wahren, während gleichzeitig die Overhead-Kosten reduziert werden. Um dieses Ziel ohne Entlassungen zu erreichen, hat die Swiss ein System von finanziellen Anreizen entwickelt. Mitarbeitende, die sich für unbezahlten Urlaub entscheiden oder ihre Arbeitszeit reduzieren, erhalten eine Kompensation in Höhe von 20 Prozent des dadurch eingesparten Basissalärs.

Dieses Vorgehen spiegelt den aktuellen Trend in der Luftfahrtindustrie wider, Flexibilität durch freiwillige Verzichte statt durch harte Personalmaßnahmen zu erreichen. Die strukturellen Kosten, die Fehlinger als Hauptgrund für die Maßnahmen anführt, sind nicht nur zyklischer Natur. Insbesondere die Aufwendungen für die technische Instandhaltung der Flotte sowie die allgemeinen Betriebskosten am Standort Schweiz haben ein Niveau erreicht, das die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Günstiganbietern und staatlich gestützten Airlines aus dem Nahen Osten unter Druck setzt. Die Swiss muss ihre Kostenstruktur stabilisieren, nur um das aktuelle Niveau zu halten, ohne dass dadurch bereits zusätzliche Gewinne generiert würden.

Erfolgreicher Abschluss der Maßnahmen beim Kabinenpersonal

Vor der Ausweitung auf das Bodenpersonal hatte die Swiss bereits ähnliche Programme für die rund 4.000 Mitarbeitenden des Kabinenpersonals am Standort Zürich durchgeführt. Dort wurde eine Abgangsprämie in Höhe von 15.000 Schweizer Franken für jene ausgelobt, die das Unternehmen bis Ende April freiwillig verließen. Laut Fehlinger war diese Aktion erfolgreich: Rund 140 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter haben das Angebot angenommen und die Swiss verlassen. Damit konnte der nach der Pandemie entstandene Überbestand in bestimmten Bereichen der Kabine ohne soziale Härten abgebaut werden. Das Erreichen dieser Ziele im Flugdienst dient nun als Blaupause für die Verwaltung, wobei die Anreize am Boden eher auf Arbeitszeitmodelle als auf einmalige Abfindungen fokussiert sind.

Die personelle Situation bei der Swiss ist dennoch von einem Paradoxon geprägt. Während in der Administration und im Kabinenpersonal Stellen abgebaut werden, herrscht in anderen Bereichen wie dem Flugdeck oder bei hochspezialisierten Technikern weiterhin Bedarf. Die Lufthansa-Gruppe hatte zwar im April einen generellen Einstellungsstopp für viele Bereiche verkündet, doch operatives Personal wird weiterhin benötigt, um den Flugplan abzusichern. Der Fokus der aktuellen Maßnahmen liegt daher präzise auf den indirekten Funktionen, die den Flugbetrieb unterstützen, aber nicht unmittelbar am Flugzeug tätig sind.

Wettbewerbsdruck und Wachstumsambitionen der Lufthansa-Tochter

Ein zentraler Aspekt der Strategie von Jens Fehlinger ist die Positionierung der Swiss innerhalb der Lufthansa-Gruppe und im globalen Markt. Trotz solider Gewinne warnte der CEO davor, sich auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. Einige Wettbewerber hätten die Swiss bei der Profitabilität überholt. In der Luftfahrtbranche ist die operative Marge die wichtigste Kennzahl für die Fähigkeit, in neue, effizientere Flugzeuggenerationen zu investieren. Wenn die Kosten schneller steigen als die Erträge aus dem Ticketverkauf, schrumpft der Spielraum für Erneuerungen. Fehlinger machte deutlich, dass die Nachfrage nach Flugreisen ungebrochen sei, die Swiss jedoch effizienter werden müsse, um von diesem Wachstum zu profitieren. Andernfalls würden Konkurrenten die Marktanteile übernehmen, die die Swiss aufgrund einer zu hohen Kostenbasis nicht bedienen könne.

Die strukturellen Mehrkosten ergeben sich auch aus einer veränderten Marktlandschaft. Die Wartung von Triebwerken der neuesten Generation ist komplexer und teurer als bei älteren Modellen, und die weltweiten Lieferkettenprobleme führen zu höheren Lagerkosten für Ersatzteile. Hinzu kommen gestiegene Lohnforderungen, die infolge der Inflation auch in der Schweiz lauter wurden. Die Swiss versucht hier, einen schmalen Grat zwischen attraktiven Arbeitsbedingungen und wirtschaftlicher Notwendigkeit zu wandern. Das Versprechen, auf Entlassungen zu verzichten, ist in diesem Zusammenhang als Signal an die Sozialpartner und die Belegschaft zu verstehen, den Weg der Transformation gemeinsam und ohne existenzielle Ängste zu gehen.

Langfristige Strategie und Ausblick

Die Maßnahmen bei der Swiss sind eingebettet in das Konzernprogramm der Lufthansa, das auf eine gruppenweite Effizienzsteigerung abzielt. Während die Muttergesellschaft in Frankfurt mit massiven bürokratischen Hürden kämpft, gilt die Swiss oft als das profitabelste Mitglied der Gruppe. Diese Rolle soll durch den jetzigen Kapazitätsabbau in der Verwaltung zementiert werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die angebotenen Anreize ausreichen, um die angestrebte Quote von zehn Prozent zu erreichen. Sollte die Fluktuation und die Bereitschaft zu unbezahltem Urlaub nicht ausreichen, müsste die Führung eventuell über weitergehende Modelle nachdenken, wobei Fehlinger Entlassungen derzeit kategorisch ausschließt.

Das Ziel bleibt ein schlankes Unternehmen, das in der Lage ist, flexibel auf Marktschwankungen zu reagieren. Die Luftfahrt bleibt eine Branche mit hoher Volatilität, in der Kosteneffizienz über das Überleben in Krisenzeiten entscheidet. Mit der Fokussierung auf die Administration setzt die Swiss dort an, wo Prozesse durch Digitalisierung und Automatisierung optimiert werden können, ohne die Servicequalität am Gast direkt zu beeinträchtigen. Die Weiterentwicklung der Fluggesellschaft steht unter dem Vorzeichen einer Konsolidierung, die den Weg für das nächste Jahrzehnt des Wachstums ebnen soll.

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