Die International Airlines Group (IAG), Mutterkonzern von Fluggesellschaften wie British Airways und Iberia, hat ihren Jahresausblick für 2026 korrigiert. Trotz eines profitablen ersten Quartals rechnet das Unternehmen nun mit einem geringeren Gesamtgewinn als ursprünglich projektiert.
Als maßgebliche Belastungsfaktoren identifiziert das Management die drastisch gestiegenen Kerosinpreise sowie logistische Versorgungsengpässe, die unmittelbar auf den bewaffneten Konflikt im Iran zurückzuführen sind. Konzernchef Luis Gallego bezifferte die erwarteten Mehrkosten für Treibstoff auf rund zwei Milliarden Euro, was die Gesamtausgaben in diesem Bereich auf etwa neun Milliarden Euro ansteigen lässt.
Die geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten zwingen den britisch-spanischen Konzern zudem zu operativen Anpassungen bei der Kapazitätsplanung. Das ursprünglich angestrebte Wachstum von drei Prozent wird nach aktueller Einschätzung nicht erreicht werden können; für das laufende zweite Quartal ist lediglich ein Ausbau von einem Prozent vorgesehen. Auch der freie Cashflow wird das Ziel von drei Milliarden Euro voraussichtlich verfehlen. Marktanalysen zeigen, dass IAG zwar durch Hedging-Geschäfte rund 70 Prozent des Treibstoffbedarfs preislich abgesichert hat, die verbleibende Volatilität jedoch die Margen im wettbewerbsintensiven transatlantischen Geschäft massiv unter Druck setzt.
Im Gegensatz zum gedämpften Ausblick präsentierte der Konzern für das erste Quartal 2026 noch solide Zahlen. Mit 26,4 Millionen beförderten Passagieren und einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 7,2 Milliarden Euro profitierte die Gruppe von der stabilen Nachfrage im Frühjahr, bevor die Auswirkungen der Kerosinpreissprünge vollends durchschlugen. Der Quartalsüberschuss stieg im Vorjahresvergleich um 70 Prozent auf 301 Millionen Euro. An den Finanzmärkten sorgte die Gewinnwarnung dennoch für Unruhe: Die IAG-Aktie verzeichnete an der Londoner Börse Kursverluste von zeitweise vier Prozent, da Investoren eine länger anhaltende Belastung durch die instabile Lage in der Golfregion befürchten.
Um den wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, setzt IAG auf ein striktes Kostenmanagement und eine aktive Steuerung der Erträge. Der Konzern greift dabei auf strategische Treibstoffvorräte zurück, in die bereits in den vergangenen Jahren investiert wurde, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Während Analysten von J.P. Morgan die grundsätzliche Widerstandsfähigkeit des Konzerns betonen, bleibt die Unsicherheit im Luftverkehrssektor hoch. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, wie lange die Sperrungen von Lufträumen und die Beeinträchtigungen der Infrastruktur infolge des Iran-Krieges andauern und in welchem Maße die Fluggesellschaften die gestiegenen Betriebskosten an die Passagiere weitergeben können.