Die Eisenbahnunternehmen Eurostar, die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die französische Staatsbahn SNCF Voyageurs haben eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, um die Einführung direkter Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen London und mehreren Schweizer Städten zu prüfen.
Diese Kooperation folgt auf ein im März 2026 geschlossenes Abkommen zwischen der SBB und SNCF zur Stärkung des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs. Ziel der Partner ist es, den Luftverkehr auf dieser stark frequentierten Route durch eine leistungsfähige Schienenalternative zu ergänzen. Aktuell gilt London als das am häufigsten angeflogene Ziel von Schweizer Flughäfen aus, was laut Markteinschätzung der beteiligten Bahnen auf ein erhebliches Potenzial für den Schienenverkehr hindeutet.
Die technischen Planungen sehen ambitionierte Reisezeiten vor: Basel soll von London aus in rund fünf Stunden erreichbar sein, Genf in etwa fünfeinhalb Stunden und die Wirtschaftsmetropole Zürich in sechs Stunden. Das Projekt stützt sich auf die jahrzehntelange Erfahrung der Partner im internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr. Während Eurostar die Expertise für den Betrieb durch den Kanaltunnel einbringt, verfügen SBB und SNCF über eine etablierte Zusammenarbeit im Verkehr zwischen Frankreich und der Schweiz. Die Initiative wird zudem durch eine Absichtserklärung der Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Schweiz aus dem Jahr 2025 flankiert, die darauf abzielt, die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für solche Direktverbindungen zu erleichtern.
Trotz der strategischen Einigkeit stehen der Umsetzung erhebliche operative und infrastrukturelle Hindernisse im Weg. Die nächste Phase der Untersuchung befasst sich mit der Analyse von Fahrplänen sowie der Sicherung von Trassenrechten auf dem französischen Schienennetz und im Kanaltunnel. Ein kritischer Punkt sind die erforderlichen Grenzkontrollen, die aufgrund des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU und der Nicht-Zugehörigkeit der Schweiz zum EU-Zollgebiet komplexe logistische Lösungen an den Bahnhöfen erfordern. Zudem müssen die Verfügbarkeit von spezialisierten Mehrsystemzügen geklärt und internationale Abkommen zur technischen Interoperabilität finalisiert werden.
Aufgrund dieser komplexen Anforderungen dämpfen die Betreiber die Erwartungen an eine zeitnahe Realisierung. Eine Aufnahme des regulären Betriebs wird vor Beginn der 2030er-Jahre als unwahrscheinlich eingestuft. Neben den bahnbetrieblichen Fragen müssen auch Kapazitätsengpässe an den Zielbahnhöfen in der Schweiz und im Londoner Bahnhof St Pancras International gelöst werden, um die zusätzlichen Passagierströme abwickeln zu können. Dennoch werten Marktbeobachter die Vereinbarung als deutliches Signal für die weitere Konsolidierung des europäischen Fernverkehrsmarktes, bei der nationale Bahngesellschaften verstärkt auf länderübergreifende Allianzen setzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Luftverkehr zu stärken.