A220-300-Heckflosse in Werkslackierung (Foto: Jan Gruber).
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Addis Abeba: Ethiopian Airlines prüft Großauftrag bei Airbus

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Die führende afrikanische Fluggesellschaft Ethiopian Airlines steht offenbar kurz vor einer bedeutenden Erweiterung ihrer Flotte. Nach vorliegenden Berichten befindet sich das Unternehmen in frühen Gesprächen mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus über den Kauf von insgesamt 26 neuen Maschinen.

Das potenzielle Geschäft umfasst zwanzig Einheiten der A220-Serie sowie sechs zusätzliche Langstreckenflugzeuge vom Typ A350. Für Ethiopian Airlines, deren Flotte traditionell stark von Modellen des US-Konkurrenten Boeing geprägt ist, würde dieser Schritt eine signifikante Diversifizierung ihrer operativen Kapazitäten bedeuten. Die Gespräche fallen in eine Phase aggressiver Expansion, in der die Airline ihre Marktführerschaft auf dem afrikanischen Kontinent festigen und gleichzeitig ihr globales Netzwerk im Rahmen der Strategie Vision 2035 massiv ausbauen will. Während offizielle Bestätigungen beider Parteien noch ausstehen, unterstreichen die Pläne das Bestreben der Airline, technologisch modernstes Gerät für unterschiedliche Anforderungsprofile einzusetzen.

Modernisierung der Regionalflotte durch die A220-Serie

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Überlegungen ist die Erneuerung und Ergänzung der Regional- und Kurzstreckenflotte. Seit geraumer Zeit evaluiert Ethiopian Airlines Optionen, um die alternden Turboprop-Maschinen des Typs De Havilland DHC-8-Q400 zu ergänzen oder teilweise zu ersetzen. In diesem Segment steht die Airbus A220 in direkter Konkurrenz zur Embraer E2-Familie und der Boeing 737-7. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den geografischen Gegebenheiten des Heimatdrehkreuzes Addis Abeba. Der Flughafen Bole International liegt auf einer Höhe von über 2.300 Metern, was in Kombination mit hohen Temperaturen besondere Anforderungen an die Triebwerksleistung und die Aerodynamik stellt (Hot-and-High-Bedingungen).

Nach Angaben von Konzernchef Mesfin Tasew wird die Anschaffung sowohl der kleineren Variante A220-100 als auch der größeren A220-300 in Betracht gezogen. Die A220-100 gilt aufgrund ihrer Leistungsreserven als ideal für Starts von hochgelegenen Flugplätzen unter voller Nutzlast, während die A220-300 durch ihre höhere Sitzplatzkapazität vor allem auf nachfragestarken Inlandsrouten wirtschaftliche Vorteile bietet. Ein wahrscheinliches Szenario für den Auftrag sieht eine Aufteilung in zehn Festbestellungen und zehn Optionen vor. Mit der A220 könnte Ethiopian Airlines Strecken bedienen, für die eine Boeing 737 zu groß, ein Turboprop-Flugzeug jedoch in Reichweite oder Komfort nicht ausreichend wäre.

Ausbau der Langstreckenkapazitäten mit der A350

Parallel zu den Regionalplänen plant Ethiopian Airlines eine weitere Stärkung ihrer Widebody-Flotte. Die geplanten sechs zusätzlichen Airbus A350 würden eine bereits beachtliche Präsenz dieses Typs in der Flotte ergänzen. Aktuell betreibt die Airline bereits 22 Maschinen der Variante A350-900 sowie vier Exemplare der größeren A350-1000. Letztere wurde erst kürzlich als Kapazitäts-Flaggschiff für besonders dichte Routen eingeführt. Im Auftragsbuch der Airline standen bereits vor den neuen Gesprächen 17 weitere A350-900 zur Auslieferung an.

Die Entscheidung für zusätzliche A350 unterstreicht die Zufriedenheit der Airline mit der operativen Performance dieses Typs auf Interkontinentalstrecken nach Europa, Asien und Amerika. Durch die hohe Kommunalität innerhalb der Airbus-Familie profitieren Fluggesellschaften von Synergieeffekten bei der Wartung und dem Training der Besatzungen. Trotz dieser Tendenz zu Airbus bleibt die Fluggesellschaft ein wichtiger Partner für Boeing; erst im April 2026 bestätigte Ethiopian die Festschreibung von sechs Optionen für die Boeing 787-9 Dreamliner und unterzeichnete Anfang des Jahres Aufträge für neun weitere Maschinen dieses Typs für die Jahre 2031 bis 2033.

Wachstumsziele und Infrastrukturentwicklung bis 2035

Die Flottenexpansion ist untrennbar mit dem ehrgeizigen Strategieplan Vision 2035 verknüpft. Das Ziel von Ethiopian Airlines ist es, bis Mitte des nächsten Jahrzehnts zu den 20 führenden Luftfahrtgruppen der Welt zu gehören. Die Planung sieht vor, die Anzahl der Destinationen auf über 200 zu steigern und jährlich mehr als 37 Millionen Passagiere zu befördern. Um dieses Volumen bewältigen zu können, investiert das Unternehmen nicht nur in Flugzeuge, sondern auch in die Infrastruktur. Der Bau eines neuen Großflughafens in der Nähe von Addis Abeba soll langfristig die Kapazitätsgrenzen des derzeitigen Bole International Airports sprengen.

Die Verhandlungen mit Airbus sind zudem ein strategisches Signal an den Markt. Indem die Airline ihre Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller verringert, erhöht sie ihre Verhandlungsposition und sichert sich gegen Lieferverzögerungen ab, wie sie die Branche zuletzt vermehrt erlebte. Sollte der Auftrag über die A220 finalisiert werden, würde Ethiopian Airlines zu einem der wenigen Betreiber dieses Typs auf dem afrikanischen Kontinent aufsteigen und damit eine Vorreiterrolle bei der Modernisierung des innerafrikanischen Flugverkehrs einnehmen. Experten gehen davon aus, dass eine formelle Ankündigung bei einer der kommenden großen Luftfahrtmessen erfolgen könnte, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabil bleiben.

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