Lufthansa Technik in Düsseldorf (Foto: Robert Spohr).
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Lufthansa Technik erhält weitreichende Zertifizierungsrechte durch die EASA

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Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat Lufthansa Technik das sogenannte „Certain STC Privilege“ verliehen. Diese Autorisierung stellt einen bedeutenden Fortschritt in der regulatorischen Zusammenarbeit dar, da sie es dem Hamburger Instandhaltungsbetrieb erlaubt, umfangreiche technische Änderungen („major changes“) an Flugzeugen eigenständig zu genehmigen.

Bisher musste für jede ergänzende Musterzulassung, das sogenannte Supplemental Type Certificate (STC), ein individueller Prüfprozess durch die Behörde durchlaufen werden. Die neue Regelung greift für bewährte und wiederkehrende Konstruktionslösungen, bei denen das Unternehmen eine kontinuierliche Konformität und zertifizierte Qualität nachgewiesen hat. Damit entfallen bei Routineprojekten langwierige externe Genehmigungsfristen, was die operative Flexibilität des Unternehmens deutlich erhöht.

Der Geltungsbereich dieser neuen Befugnis konzentriert sich zunächst auf Kabinenumbauten für die weit verbreitete Airbus A320ceo-Familie. Lufthansa Technik kann nun eigenständig über Neukonfigurationen der Sitzreihen, die Verlegung von Bordküchen und Waschräumen sowie die Neupositionierung von Klassenteilern entscheiden. Durch die Reduzierung der bürokratischen Hürden und der Anzahl der am Prozess beteiligten Parteien lassen sich Stillstandszeiten in den Werften minimieren. Das Unternehmen rechnet durch diese Prozessoptimierung mit einer Senkung der Zertifizierungskosten um bis zu 20 Prozent. Dies ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in der MRO-Branche (Maintenance, Repair and Overhaul), in der kurze Liegezeiten und Kosteneffizienz über die Auftragsvergabe entscheiden.

Der Entwicklungsbetrieb von Lufthansa Technik, der bereits seit 1973 zertifiziert ist und heute fast 700 Ingenieure an weltweit zwölf Standorten beschäftigt, festigt mit diesem Meilenstein seine Position als führende Design Organisation. Die EASA betont, dass die Vergabe dieses Privilegs auf einer langjährigen Phase vertrauensvoller Zusammenarbeit basiert und das Vertrauen in die internen Compliance-Strukturen des Konzerns unterstreicht. Während Erstzulassungen von Flugzeugen weiterhin den Herstellern vorbehalten bleiben, ermöglicht das „Certain STC Privilege“ dem Entwicklungsbetrieb, Modifikationen an der bestehenden Flotte von über 5.100 betreuten Flugzeugen wesentlich schneller in den Markt einzuführen.

In der Luftfahrtindustrie wird dieser Schritt als Signal für eine zunehmende Deregulierung bei gleichzeitig hoher Sicherheitsrelevanz gewertet. Durch die Unterscheidung zwischen Standardprojekten, die Lufthansa Technik nun in Eigenregie zertifiziert, und komplexen Neuentwicklungen, die weiterhin eine direkte Einbindung der EASA erfordern, können die Ressourcen der Luftfahrtbehörde gezielter eingesetzt werden. Für Fluggesellschaften bedeutet dies eine höhere Planungssicherheit bei Flottenmodernisierungen. Lufthansa Technik plant bereits, das Verfahren auf weitere Flugzeugtypen und technische Komponenten auszuweiten, um die Effizienzsteigerungen im gesamten Dienstleistungsportfolio nutzbar zu machen.

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