Flughafen Bratislava (Foto: Robert Spohr).
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Bratislava gewinnt Marktanteile gegenüber dem Hochpreisstandort Wien

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Die Verschiebung der Kräfteverhältnisse im mitteleuropäischen Luftverkehr nimmt an Dynamik zu. Während der Flughafen Bratislava durch einen massiven Ausbau des Ryanair-Angebots Rekordwachstumsraten von 148 Prozent im ersten Quartal verzeichnet, sieht sich der Tourismusstandort Wien mit zunehmenden strukturellen Herausforderungen konfrontiert.

Der Fachverband der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich warnt eindringlich davor, dass die steigende Abgabenlast in Österreich – insbesondere die Flugabgabe und die geplante Erhöhung der Ortstaxe – die Wettbewerbsfähigkeit der Bundeshauptstadt gefährdet. In unmittelbarer geografischer Nähe zueinander gelegen, entwickeln sich die beiden Standorte Bratislava und Wien zu einem Paradebeispiel für den harten Preiswettbewerb in der Luftfahrtindustrie. Experten befürchten, dass die künstliche Verteuerung des Standorts Österreich nicht nur Airlines und Flughäfen trifft, sondern weitreichende negative Folgen für die gesamte touristische Wertschöpfungskette von der Hotellerie bis zu regionalen Zulieferbetrieben nach sich zieht.

Expansion der Low-Cost-Carrier im Nachbarland

Die Entscheidung der irischen Fluggesellschaft Ryanair, ihr Engagement am Flughafen Bratislava massiv auszuweiten, ist ein strategisches Signal an die gesamte Branche. Bratislava profitiert dabei von einer Kostenstruktur, die deutlich unter jener des Flughafens Wien-Schwechat liegt. Ryanair fordert bereits seit geraumer Zeit die Abschaffung der österreichischen Flugabgabe, die derzeit mit 12 Euro pro Ticket zu Buche schlägt. Da diese Abgabe unabhängig von der Streckenlänge oder dem Ticketpreis erhoben wird, trifft sie das Geschäftsmodell der Billigflieger besonders hart. In Bratislava hingegen finden die Carrier Rahmenbedingungen vor, die eine aggressive Preispolitik ermöglichen.

Gregor Kadanka, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros, sieht in der Entwicklung ein deutliches Warnsignal. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während Bratislava im ersten Quartal 2026 ein Passagierplus von 148 Prozent verbuchen konnte, wird für Wien ein Rückgang der Fluggastzahlen prognostiziert. Angesichts einer Entfernung von nur rund 50 Kilometern Luftlinie zwischen den beiden Flughäfen fungiert Bratislava zunehmend als kostengünstiges Einfallstor für Touristen, die eigentlich die Region Wien besuchen möchten, aber ihre Reiseentscheidung primär am Flugpreis ausrichten.

Steuerdruck als Standortrisiko für die Hotellerie

Neben den Kosten für den Flugverkehr sorgt die geplante Erhöhung der Ortstaxe in Wien für erhebliche Unruhe in der Branche. Ab dem 1. Juli 2026 soll diese Abgabe von derzeit 3,2 Prozent auf 5 Prozent angehoben werden. Eine weitere Steigerung auf 8 Prozent ist bereits für den 1. Juli 2027 festgeschrieben. Damit würde sich die Belastung innerhalb kurzer Zeit nahezu verdreifachen. Für Wien, das sich als weltweit führende Kongressdestination etabliert hat, stellt dies ein ernsthaftes Risiko dar. Veranstalter von Großereignissen kalkulieren mit knappen Budgets, wobei jede prozentuale Erhöhung der Nebenkosten die Entscheidung für oder gegen einen Standort beeinflussen kann.

Der Fachverband kritisiert in diesem Zusammenhang, dass der Tourismus zunehmend als Instrument zur Sanierung öffentlicher Haushalte missbraucht werde. Höhere Abgaben führten nicht zwangsläufig zu höheren Staatseinnahmen, wenn im Gegenzug die Auslastung der Betriebe sinke. Betroffen seien hierbei nicht nur große Hotelketten, sondern vor allem die mittelständische Struktur der österreichischen Familienbetriebe. Diese könnten die steigenden Fixkosten oft nicht in vollem Umfang an die Gäste weitergeben, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Betrieben im benachbarten Ausland zu verlieren.

Die touristische Wertschöpfungskette unter Druck

Die Auswirkungen der Standortpolitik reichen weit über die Flugsteige und Hotelrezeptionen hinaus. Eine Schwächung des Tourismusstandorts Wien zieht Kreise bis in die regionale Wirtschaft. Busunternehmen, Reiseführer, Gastronomiebetriebe und sogar Handwerksbetriebe, die von der Instandhaltung touristischer Infrastruktur leben, sind von der Frequenz der internationalen Gäste abhängig. Wenn Reiseströme aufgrund der Preisgestaltung dauerhaft in Richtung Bratislava oder andere osteuropäische Zentren abwandern, droht ein schleichender Verlust an Wertschöpfung in der Ostregion Österreichs.

Gregor Kadanka weist darauf hin, dass die Flugabgabe faktisch wie ein Konjunkturprogramm für die Nachbarländer wirke. Airlines seien extrem mobil und könnten ihre Kapazitäten innerhalb weniger Wochen auf rentablere Standorte umverteilen. Die Dynamik, mit der Ryanair und andere Günstiganbieter auf Gebührenerhöhungen reagieren, unterstreicht die Notwendigkeit einer Standortpolitik, die den Tourismus als Wachstumsmotor begreift und nicht als reine Einnahmequelle für das Budget.

Forderungen nach strukturellen Entlastungen

Um den Negativtrend umzukehren, fordert die Wirtschaftskammer eine sofortige Kehrtwende in der Belastungspolitik. Zentrale Punkte sind die ersatzlose Streichung der Flugabgabe sowie ein Stopp weiterer Belastungen bei den Nächtigungstarifen. Nur durch eine spürbare Senkung der Nebenkosten könne Wien seine Position als Premium-Destination halten, ohne preislich vollends den Anschluss zu verlieren. Die Branche plädiert für eine Standortpolitik, die Betriebe stärkt und Anreize für Investitionen schafft, statt diese durch immer neue Abgaben zu belasten.

Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob Wien seinen Status als internationales Drehkreuz und Tourismusmagnet verteidigen kann. Der Wettbewerb mit Bratislava zeigt exemplarisch, dass geografische Vorteile allein nicht ausreichen, wenn die fiskalischen Rahmenbedingungen divergieren. Die Luftfahrt- und Tourismuswirtschaft mahnt daher eine ganzheitliche Strategie an, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich wieder in den Vordergrund rückt. Sollte die Preisspirale weiter nach oben gedreht werden, besteht die Gefahr, dass die Passagierströme dauerhaft am Flughafen Wien vorbeifliegen und stattdessen die günstigere Infrastruktur der Nachbarstaaten nutzen.

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