Die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot hat das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem massiven wirtschaftlichen Rückschlag abgeschlossen. Nach offiziellen Unternehmensangaben wies der Konzern für die ersten drei Monate einen Nettoverlust von 11,9 Milliarden Rubel aus, was umgerechnet etwa 142 Millionen Euro entspricht.
Diese Entwicklung markiert einen drastischen Einbruch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem Aeroflot noch einen Nettogewinn von 26,9 Milliarden Rubel erzielen konnte. Zwar stieg der Quartalsumsatz dank einer Erhöhung der Ticketpreise und einer Stabilisierung des verbliebenen Streckennetzes um 5,7 Prozent auf 201,1 Milliarden Rubel, doch spiegeln die Ertragszahlen die tiefgreifenden strukturellen Probleme der russischen Luftfahrtindustrie wider.
Besonders deutlich wird der operative Abwärtstrend beim Blick auf das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Das Ebitda der Aeroflot-Gruppe brach im ersten Quartal um 40 Prozent auf 29,6 Milliarden Rubel ein. Finanzanalysten führen diesen Niedergang primär auf rasant gestiegene Betriebskosten zurück. Durch die fortlaufenden internationalen Sanktionen sind die Kosten für die Beschaffung von Flugzeugersatzteilen über Drittstaaten sowie für die technische Wartung der größtenteils im Westen geleasten oder gekauften Flotte aus Airbus- und Boeing-Maschinen massiv gestiegen. Zudem belasten erhebliche Wechselkursverluste durch den volatilen Rubel und gestiegene Inlandsgebühren für die Flughafennutzung die Bilanz der Fluggesellschaft.
Zusätzliche Marktberichte aus der russischen Luftfahrtbranche verdeutlichen, dass Aeroflot zunehmend Mühe hat, die operativen Kosten durch das Inlandsgeschäft zu decken. Da der europäische und nordamerikanische Luftraum für russische Airlines gesperrt bleibt, konzentriert sich der Flugbetrieb gezwungenermaßen auf innerrussische Routen sowie auf verbleibende internationale Destinationen in Asien, im Nahen Osten und in Teilen Afrikas. Auf diesen verbliebenen Auslandsstrecken sieht sich Aeroflot jedoch einem scharfen Wettbewerb durch staatlich subventionierte Fluggesellschaften aus den Golfstaaten und China ausgesetzt, was die Margen im internationalen Geschäft zusätzlich unter Druck setzt.
Um den operativen Betrieb langfristig aufrechtzuerhalten, ist die Aeroflot-Gruppe weiterhin stark von staatlichen Subventionen und Kapitalspritzen aus dem russischen Wohlfahrtsfonds abhängig. Parallel dazu forciert die Regierung in Moskau Pläne zur staatlich gelenkten Umstellung der Flotte auf im Inland produzierte Flugzeugtypen wie die Jakowlew MS-21 und die Suchoi Superjet 100. Da sich die Serienproduktion dieser Maschinen aufgrund von Verzögerungen bei der Substitution westlicher Elektronik- und Triebwerkskomponenten jedoch weiter nach hinten verschiebt, bleibt Aeroflot gezwungen, immense Summen in die betriebliche Erhaltung ihrer alternden Airbus- und Boeing-Flotte zu investieren, was die Rentabilität auch in den kommenden Quartalen belasten dürfte.