Austrian Airlines hat die Modernisierung seiner Langstreckenflotte aktiv fortgesetzt. Am 1. Juni 2026 absolvierte das neueste Flottenmitglied, eine Boeing 787-9 mit der Registrierung OE-LPG, seinen offiziellen Erstflug im kommerziellen Liniendienst.
Die Maschine hob kurz nach 12:30 Uhr unter der Flugnummer OS55 vom Drehkreuz Flughafen Wien-Schwechat ab und steuerte die kanadische Metropole Montreal an. Auf dieser transatlantischen Verbindung wird das Großraumflugzeug auch in den kommenden Wochen vorrangig eingesetzt. Laut Stefan-Kenan Scheib, dem operativen Vorstand (COO) von Austrian Airlines, stellt dieser Neuzugang den fortlaufenden Strukturwandel der Interkontinentalflotte dar, die noch im Laufe des aktuellen Kalenderjahres um zwei zusätzliche Maschinen dieses Typs erweitert werden soll.
Die Übernahme des Flugzeugs erfolgte im Rahmen von konzerninternen Kapazitätsverschiebungen innerhalb der Lufthansa Group, zu der die österreichische Fluggesellschaft gehört. Die Maschine stand zuvor im Dienst der Muttergesellschaft Lufthansa und wurde im April zu technischen Modifikationen nach Taipeh überführt. In Taiwan erfolgten neben der offiziellen Flugzeugabnahme auch die österreichische Registrierung, die Zulassung durch die nationalen Luftfahrtbehörden sowie umfangreiche Kabinenanpassungen an den Servicestandard von Austrian Airlines. Im Anschluss erhielt die Maschine auf dem spanischen Lager- und Wartungsflugplatz Teruel ihre neue rot-weiß-rote Markenlackierung, bevor sie am Pfingstsonntag zur finalen Übergabe in Wien eintraf.
Das Einflottungsprogramm ist Teil einer langfristigen Flottenharmonisierung, die bereits im Jahr 2024 mit den ersten beiden Dreamlinern eingeleitet wurde. Das strategische Ziel der Airline sieht vor, die Langstreckenflotte bis zum Ende des Winterflugplans 2028/2029 vollständig zu vereinheitlichen und auf insgesamt zwölf Boeing 787-9 auszubauen. Im Gegenzug werden die älteren Modelle schrittweise ausgemustert. Die noch verbliebenen sechs Maschinen vom Typ Boeing 777 und drei Boeing 767 verlassen die Flotte sukzessive, wobei die Ausflottung der Boeing 767 noch im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen werden soll. Dieser Schritt vereinfacht die Wartungslogistik und senkt die Betriebskosten im Interkontinentalverkehr maßgeblich.
Parallel zur Langstrecke erfolgt ein tiefgreifender Umbau der Kurz- und Mittelstreckenflotte von Austrian Airlines. Das Unternehmen trennt sich komplett von seinen bisher 17 Regionaljets des Typs Embraer E195, um die operationelle Komplexität zu reduzieren. Ein Großteil dieser Regionalflotte wird an die italienische Lufthansa-Tochter Air Dolomiti überstellt; die nächste Ausmusterung ist für Juli 2026 geplant. Als Ersatz erhält Austrian Airlines sechs fabriksneue Flugzeuge vom Typ Airbus A320neo mit jeweils 180 Sitzplätzen, von denen die ersten zwei Maschinen noch im Sommer 2026 in Wien erwartet werden. Durch diese Maßnahmen schrumpft die strukturelle Vielfalt der Fluggesellschaft von ehemals fünf Flugzeugtypen auf nur noch zwei Kernfamilien: die Airbus A320-Familie für Kontinentalstrecken und die Boeing 787-9 für die Langstrecke.