Die italienische Fluggesellschaft ITA Airways plant eine grundlegende Umstrukturierung ihrer Interkontinentalflotte. Wie Vorstandschef Jörg Eberhart im Rahmen von Branchengesprächen mitteilte, verfolgt die Fluggesellschaft die langfristige Strategie, innerhalb der kommenden zehn Jahre sämtliche Langstreckenflüge auf den Flugzeugtyp Airbus A350-900 zu vereinheitlichen.
Damit würde die Fluggesellschaft mittelfristig wieder aus dem Betrieb des Airbus A330neo aussteigen, von dem das Unternehmen derzeit 16 Exemplare der Variante A330-900 in den eigenen Reihen betreibt. Aktuell gehören zudem sechs Maschinen des Typs A350-900 zur Flotte der Airline, die als strategische Basis für die geplante Expansion im transatlantischen Sektor dienen.
Der angestrebte Wechsel hin zu einer Monoflotte auf der Langstrecke wird mit der höheren operationellen Vielseitigkeit des Airbus A350-900 begründet. Laut dem Management zeichnet sich dieser Flugzeugtyp durch eine deutlich größere Reichweite und Flexibilität aus, was den Einsatz auf einer breiteren Bandbreite von internationalen Routen ermöglicht. Insbesondere für die geplante Ausweitung des Streckennetzes nach Südamerika, mit potenziellen neuen Zielen wie Lima oder Santiago de Chile, bietet der A350-900 im Vergleich zum A330neo entscheidende operative Vorteile. Da die Produktionskapazitäten bei Airbus jedoch bis zum Jahr 2033 weitgehend ausgebucht sind, ist ITA Airways bei der Umsetzung dieser Pläne auf die Unterstützung des neuen Mutterkonzerns angewiesen.
Da ein direkter Erwerb neuer Maschinen ab Werk aufgrund der vollen Auftragsbücher des Herstellers kurzfristig unrealistisch ist, laufen bereits intensive Gespräche zwischen ITA Airways und der Lufthansa Group über eine potenzielle Nutzung des konzerneigenen Auftragsbuches. Seitens des deutschen Luftfahrtkonzerns besteht laut Eberhart eine grundlegende Bereitschaft, zukünftige Flugzeugauslieferungen neu zu bewerten und gegebenenfalls Maschinen aus bestehenden Konzernbestellungen oder Optionen an die italienische Tochtergesellschaft zu übertragen. Dies hängt jedoch maßgeblich von den strategischen Flottenentscheidungen der gesamten Gruppe ab, da auch andere Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Discover Airlines modernisiert werden müssen.
Aus wirtschaftlicher Sicht fällt diese strategische Neuausrichtung in eine Phase der Konsolidierung und finanziellen Erholung. ITA Airways konnte für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 erstmals seit der Unternehmensgründung im Jahr 2021 einen Nettogewinn in Höhe von 209 Millionen Euro ausweisen. Die fortschreitende Integration in das Multi-Hub-System der Lufthansa Group, die im Juni 2026 ihre Beteiligung plangemäß auf eine Mehrheit von 90 Prozent aufstocken will, eröffnet der Fluggesellschaft neue Synergien beim gemeinsamen Einkauf, der Wartungskoordination sowie der Harmonisierung von Flugplänen. Die Vereinheitlichung der Teilflotten gilt in der Luftfahrtbranche als bewährtes Mittel, um Schulungs- und Vorhaltungskosten für Besatzungen und Techniker nachhaltig zu senken.