Air Europa am Flughafen Madrid (Foto: Jan Gruber).
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Geplante Minderheitsbeteiligung von Turkish Airlines an Air Europa verzögert sich

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Die weitreichende Konsolidierung und strategische Neuordnung auf dem europäischen Luftverkehrsmarkt gerät ins Stocken. Der im Sommer des vergangenen Jahres angekündigte Einstieg der staatlichen türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines bei der spanischen Fluggesellschaft Air Europa wird sich nach aktuellen Brancheninformationen erheblich verzögern.

Ein formeller Abschluss der Transaktion, bei der die Fluggesellschaft aus Istanbul rund 26 Prozent der Anteile an dem spanischen Carrier übernehmen will, ist vor dem Ende des laufenden Jahres 2026 äußerst unwahrscheinlich geworden. Grund für den zeitlichen Verzug sind die komplexen Genehmigungsverfahren auf nationaler und europäischer Ebene. Entgegen den ursprünglichen Prognosen des Managements, das mit einer Abwicklung innerhalb von sechs bis zwölf Monaten gerechnet hatte, liegt der Europäischen Kommission bis heute keine formale Anmeldung des Vorhabens vor. Die Wettbewerbshüter in Brüssel müssen den Deal nicht nur nach dem klassischen EU-Fusionsrecht prüfen, sondern auch im Rahmen der relativ neuen und strengen Verordnung über ausländische Subventionen bewerten. Trotz der bürokratischen Verzögerungen betonen die Verantwortlichen in Istanbul, dass das Verfahren im Einklang mit den regulatorischen Erwartungen verlaufe. Für Air Europa steht bei dieser Transaktion viel auf dem Spiel, da die finanzielle Konstruktion eng mit der Tilgung von staatlichen Rettungsgeldern aus der Krisenzeit verknüpft ist.

Die finanzielle Architektur der Transaktion und die Umschuldung

Das wirtschaftliche Fundament dieser geplanten Partnerschaft umfasst ein Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro. Diese Summe wurde von Turkish Airlines bereits im Vorfeld transferiert, allerdings zunächst in Form eines strukturierten Wandeldarlehens. Air Europa nutzte diese massiven liquiden Mittel umgehend, um ein Darlehen des spanischen Staatsfonds SEPI in Höhe von 475 Millionen Euro, das der Fluggesellschaft während der globalen Luftfahrtkrise zur Sicherung des Überlebens gewährt worden war, vollständig und vorzeitig zurückzuzahlen. Durch diesen Schritt konnte sich die Airline aus der direkten staatlichen Einflussnahme der Regierung in Madrid befreien und erhebliche Zinslasten reduzieren.

Die vertragliche Vereinbarung zwischen den beiden Fluggesellschaften beinhaltet jedoch eine strikte Absicherung für den Fall einer behördlichen Ablehnung. Sollten die Europäische Kommission oder die spanischen Behörden dem Einstieg der Türken die finale Zustimmung verweigern, verfällt die Option zur Umwandlung des Geldes in Firmenanteile. In diesem Szenario transformiert sich das Wandeldarlehen automatisch in einen standardmäßigen, verzinsten Kredit, den Air Europa zu marktüblichen Konditionen an Turkish Airlines zurückzahlen muss. Dies würde die spanische Fluggesellschaft finanziell erneut belasten und die Suche nach alternativen Eigenkapitalgebern im europäischen Raum notwendig machen.

Die künftige Eigentümerstruktur und das Dreiecksverhältnis mit der IAG

Sollten die Regulierungsbehörden im Laufe der kommenden Monate grünes Licht für das Vorhaben geben, würde sich eine historisch einmalige und hochkomplexe Eigentümerstruktur bei Air Europa ergeben. Die spanische Gründerholding Globalia würde mit einem Anteil von rund 54 Prozent weiterhin die unternehmerische Mehrheit und die strategische Kontrolle über das Unternehmen behalten. Auf dem zweiten Platz würde sich Turkish Airlines mit den besagten 26 Prozent als starker, ausländischer Minderheitsaktionär etablieren.

Die verbleibenden 20 Prozent der Anteile befinden sich im Besitz der International Airlines Group, dem Mutterkonzern von British Airways und Iberia. Die IAG hatte über Jahre hinweg versucht, Air Europa vollständig zu übernehmen, musste dieses Vorhaben jedoch aufgrund unüberwindbarer wettbewerbsrechtlicher Bedenken der Europäischen Kommission im Sommer 2024 endgültig aufgeben. Dass nun mit Turkish Airlines ein global agierender Konkurrent aus einem Nicht-EU-Staat als Großaktionär bei der spanischen Fluggesellschaft einsteigt, während der direkte lokale Rivale Iberia über die IAG-Holding ebenfalls mit einem Fünftel an Bord bleibt, birgt erhebliches Konfliktpotenzial für die künftige Ausrichtung des Unternehmens und der Allianzstrukturen.

Prüfverfahren unter dem Mikroskop der neuen EU-Subventionsverordnung

Die wesentliche Ursache für das Ausbleiben der formalen Anmeldung in Brüssel liegt in der akribischen Vorbereitung der Unterlagen, die durch eine verschärfte Gesetzgebung der Europäischen Union notwendig geworden ist. Neben der klassischen kartellrechtlichen Fusionskontrolle, die Marktanteile und potenzielle Monopolbildungen auf bestimmten Flugstrecken untersucht, greift in diesem Fall die europäische Verordnung über ausländische Subventionen. Diese Gesetzgebung wurde eingeführt, um Wettbewerbsverzerrungen auf dem europäischen Binnenmarkt durch staatlich subventionierte Unternehmen aus Drittstaaten zu verhindern.

Da Turkish Airlines eng mit dem türkischen Staat verbunden ist und erhebliche staatliche Unterstützung genießt, prüft die Europäische Kommission im Vorfeld sehr genau, ob das für den Einstieg genutzte Kapital von 300 Millionen Euro aus fairem Marktwettbewerb stammt oder durch staatliche Beihilfen in Ankara quersubventioniert wurde. Die spanische Zeitung ABC berichtete unter Berufung auf Kreise in der Brüsseler Behörde, dass die vorläufigen Gespräche und der Datenaustausch zwischen den Anwälten der Fluggesellschaft und der Kommission wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich kalkuliert. Solange die Behörde nicht signalisiert, dass die eingereichten Datenmengen ausreichen, wird die formale Anmeldung verzögert, um ein automatisches Verfristen der gesetzlichen Prüfungsfristen zu verhindern.

Die nationale Kontrollinstanz Jinvex in Madrid

Neben den europarechtlichen Hürden muss die Transaktion in Spanien eine nationale Sicherheitsüberprüfung durchlaufen. Das spanische Auslandsinvestitionsgremium Jinvex, das im Wirtschaftsministerium in Madrid angesiedelt ist, besitzt das Mandat, den Einstieg ausländischer Investoren in strategisch wichtige Infrastrukturunternehmen des Landes zu überprüfen und gegebenenfalls zu blockieren. Fluggesellschaften fallen aufgrund ihrer Bedeutung für die nationale Logistik, den Tourismus und die Anbindung der Überseegebiete unter diese restriktive Regelung.

Obwohl die Rückzahlung des SEPI-Staatskredits durch Air Europa in Madrid positiv aufgenommen wurde, betrachten politische Kreise den Einfluss eines staatlichen Akteurs aus der Türkei auf den heimischen Luftverkehrsmarkt mit einer gewissen Skepsis. Air Europa betreibt von ihrem Drehkreuz am Flughafen Madrid-Barajas aus ein dichtes und hochprofitables Netzwerk nach Lateinamerika. Dieses Netzwerk ist für die spanische Wirtschaft von strategischer Bedeutung. Das Jinvex-Gremium wird seine finale Entscheidung eng mit den Ergebnissen der wettbewerbsrechtlichen Prüfungen aus Brüssel abstimmen, was den Prozess zusätzlich in die Länge zieht.

Strategische Implikationen für das globale Netzwerk von Turkish Airlines

Für Turkish Airlines stellt das geplante Investment bei Air Europa einen entscheidenden Meilenstein in der langfristigen globalen Wachstumsstrategie dar. Die Fluggesellschaft aus Istanbul verfügt über das weltweit größte Streckennetz gemessen an den angeflogenen Ländern, besitzt jedoch eine historische Schwachstelle: die Anbindung des lateinamerikanischen Kontinents. Aufgrund der geografischen Lage Istanbuls sind Direktflüge nach Süd- und Mittelamerika operativ aufwendig und erfordern oft Zwischenstopps oder erhebliche Reichweitenreserven der Flugzeuge.

Durch die Partnerschaft mit Air Europa und die Nutzung des Hubs in Madrid könnte Turkish Airlines ihren Passagieren künftig nahtlose Umsteigeverbindungen über den Atlantik hinweg anbieten, ohne eigene Flugzeuge auf diesen dünnen Routen einsetzen zu müssen. Zudem würde der Einstieg den Wettbewerbsdruck auf die europäische Konkurrenz, insbesondere auf die Lufthansa Group und Air France-KLM, massiv erhöhen. Die zeitliche Verzögerung zwingt das Management in Istanbul nun dazu, die operativen Pläne für eine engere Abstimmung der Flugpläne und gemeinsame Codeshare-Abkommen vorerst auf Eis zu legen, bis die behördlichen Genehmigungen im späten Verlauf des Jahres vorliegen.

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