Die führende indische Fluggesellschaft IndiGo wird eine ihrer sechs im sogenannten Wetlease-Verfahren betriebenen Boeing 787-9 an den Eigentümer Norse Atlantic Airways zurückgeben. Die Rückgabe des Langstreckenflugzeugs ist für den 31. August 2026 geplant.
Als direkter Auslöser für diesen Schritt gilt die Entscheidung der Fluggesellschaft, das Flugangebot auf den Verbindungen zwischen dem indischen Subkontinent und der britischen Metropole Manchester anzupassen oder einzustellen. Die verbleibenden fünf Maschinen des Typs Boeing 787-9, die im Rahmen der Vereinbarung von Norse inklusive Cockpit- und Kabinenbesatzung betrieben werden, verbleiben wie vertraglich vereinbart in Diensten der indischen Airline.
Hintergrund der Streckenänderungen sind erhebliche wirtschaftliche Belastungen im operativen Flugbetrieb. Nach Angaben von IndiGo verzeichneten die Flüge nach Manchester zwar ein konstant starkes Passagieraufkommen, die Rentabilität der Routen wurde jedoch durch externe Faktoren massiv beeinträchtigt. Aufgrund anhaltender internationaler Luftraumbeschränkungen mussten die Flugzeuge erhebliche Umwege in Kauf nehmen, was zu deutlich verlängerten Flugzeiten führte. Diese längeren Umlaufzeiten verursachten wiederum einen drastischen Anstieg der Treibstoff- und Personalkosten, wodurch eine wirtschaftlich tragbare Fortführung der Flüge unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr gewährleistet werden konnte. IndiGo bedient Manchester derzeit sowohl von Mumbai als auch von der Hauptstadt Delhi aus, hielt sich jedoch bezüglich der genauen Details zu einer vollständigen oder teilweisen Einstellung der Strecken noch bedeckt.
Die norwegische Fluggesellschaft Norse Atlantic Airways plant bereits die Weiterverwendung des ab September frei werdenden Großraumflugzeugs. Die Fluggesellschaft wird die Boeing 787-9 im anstehenden Winterflugplan auf ihren eigenen Strecken zwischen europäischen Metropolen und Destinationen in Thailand einsetzen, um der dort traditionell hohen saisonalen Nachfrage im Fernost-Tourismus gerecht zu werden. Trotz der vorzeitigen Flugzeugrückgabe betonen beide Fluggesellschaften das Festhalten an der Partnerschaft, die im März 2025 mit den ersten Flügen für IndiGo begann. Laut dem Norse-Vorstandsvorsitzenden Eivind Roald haben die Unternehmen bereits ein gemeinsames Projekt initiiert, um Optionen für eine noch intensivere strategische Zusammenarbeit im internationalen Luftverkehrsmarkt auszuloten.
Der Einsatz von Wetlease-Kapazitäten ist für indische Fluggesellschaften ein wichtiges strategisches Instrument, um das schnelle Wachstum auf internationalen Langstrecken zu bewältigen, während gleichzeitig weltweite Engpässe bei Triebwerken und Flugzeugauslieferungen die Flottenexpansion bremsen. IndiGo, die historisch vor allem als reine Low-Cost-Airline im Kurz- und Mittelstreckenbereich mit Schmalrumpfflugzeugen agierte, nutzt die angemieteten Großraumflugzeuge von Norse Atlantic Airways gezielt, um wertvolle Erfahrungen im Interkontinentalgeschäft zu sammeln. Die aktuelle Streckenoptimierung verdeutlicht die Volatilität im Markt für Langstreckenflüge, auf dem geopolitische Luftraumsperrungen die Kostenstrukturen der Fluggesellschaften stark beeinflussen.