Die beiden italienischen Fluggesellschaften ITA Airways und Aeroitalia haben eine weitreichende kommerzielle Kooperation zur Verknüpfung ihrer Streckennetze angekündigt. Die erste Phase dieser Zusammenarbeit wird im Juli 2026 anlaufen und umfasst ein Interline-Abkommen, das sich über das gesamte Flugnetz beider Fluggesellschaften erstreckt.
Diese Vereinbarung sichert den Passagieren eine vereinfachte Buchung von kombinierten Flügen und ist vorerst für den verbleibenden Sommerflugplan 2026 sowie die darauffolgende Winterflugperiode 2026/27 gültig. Ergänzend dazu schlossen die Fluggesellschaften ein sogenanntes Special Prorate Agreement (SPA) ab, das die finanzielle Aufteilung der Ticketlöse bei Umsteigeverbindungen regelt und somit die Tarifgestaltung für die Kunden optimiert.
Nach der vollständigen technischen Integration der Buchungssysteme soll die Partnerschaft im Kern dazu dienen, die Fluganbindung der Mittelmeerinsel Sardinien über das internationale Großdrehkreuz Rom-Fiumicino (FCO) erheblich zu stärken. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Passagiere, die unter die staatlichen italienischen Regelungen zur territorialen Kontinuität (Continuità Territoriale) fallen. Diese gesetzliche Vorgabe sichert den Einwohnern isolierter Regionen wie Sardinien oder Sizilien gedeckelte Ticketpreise und garantierte Mindestkapazitäten auf Flügen zum italienischen Festland. Durch die Bündelung der operativen Netze von ITA Airways und Aeroitalia wird die Flexibilität und Verfügbarkeit von Anschlussflügen für die Inselbevölkerung spürbar ausgebaut.
Aeroitalia, die erst vor wenigen Jahren gegründet wurde, hat sich durch die Übernahme zahlreicher subventionierter Regionalstrecken zu einer wichtigen Stütze des italienischen Binnenluftverkehrs entwickelt, während die staatliche Nachfolgegesellschaft ITA Airways primär das internationale Langstreckengeschäft und die Hauptverkehrsachsen ab Rom und Mailand bedient. Luftfahrtexperten werten den Zusammenschluss auch als strategischen Schachzug im Kontext der fortschreitenden Konsolidierung auf dem europäischen Luftverkehrsmarkt. ITA Airways steht vor einer engeren Anbindung an die Lufthansa-Gruppe, wodurch die Zubringerflüge von Regionalpartnern wie Aeroitalia am Drehkreuz Rom an strategischer Bedeutung gewinnen, um Marktanteile gegen Billigfluggesellschaften zu verteidigen.
Die betriebliche Umsetzung der Kooperation erfordert in den kommenden Wochen eine Anpassung der globalen Distributionssysteme (GDS), damit Reisebüros und Online-Plattformen die kombinierten Flüge auf einem einzigen Ticket ausstellen können. Für den Flughafen Rom-Fiumicino bedeutet die engere Verzahnung der beiden Carrier eine Konsolidierung der Umsteigeströme im Inlandsterminal und eine Stabilisierung der Auslastungsraten. Das Management beider Fluggesellschaften ließ bereits durchblicken, dass bei einem erfolgreichen Verlauf der ersten Phase eine Ausweitung der Allianz auf ein echtes Codeshare-Abkommen für das Jahr 2027 angestrebt wird.