Die Stadt Wien setzt dem gewerblichen Kartenverkauf durch die sogenannten „Mozartverkäufer“ in der historischen Innenstadt ein endgültiges Ende. Nach einer am 8. Mai 2026 erlassenen Verordnung laufen mit Ende Juni die letzten bestehenden Bewilligungen für die kostümierten Ticketverkäufer in den definierten Schutzzonen unwiderruflich aus.
Das Verbot betrifft die am stärksten frequentierten Knotenpunkte der Fußgängerzonen und Repräsentationsflächen, darunter den Stephansplatz, die Kärntner Straße, den Graben sowie den Herbert-von-Karajan-Platz direkt vor der Wiener Staatsoper. Die Behörden reagieren damit auf eine massiv gestiegene Anzahl von Beschwerden durch Passanten, Anwohner und internationale Touristen, die sich von den Verkaufspraktiken im öffentlichen Raum bedrängt fühlten.
Bereits im Jahr 2021 hatte die Stadtverwaltung versucht, das Phänomen durch eine erste Zonierungsverordnung einzudämmen und den Verkauf direkt vor dem Hauptportal des Stephansdoms zu untersagen. Wie Planungsstadträtin Ulli Sima ausführte, erwiesen sich diese punktuellen Einschränkungen im Nachgang jedoch als unzureichend, da bei behördlichen Kontrollen fortlaufend Akteure ohne gültige Dokumente angetroffen wurden. Die Daten der städtischen Gruppe Sofortmaßnahmen unter der Leitung von Walter Hillerer belegen das Ausmaß der Verstöße: Im Jahr 2025 wurden bei 26 Schwerpunktkontrollen 303 Verkäufer überprüft und dabei 136 Übertretungen zur Anzeige gebracht. Im laufenden Jahr setzte sich dieser Trend mit 34 festgestellten Verstößen bei nur 75 Überprüfungen bis Mitte Mai unvermindert fort.
Neben der reinen Belästigung im beengten Stadtraum spielten auch handfeste Konsumentenschutzprobleme und kriminelle Machenschaften eine Rolle bei der politischen Entscheidungsfindung. Staatsoperndirektor Bogdan Roščić verwies in diesem Zusammenhang auf wiederholte Fälle von Ticketfälschungen, bei denen Sitzplätze im Saal doppelt veräußert wurden, sowie auf den spekulativen Weiterverkauf von regulären Billigkarten zum zehnfachen Originalpreis. Zudem blockierten die Gruppen regelmäßig die Eingänge zu den offiziellen Theaterkassen und täuschten Besucher über die Legitimität ihrer Angebote. Unterstützung für die Maßnahme kommt auch von Dompfarrer Toni Faber, der den oft aggressiven Werbedruck vor dem Riesentor des Stephansdoms als erhebliche Beeinträchtigung für die jährlich über sechs Millionen Kirchenbesucher kritisierte.
Die Neuregelung wird vom Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl, sowie vom WienTourismus ausdrücklich mitgetragen, um den extremen Nutzungsdruck auf die historischen Plätze zu steuern. Tourismusdirektor Norbert Kettner betonte, dass der Schritt im Einklang mit der städtischen Strategie stehe, den Charakter Wiens als Qualitätsdestination zu sichern und den öffentlichen Raum vor fortschreitender Kommerzialisierung zu schützen. Nach dem Verstreichen der Übergangsfrist per Ende Juni kündigte die Stadtverwaltung eine lückenlose und strikte Überwachung der Verbotszonen durch die Organe der Parkraumüberwachung und der Polizei an, wobei ungenehmigte Verkaufsaktivitäten konsequent mit Organstrafmandaten und Verwaltungsstrafen geahndet werden.