Den liberianischen Sicherheitsbehörden ist am internationalen Flughafen Roberts in Monrovia einer der größten Drogenfunde in der Geschichte des westafrikanischen Landes gelungen. Am 8. Juni fingen Zollbeamte und Sicherheitskräfte eine Ladung von rund 240 Kilogramm reinem Kokain ab.
Der Schwarzmarktwert der beschlagnahmten Rauschgiftmenge wird auf über 19 Millionen US-Dollar (ca. 17 Millionen Euro) geschätzt. Die Drogen waren in fast 200 Frachtkisten versteckt und wurden entdeckt, nachdem das Flughafenpersonal Unstimmigkeiten in den Frachtdokumenten festgestellt hatte. Berichten zufolge sollte das Kokain auf einem regulären Passagierflug der Fluggesellschaft Brussels Airlines nach Europa geschmuggelt werden.
Der Vorfall veranlasste den liberianischen Präsidenten Joseph Boakai zu einer nationalen Fernsehansprache. Boakai kündigte ein unnachgiebiges Vorgehen gegen die kriminellen Netzwerke an und betonte, dass Liberia unter seiner Führung weder als Transitknotenpunkt noch als Operationsbasis für den internationalen Drogenhandel geduldet werde. Im Zuge der sofort eingeleiteten Ermittlungen wurden bereits sechs Flughafenangestellte verhaftet, denen Komplizenschaft und die Manipulation von Sicherheitskontrollen vorgeworfen wird. Die Drogen konnten vor dem Verladen in den Frachtraum der Passagiermaschine gesichert werden, was ein Eindringen der Schmuggelware in das europäische Luftverkehrsnetz verhinderte.
Obwohl die Drahtzieher der Lieferung noch nicht offiziell identifiziert wurden, prüfen die Ermittlungsbehörden Verbindungen zu einem der meistgesuchten Kriminellen Europas. Lokale Medienberichte weisen darauf hin, dass der flüchtige niederländische Drogenbaron Jos Leijdekkers im Fokus der Ermittlungen steht. Es wird vermutet, dass Leijdekkers seine Netzwerke von Nachbarstaaten wie Sierra Leone aus steuert. Aufgrund der globalen Dimension des Falls beteiligen sich internationale Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden aus Belgien, den Vereinigten Staaten, Dänemark und Großbritannien an der Aufklärung des Falls.
Der Rekordfund verdeutlicht die strategische Rolle westafrikanischer Verkehrsflughäfen als Drehscheiben für den Rauschgiftschmuggel von Lateinamerika nach Westeuropa. Für den internationalen Luftfahrtsektor unterstreicht dieser Vorfall die Notwendigkeit, die Frachtüberwachung und die Sicherheitsstandards an afrikanischen Gateways mit Direktverbindungen nach Europa drastisch zu verschärfen. Die europäische Polizeibehörde Europol warnt seit geraumer Zeit vor der zunehmenden Nutzung von Linienflügen für den Transport von Großmengen illegaler Substanzen, da die herkömmlichen Seewege durch verstärkte Kontrollen in europäischen Häfen wie Antwerpen und Rotterdam riskanter geworden sind.