Am Samstag, dem 20. Juni 2026, kam es am Boston Logan International Airport zu einer gefährlichen Situation, als zwei Verkehrsflugzeuge auf sich kreuzenden Bahnen in unmittelbare Nähe zueinander gerieten. Gegen 11:30 Uhr Ortszeit befand sich ein Airbus A319 der Fluggesellschaft Delta Air Lines, Flugnummer 2351, im Landeanflug auf die Landebahn 33L, als die Besatzung eine Boeing 737-800 von American Airlines, Flugnummer 3161, bemerkte, die gerade auf der kreuzenden Landebahn 27 ihren Startlauf begann.
Nur durch das rasche Handeln der Piloten des Delta-Flugzeugs, die eigenständig einen sogenannten Go-around einleiteten, konnte ein Zusammenstoß in der kritischen Phase des Landeanflugs verhindert werden. Die Federal Aviation Administration (FAA) bestätigte den Vorfall und hat eine offizielle Untersuchung eingeleitet, da der Kontrollturm den American-Airlines-Flug auf eine Bahn geschickt hatte, die sich direkt mit dem Landepfad der Delta-Maschine überschnitt.
Der Vorfall wurde durch Funksprüche und Videomaterial öffentlich, das die Kommunikation zwischen den Piloten und der Flugsicherung in Boston dokumentiert. Während sich die Delta-Maschine der Landebahn näherte, hatte der Tower bereits den Startlauf für die Boeing 737 freigegeben, was zu einer gefährlichen räumlichen Annäherung führte. Das Filmmaterial zeigt, dass der Lotse offenbar selbst von der Position der Boeing überrascht war und per Funk nachfragte, wohin sich das Flugzeug bewege, woraufhin der Pilot von American Airlines lediglich auf die zuvor erhaltene Starterlaubnis verwies und den Startvorgang fortsetzte. Die Delta-Besatzung hatte die drohende Gefahr jedoch bereits erkannt und die Entscheidung zum Durchstarten kommuniziert, bevor der Lotse die Situation vollständig erfasst hatte. Glücklicherweise endete der Vorfall ohne physische Schäden oder Verletzte, und die Landung konnte nach einer Verzögerung sicher durchgeführt werden.
Häufung von Sicherheitsbedenken an US-Flughäfen
Der Vorfall in Boston fügt sich in eine Serie von Beinahe-Kollisionen und Unfällen ein, die den US-amerikanischen Flugverkehr in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Seit dem folgenschweren Unglück am Washington Dulles International Airport im Januar 2025, bei dem eine Regionalmaschine mit einem Hubschrauber kollidierte und 67 Menschen ihr Leben verloren, steht die Sicherheit an großen Drehkreuzen unter verstärkter Beobachtung.
Trotz eingeführter Sicherheitsmaßnahmen, die nach diesem Unfall verschärft wurden, bleibt die Rate von sogenannten Runaway-Incursions – dem unberechtigten Eindringen in eine aktive Start- oder Landebahn – besorgniserregend hoch. Erst vor wenigen Monaten ereignete sich am LaGuardia Airport ein tödlicher Zusammenstoß zwischen einer landenden Maschine und einem Einsatzfahrzeug der Flughafenfeuerwehr, bei dem beide Piloten ums Leben kamen. Die Ermittlungen in diesem Fall deuten ebenfalls auf eine fehlerhafte Koordination zwischen dem Tower und den Fahrzeugen hin.
Technische Aufrüstung und operative Reformen als Reaktion
Die US-Luftfahrtbehörde FAA steht unter erheblichem Druck, die Sicherheit im Bodenbetrieb zu verbessern. Im Fokus der Bemühungen steht die technische Überarbeitung der Airport Surface Detection Equipment (ASDE-X) und der Airport Surface Surveillance Capability (ASSC) Systeme, welche Fluglotsen dabei helfen sollen, den Bodenverkehr in Echtzeit besser zu überwachen. Darüber hinaus werden Anstrengungen unternommen, den Personalbestand in den Kontrolltürmen aufzustocken, da Überlastungen als einer der Hauptfaktoren für menschliches Versagen in der Flugverkehrskontrolle gelten.
Der Flughafen Boston Logan selbst gilt dabei als ein Brennpunkt. Untersuchungen zufolge belegte der Flughafen im vergangenen Jahr den vierten Platz unter den US-Großflughäfen in Bezug auf die Häufigkeit von Bahneindringungen. Infolgedessen arbeitet die Betreibergesellschaft Massport eng mit der FAA zusammen, um Empfehlungen für eine grundlegende Überplanung der Rollwege umzusetzen. Es wird vermutet, dass eine strukturelle Neugestaltung der Taxiways unverzichtbar ist, um die Kreuzungspunkte der verschiedenen Landebahnen zu entschärfen und die Abhängigkeit von der alleinigen Aufmerksamkeit der Fluglotsen zu verringern. Die jüngsten Vorfälle in Boston und anderen Städten verdeutlichen, dass das komplexe System aus Bodenkontrolle und Pilotenkommunikation trotz technologischer Hilfsmittel anfällig für kritische Fehlentscheidungen bleibt, was eine kontinuierliche Überarbeitung der Sicherheitsprotokolle erfordert.