In Österreich verschärft sich die Auseinandersetzung um den Kollektivvertrag im Hotel- und Gastgewerbe. Nach einer Abstimmung unter den Beschäftigten der Branche hat die zuständige Gewerkschaft Vida das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite offiziell abgelehnt.
Das Verhandlungsteam der Arbeitnehmervertreter sieht sich durch das Abstimmungsergebnis in seiner Haltung bestärkt, wonach das vorliegende Paket zu einem Reallohnverlust führen würde. Die Gewerkschaft fordert angesichts der allgemeinen Teuerung eine deutliche Erhöhung der Entgelte, um die Kaufkraft der Angestellten abzusichern.
Als Hauptgrund für die Ablehnung verweist die Vida auf die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten bei gleichzeitig stark gestiegenen Preisen im Tourismussektor. Laut Gewerkschaftsangaben verzeichnete die Branche seit dem Jahr 2022 kumulierte Preisanstiege von rund 38,4 Prozent, während die Löhne im Gastgewerbe im Verhältnis dazu weit zurückgeblieben seien. Die Arbeitnehmervertreter werfen den Betrieben vor, die Inflation zwar über höhere Preise an die Gäste weiterzugeben, den eigenen Mitarbeitern jedoch den notwendigen Teuerungsausgleich zu verweigern. Da Fixkosten wie Mieten und Gebühren automatisch steigen, drohe den Beschäftigten ohne deutliche Lohnanpassungen eine fortschreitende finanzielle Belastung.
Gleichzeitig übt die Vida scharfe Kritik an der Argumentation der Wirtschaftskammer und der Strategie der Bundesregierung zur Bewältigung des Personalbedarfs. Den medial häufig beklagten Arbeitskräftemangel bezeichnet die Gewerkschaft als hausgemachte Attraktivitätskrise, die primär auf unzureichende Bezahlung und schwierige Arbeitsbedingungen zurückzuführen sei. Der Bundesregierung wird vorgeworfen, über die Mangelberufsliste und die Vergabe der Rot-Weiß-Rot-Karte gezielt Arbeitskräfte aus dem Ausland in den Sektor zu schleusen, anstatt das Lohnniveau im Inland anzuheben. Die Vida fordert die Arbeitgeber auf, umgehend neue Verhandlungstermine zu vereinbaren und ein verbessertes Angebot vorzulegen.