Das Wiener Binnenschifffahrtsunternehmen DDSG Blue Danube, das sich im Eigentum des Verkehrsbüros und der Wien Holding befindet, hat pünktlich zum Beginn der Sommerferien eine Vertriebskooperation mit dem Wiener Wurstelprater gestartet.
Kern des neuen Angebots ist die Zusammenführung einer zweistündigen Flussrundfahrt auf der Donau mit dem bargeldlosen Bezahlsystem des Vergnügungsparks. Die sogenannte „Donau Panorama Tour“, die am Schifffahrtszentrum bei der Reichsbrücke startet und bis zu viermal am Tag durchgeführt wird, wird ab sofort mit einer Pratercard vertrieben, die ein Startguthaben von 15 Euro aufweist. Der Preis für dieses touristische Paket beläuft sich auf 49 Euro.
Die Schifffahrtsroute führt an städtebaulichen und architektonischen Marken der modernen Wiener Stadtentwicklung vorbei, darunter der Donauturm, der DC Tower, die UNO-City sowie das Entlastungsgerinne der Donauinsel. Durch das integrierte Kartenguthaben erhalten Abnehmer des Kombitickets gleichzeitig Zugang zu rund 40 Fahrgeschäften, Schauhöhlen und Gastronomiebetrieben auf dem Pratergelände, darunter das Wiener Riesenrad und das Schweizerhaus. Wirtschaftlich betrachtet zielt diese Allianz darauf ab, Synergieeffekte zwischen dem städtischen Schiffsverkehr und dem traditionellen Schaustellerbetrieb zu nutzen, um das Aufkommen von Inlandstouristen und Wiener Familien in den Ferienwochen zu stabilisieren.
Tourismusökonomen bewerten die Einführung solcher Kombinationsprodukte als gängige Praxis zur Erhöhung der Kundenbindung im hart umkämpften städtischen Freizeitmarkt. Da die Lebenshaltungskosten das Budget für Freizeitaktivitäten belasten, versuchen Betreiber durch gebündelte Angebote Kaufanreize zu schaffen. Kritische Beobachter aus der Wirtschaft weisen jedoch darauf hin, dass der tatsächliche Preisvorteil für den Endverbraucher bei solchen Modellen oft gering ausfällt, wenn man die Einzelpreise der Schiffsfahrt und das reale Guthaben gegenrechnet. Zudem profitiert nur ein Teil der inhabergeführten Praterbetriebe von der Pratercard, da nicht alle dort ansässigen Unternehmer an das elektronische Bezahlsystem der Dachorganisation angeschlossen sind.
Für die DDSG Blue Danube stellt das Angebot dennoch einen wichtigen Baustein zur Absicherung der Flottenauslastung auf der Donau dar, da die Konkurrenz durch internationale Flusskreuzfahrtschiffe und alternative Freizeitgestaltungsmöglichkeiten im urbanen Raum hoch bleibt. Die logistische Herausforderung besteht für die Betreiber nun darin, die Frequenzen zwischen den fahrplanmäßigen Ablegezeiten an der Reichsbrücke und dem Individualverkehr im Prater aufeinander abzustimmen. Ob das Ticketmodell zu einer spürbaren Umsatzsteigerung führt oder lediglich bestehende Kundenströme verlagert, wird die Bilanz nach dem Ende der Ferienperiode im September zeigen.