Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat eine Verschiebung der Einführung des neuen Ein- und Ausreisesystems der Europäischen Union (Entry/Exit System, kurz EES) gefordert.
Nach Angaben des Luftfahrtunternehmens vom 2. Juli 2026 drohen an zahlreichen europäischen Verkehrsflughäfen erhebliche Verzögerungen und Kapazitätsengpässe, da die technische Infrastruktur und die personelle Besetzung der Grenzkontrollstellen nicht auf das hohe Passagieraufkommen der Sommerferien ausgelegt seien.
Betroffen sind laut dem Management insbesondere stark frequentierte Ferien- und Regionalflughäfen wie Palma de Mallorca, Teneriffa Süd, Alicante, Málaga, Mailand-Bergamo, Krakau und Paris-Beauvais. Die Fluggesellschaft empfiehlt Reisenden mit Destinationen außerhalb des Schengen-Raums, mehr Zeit für die Abfertigung einzuplanen, um Flugverspätungen oder das Verpassen von Anschlüssen zu vermeiden.
Das EES sieht vor, dass Drittstaatsangehörige bei der Ein- und Ausreise systematisch digital erfasst werden, was neben der Passprüfung auch die Abnahme von Fingerabdrücken sowie eine biometrische Gesichtserkennung beinhaltet. Ryanair kritisiert, dass das System zum Beginn der Hauptreisezeit in vielen Mitgliedstaaten operationell nicht ausgereift sei und fordert die nationalen Regierungen auf, von der rechtlichen Möglichkeit Gebrauch zu machen, den Start in den September zu verlegen. Als Vorbild nennt das Unternehmen Länder wie Griechenland, die bereits einen späteren Einführungszeitpunkt gewählt haben, um den regulären Urlaubsverkehr während der Hauptsaison zu entlasten.
Luftfahrtexperten und Grenzzollbehörden teilen die Skepsis hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung des Großprojekts im Sommer. Die zusätzliche Erfassung biometrischer Daten verlängert den Kontrollprozess pro Passagier statistisch um ein Vielfaches, was an den Kontrollschaltern bei einer dichten Taktung von Flugbeobachtungen unweigerlich zu langen Warteschlangen führt. Viele Flughäfen klagen zudem seit Monaten über Lieferengpässe bei den benötigten Kontrollkiosken und Softwareprobleme bei der Anbindung an die zentralen EU-Datenbanken. Kritische Stimmen aus der Branche weisen jedoch auch darauf hin, dass die drängende Rhetorik von Billigfliegern wie Ryanair dazu dient, das eigene Risiko von Folgekosten abzuwälzen. Da Verspätungen im Netz eines Point-to-Point-Anbieters den gesamten Tagesflugplan durcheinanderbringen, versucht die Airline, den Druck auf die staatlichen Behörden zu erhöhen.
Aus wirtschaftlicher und administrativer Sicht stehen die europäischen Behörden vor einem Dilemma. Eine erneute Verschiebung des bereits mehrfach vertagten EES-Starts würde die europäische Sicherheitsarchitektur und die Harmonisierung der Außengrenzen weiter verzögern. Gleichzeitig erhöht ein starr festgehaltenes Einführungsdatum das Risiko von operativen Ausfällen in einer Phase, in der die europäische Flugsicherung und die Bodendienstleister ohnehin am Limit arbeiten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die personellen Aufstockungen der nationalen Grenzpolizeien ausreichen, um den gestiegenen Kontrollaufwand ohne gravierende Einschränkungen im Flugplan zu bewältigen.