In Kärnten hat ein neues architektonisches Pilotprojekt im Tourismussektor den operativen Betrieb aufgenommen. Das sogenannte EinBaumHaus, entworfen von dem Kärntner Kunstarchitekten Wolfgang Lackner, steht ab sofort als Feriendomizil sowie als Anschauungsobjekt für Bauinteressierte zur Verfügung.
Das bauliche Konzept bricht mit der traditionellen, rechtwinkligen Raumaufteilung und orientiert sich an organischen Strukturen. Im Zentrum der Konstruktion befindet sich ein stilisierter Baumstamm, um den herum die einzelnen Wohnbereiche fließend angeordnet sind. Neben der touristischen Vermietung wird die Betriebsstätte auch für baubiologische Beratungen direkt vor Ort genutzt.
Bei der baulichen Umsetzung des Projekts wurde der Fokus auf die Verwendung regionaler und unbehandelter Rohstoffe gelegt. Das Tragwerk und die Verkleidungen bestehen im Wesentlichen aus heimischem Holz, während für die Isolierung Strohdämmung und für die Oberflächengestaltung Kalkputz eingesetzt wurden. Durch diese Materialkombination soll ein spezifisches Raumklima geschaffen werden. Die Konstruktionsweise ist so konzipiert, dass die verwendeten Baustoffe nach der Demontage des Gebäudes sortenrein getrennt und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können, um eine Wiederverwertung der Baumaterialien zu ermöglichen.
Architektur- und Tourismusexperten betrachten solche unkonventionellen Beherbergungsformen im ländlichen Raum als Reaktion auf die veränderten Ansprüche im Segment der Individualreisen. Touristische Nischenangebote, die sich durch unkonventionelles Design von standardisierten Hotelbauten abheben, verzeichnen im alpinen Raum eine konstante Nachfrage. Kritische Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass die wirtschaftliche Rentabilität solcher solitären Kleinstprojekte aufgrund der geringen Bettenkapazität limitiert ist. Die hohen Planungs- und Materialkosten der organischen Bauweise lassen sich im reinen Vermietungsbetrieb oft nur über vergleichsweise hohe Übernachtungspreise amortisieren.
Zudem birgt die organische Architektur mit unkonventionellen Winkeln und Naturbaustoffen langfristige administrative und technische Herausforderungen. Der Wartungs- und Instandhaltungsaufwand für unbehandelte Hölzer und Putze im Außenbereich ist unter wechselnden alpinen Witterungsbedingungen intensiv. Auch im Hinblick auf den Brandschutz und die Genehmigungsverfahren nach den geltenden Landesbauordnungen erfordern Abweichungen von standardisierten Bauformen oft langwierige Sonderzulassungen. Ob sich das Modell über den Status eines architektonischen Anschauungsobjekts hinaus als ökonomisch tragfähiges Beherrschungskonzept etabliert, hängt von der dauerhaften Ganzjahresauslastung ab.