Mit dem Beginn der Sommerferien und der damit verbundenen Zunahme von Aktivitäten im Freien weisen medizinische Fachkreise auf das saisonale Risiko von Infektionen durch Zeckenstiche hin.
Nach aktuellen Daten des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien wurden im laufenden Jahr bereits 54 Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) klinisch bestätigt, wobei Oberösterreich derzeit die höchsten Fallzahlen aufweist. Im gesamten Vorjahr 2025 registrierten die österreichischen Gesundheitsbehörden 132 Hospitalisierungen sowie 26 ambulant behandelte Erkrankungen. Da die verantwortlichen Holzböcke in niedrigen und mittleren Höhenlagen flächendeckend verbreitet sind, stufen Experten neben klassischen ländlichen Regionen zunehmend auch städtische Parks und Naherholungsgebiete, einschließlich des Wiener Stadtgebiets, als potenzielle Risikozonen ein.
Die Relevanz präventiver Maßnahmen betrifft nicht nur den Inlandstourismus, sondern gewinnt auch im europäischen Reiseverkehr an Bedeutung. Epidemiologische Berichte des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) belegen, dass weite Teile Mitteleuropas, darunter Süddeutschland, die Schweiz, Tschechien und Slowenien, als Endemiegebiete gelten. Besonders hohe Inzidenzen verzeichnet das Baltikum; so wurden in Litauen im Jahr 2025 bezogen auf die geringe Bevölkerungszahl 642 Infektionen dokumentiert. Selbst in skandinavischen Ländern und Teilen Norditaliens breitet sich das Virus weiter aus. Vor diesem Hintergrund empfehlen Reisemediziner, den Impfstatus vor Urlaubsantritt im europäischen Ausland standardmäßig zu überprüfen.
Die medizinischen Richtlinien des aktuellen österreichischen Impfplans sehen für Erwachsene unter 60 Jahren ein reguläres Auffrischungsintervall von fünf Jahren vor, während für Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr eine Auffrischung alle drei Jahre angeraten wird. Für Personen ohne bestehenden Basisschutz besteht im Bedarfsfall die Option einer Schnellimmunisierung, bei der durch ein verkürztes Schema innerhalb weniger Wochen ein temporärer Schutz für die laufende Saison aufgebaut werden kann. Während das FSME-Virus direkt beim Stich über den Speichel der Zecke übertragen wird und ausschließlich durch die Impfung blockiert werden kann, verhält es sich bei der ebenfalls übertragenen Borreliose anders. Gegen diese bakterielle Infektion existiert kein zugelassener Impfstoff, weshalb eine rasche mechanische Entfernung des Spinnentiers zur Risikominimierung beitragen muss.
Gesundheitsökonomen und Mediziner betonen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Aufklärung, da die Durchimpfungsrate in Teilen der Bevölkerung trotz der bekannten neurologischen Spätfolgen einer FSME-Erkrankung stagniert. Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass klimabedingte Verschiebungen der Aktivitätsphasen von Parasiten eine ganzjährige Aufmerksamkeit erfordern und die klassische Beschränkung der Impfwerbung auf das Frühjahr zu kurz greift. Da die Behandlung einer manifesten FSME-Erkrankung rein symptomatisch erfolgt und keine kausale antivirale Therapie existiert, bleibt die Prophylaxe der zentrale Pfeiler zur Vermeidung schwerer Krankheitsverläufe mit Beteiligung des zentralen Nervensystems.