Parkplatz für Elektroautos (Foto: Unsplash/Michael Fousert).
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Abweichungen im Praxistest: Reale Reichweiten von Elektrofahrzeugen im Sommerbetrieb

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Der österreichische Automobilclub ÖAMTC hat in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Partnerverband NAF die Sommerausgabe des Reichweitentests „El Prix“ durchgeführt.

Bei dem Verfahren wurden 24 aktuelle Elektrofahrzeuge auf einer standardisierten Teststrecke in Norwegen bis zum vollständigen Stillstand gefahren. Ziel des seit 2020 etablierten Untersuchungsformats ist es, die Diskrepanz zwischen den theoretischen Laborwerten nach dem Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure (WLTP) und dem tatsächlichen Verbrauch im Alltag zu ermitteln. Bei moderaten Sommertemperaturen zwischen 13 und 18 Grad Celsius zeigte das Teilnehmerfeld im Durchschnitt eine minimale Abweichung von lediglich 0,2 Prozent unter den offiziellen Herstellerangaben, was auf eine gestiegene Genauigkeit der standardisierten Messverfahren hindeutet.

Hinter dem scheinbar homogenen Durchschnittswert verbergen sich bei genauerer Analyse der Einzeldaten jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern und Fahrzeugklassen. Während genau die Hälfte der Testfahrzeuge die WLTP-Vorgaben erreichte oder überschritt, fielen andere Modelle deutlich ab. Die Spannbreite der Abweichungen bewegte sich in einem Korridor von plus 11,4 Prozent bis zu einem Defizit von minus 11,7 Prozent. Während europäische Premiummarken wie BMW und Mercedes-Benz relativ konstante Werte im Bereich ihrer Deklaration ablieferten, zeigten insbesondere einige asiatische Importmodelle volatile Ergebnisse. So schnitt das Modell Xpeng X9 bei den Reichweitenüberschreitungen am besten ab, während der MG IM6 die offizielle Werksangabe am deutlichsten verfehlte.

Automobilexperten bewerten die Ergebnisse zwar als Orientierungshilfe für Verbraucher, weisen jedoch auf die spezifischen Rahmenbedingungen des norwegischen Testumfelds hin. Das dortige Straßennetz ist durch strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen geprägt, wodurch der Anteil an hochtourigen Autobahnfahrten im Vergleich zu mitteleuropäischen Verkehrsverhältnissen gering ausfällt. Da der Luftwiderstand bei höheren Geschwindigkeiten exponentiell steigt, dürften die Realreichweiten auf Autobahnen in Deutschland oder Österreich spürbar niedriger ausliegen als beim norwegischen Rundkurs. Zudem umfasste das Testfeld diverse Modelle von Marken wie Changan, Dongfeng oder Lucid, die auf dem mitteleuropäischen Markt noch nicht flächendeckend erhältlich sind, was die unmittelbare Relevanz für lokale Käufer einschränkt.

Die Aussagekraft des Sommer-Klassikers bleibt zudem nur die halbe Wahrheit im automobilen Alltag. Kritische Marktbeobachter betonen, dass die chemischen Prozesse in den Lithium-Ionen-Akkus stark temperaturabhängig sind. Die eigentliche Bewährungsprobe für die Alltagstauglichkeit stellt der korrespondierende Wintertest dar, bei dem die Reichweitenverluste durch den Heizbedarf der Fahrgastzelle und die verringerte Batterieeffizienz erfahrungsgemäß um bis zu 30 Prozent einbrechen. Für eine fundierte Kaufentscheidung müssen Verbraucher daher beide Testszenarien miteinander vergleichen, um unliebsame Überraschungen bei winterlichen Fahrprofilen zu vermeiden.

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