In der Welt der Flughäfen gibt es stetig neue Regelungen, die den Aufenthalt beeinflussen – von Sicherheitskontrollen bis hin zur Zeit, die für eine letzte Umarmung bleibt. Am Flughafen von Dunedin in Neuseeland sorgte kürzlich die Einführung eines dreiminütigen Limits für Umarmungen für Aufsehen.
Doch wie sieht es in den deutschsprachigen Ländern aus? Eine aktuelle Untersuchung der Sprachlernplattform Preply beleuchtet, wie viel Zeit Reisende in Deutschland, Österreich und der Schweiz im sogenannten „Kiss & Fly“-Bereich für ihre Abschiede haben und welche Kosten an den großen Flughäfen im DACH-Raum anfallen.
Kostenloses Verabschieden – die Regelungen im Überblick
Ein Abschied ohne Zeitdruck ist an den Flughäfen der DACH-Region oft ein teurer Luxus. Die kostenlose Verweildauer in den sogenannten Drop-Off-Zonen, in denen das kurzzeitige Halten erlaubt ist, variiert stark von Flughafen zu Flughafen.
Nach Angaben der Untersuchung gewähren die meisten Flughäfen im DACH-Raum etwa zehn Minuten kostenfreien Aufenthalt. Wer länger bleibt, muss meist tiefer in die Tasche greifen. Doch zwischen den einzelnen Ländern und Flughäfen gibt es große Unterschiede.
Österreich: Großzügige Regelungen in Graz und Klagenfurt
In Österreich zeigt sich das Bild für Reisende vergleichsweise entspannt. Die Flughäfen in Graz und Klagenfurt erlauben mit einer kostenfreien Verabschiedungszeit von 30 Minuten einen weitaus längeren Aufenthalt als an anderen Flughäfen. Auch in Innsbruck stehen den Abholern und Begleitern 20 Minuten kostenlos zur Verfügung.
Diese großzügigen Regelungen sind besonders bemerkenswert, da Österreich insgesamt nur über eine kleine Anzahl internationaler Flughäfen verfügt. Wien und Salzburg hingegen gewähren lediglich zehn kostenfreie Minuten, ein Zeitrahmen, der sich an den großen deutschen Flughäfen orientiert.
Deutschland: Der Flughafen Nürnberg führt mit 15 Minuten
Die größten deutschen Flughäfen, wie Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg, bieten ebenfalls zehn Minuten kostenfreien Aufenthalt. Doch der Flughafen Nürnberg geht hier mit 15 Minuten großzügiger vor und ermöglicht einen etwas entspannteren Abschied. In Düsseldorf und Stuttgart bleibt jedoch nur eine sehr kurze Verabschiedungszeit – sieben beziehungsweise acht Minuten, bevor Parkgebühren fällig werden.
Besonders hektisch geht es am Flughafen München zu, wo Passagiere nur fünf Minuten Zeit für einen kostenlosen Abschied haben. Diese kurze Verweildauer zwingt Reisende zu schnellem Handeln und macht längere Abschiede oft kostspielig.
Schweiz: Hohe Gebühren für Abschiede am Flughafen Zürich
In der Schweiz zeigt sich ein gemischtes Bild: Während kleinere Flughäfen durchaus akzeptable Gebühren für Kurzzeitparkplätze anbieten, ist Zürich mit seinen Gebühren Spitzenreiter. Die Passagiere des Züricher Flughafens müssen zehn Schweizer Franken (etwa 10,68 Euro) für 15 Minuten bezahlen. Im Vergleich dazu ist der Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg mit einer kostenlosen Verweildauer von 20 Minuten etwas großzügiger.
Preisunterschiede bei längeren Abschieden: Von Hannover bis Düsseldorf
Für Reisende, die längere Abschiede bevorzugen, variieren die Preise stark. So zahlt man in Hannover für 15 Minuten lediglich zwei Euro, während in Frankfurt am Main die Kosten für dieselbe Dauer bei 2,50 Euro liegen. Linz in Österreich rangiert mit 2,70 Euro ebenfalls im unteren Bereich der Gebührentabelle.
Die Preise an Flughäfen wie Düsseldorf und Zürich heben sich hingegen deutlich ab. Mit zehn Euro für 15 Minuten in Düsseldorf und Stuttgart sowie etwa 10,68 Euro in Zürich zahlen Reisende hier den höchsten Preis im DACH-Raum. Diese hohen Gebühren unterstreichen die Tendenz einiger Flughäfen, den Kiss & Fly-Bereich nicht nur als Service, sondern auch als lukrative Einnahmequelle zu betrachten.
„Kiss & Fly“ als Konzept für Sicherheit und Effizienz
Die Drop-Off-Zonen, die Reisenden das zügige Ein- und Aussteigen ermöglichen, gehören mittlerweile zu den Standardangeboten vieler Flughäfen weltweit. Sie sollen den Verkehrsfluss erhöhen, die Effizienz am Flughafen steigern und Sicherheitsrisiken reduzieren. Seit den Anschlägen von 9/11 ist die Sicherheit an Flughäfen ein zentrales Thema, das auch die Einführung und Ausgestaltung der Drop-Off-Zonen geprägt hat. Laut Flughäfen und Verkehrsbehörden soll das Konzept „Kiss & Fly“ zudem sicherstellen, daß die Zufahrt zum Terminal jederzeit für Notfallfahrzeuge offen bleibt.
Eine Frage der Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit
Die Verabschiedungszeiten und die damit verbundenen Kosten am Flughafen sind nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch ein strategischer Aspekt für Flughäfen. Während für einige Flughäfen die Einnahmen aus den Parkgebühren eine wichtige finanzielle Säule darstellen, geht es anderen um die Kundenzufriedenheit.
Eine knappe Zeitspanne für das Abschiednehmen oder hohe Gebühren können für Frust sorgen, gerade wenn Flugreisende ohnehin mit Herausforderungen wie Verspätungen oder langen Wartezeiten konfrontiert sind. Untersuchungen zeigen, daß einige Flughäfen mit längeren Gratiszeiten für mehr Zufriedenheit bei den Passagieren und ihren Begleitern sorgen können, wie etwa die großzügige 30-Minuten-Regelung in Graz und Klagenfurt verdeutlicht.
Ein Spagat zwischen Kundenorientierung und Wirtschaftlichkeit
Insgesamt spiegelt die Untersuchung von Preply die unterschiedlichen Prioritäten der Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wider. Während einige Flughäfen wie Nürnberg und Graz großzügigere kostenlose Verabschiedungszeiten anbieten, legen andere wie München und Zürich den Fokus auf schnelle Umsätze durch begrenzte Parkzeiten und hohe Gebühren.
Für Reisende bedeutet dies, sich im Vorfeld gut zu informieren, um Stress und zusätzliche Kosten zu vermeiden. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen und kundenorientierten Lösungen in der Reisebranche könnte eine Harmonisierung der Verabschiedungszeiten und Gebühren innerhalb der DACH-Region ein sinnvoller Schritt sein, um sowohl Effizienz als auch Kundenzufriedenheit zu fördern.